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Bandportrait: „Wenn mich etwas aufregt, dann muss ich schreien!“24.11.2021



Text und Foto: Ralf Koch
Extreme Erfahrungen benötigen extreme Mittel, um sie adäquat umzusetzen. Und wenn man dachte, die fünf von der Wildeshauser Geest, bzw.  ihr Sänger Aaron Steineker hätte in der Beziehung bereits alles gesagt, hat weit gefehlt. Die traumatischen Erlebnisse, die bereits 2019 beim Album ´Porcelain` so Manchem den Atem verschlagen hat, haben weiter nachgewirkt und bedurften eines weiteren Ventils: Am 10. Dezember veröffentlichen Rising Insane ihr drittes Album „Afterglow“.
Aber der Reihe nach: 2012 gründeten die Gitarristen Sven Polizuk und Florian Köchy, Drummer Robert Kühling, Bassist Ulf Hedenkamp und Sänger Steineker die Band, um ihrer Vorstellung von Metal mit dem richtigen Wumms nachzugehen. Bekanntheit erlangen sie schnell über das 2013 ins Leben gerufene „Springsane Festival“, zu dem sie weiteren regionalen Bands eine Bühne bieten, den Kulturhof in Hude in eine Metal-Hölle verwandeln und den kleinen Klosterort auf die Metal-Landkarte bringen. Anfangs noch selbst froh, eine größere Bühne zu entern, erreichten sie spätestens mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums „Nation“ das nächste Level. Neben sozialkritischen Texten u.a. über mangelnde Nächstenliebe bekommt Donald Trump ordentlich sein Fett weg, Grund genug für Steineker, sich seinen Frust aus der Seele zu schreien. Zudem belastet ihn die Brustkrebs-Diagnose seiner Schwester: „Da gab es erste Texte über diesen Schock“, berichtet er. Ein Jahr später stirbt sie, und leitet eine dramatische Wendung im Leben Steinekers und letztlich der ganzen Band ein: „Auf ´Porcelain` habe ich meine traumatischen Erfahrungen beschrieben.“ Eine Wandlung, die sie ihren Fans noch viel näher bringt. „Wir haben so viel positives Feedback bekommen und haben immer wieder gehört, wie sehr die Texte sie berühren würden. Gleichzeitig haben wir so viele eigene, teils auch echt krasse Geschichten von ihnen gehört, die meine neuen Texte beeinflusst haben.“
Die siebte Ausgabe des „Springsane“ wird 2019 zur CD-Release Party und zieht ins Amadeus um, die Tourneeaktivitäten weiten sich derweil auf das gesamte Bundesgebiet aus, eine gemeinsame Tournee mit Annisokay führt sie in ausverkaufte Clubs mit bis zu 800 Fans sowie auch ins benachbarte Ausland. Erst Corona stoppt sie, zwingt sie zur Positionsbestimmung und lässt sie an neuen Songs schreiben. Allerdings läuft es für Steineker alles andere als rund. „Das waren Anzeichen einer Depression, ich hatte Verlustängste, Panikattacken, ein Arzt diagnostizierte schließlich eine Posttraumtische Belastungsstörung. Also habe ich eine Therapie gemacht“, erzählt er. Während die erste Reaktion der Band auf die Corona-Zwangspause noch die „Recovered“-EP mit Songs von u.a. The Weeknd und Dua Lipa sowie eine Akustikversion ihres „Porcelain“-Albums ist, machen sie sich schließlich an ihr drittes Album. „Wir hatten schon 2019 erste Songs geschrieben, aber erst Mitte 2020 wurde uns plötzlich die Richtung klar und wir schrieben das ganze Album neu. Deswegen ist das Album auch wie aus einem Guss, das hört man einfach“, zeigt er sich selbstbewusst. Eine Einstellung, die letztlich die therapeutische Auseinandersetzung mit seiner Depression bewirkt hat. „Die Texte von „Afterglow“ schließen an ´Porcelain` an – und beinhalten dazu noch ein paar der erwähnten Geschichten von den Fans, die dann auch zum Thema passten“, fasst er die Texte zusammen. Geschichten, die ihm schon immer extrem wichtig waren – und die das Bandgefüge erst komplett machen. Denn die Screams und Shoutings, die einen wesentlichen Bestandteil ihres Sounds ausmachen, sind etwas, auf die er nicht verzichten möchte. „Das geht mir auch im Privaten so – im Auto z.B.: Wenn mich etwas aufregt, und mich so krass berührt, dann muss ich schreien!“. 2022 geht die Band mit den australischen Deez Nuts sowie zwei weiteren Bands auf eine gut vierwöchige Europa-Tournee, so die Epidemie-Entwicklung es zulässt. Noch vor Weihnachten feiern sie endlich wieder mit ihren heimischen Fans: Am Samstag, 18. Dezember steigt die CD Release-Party im Amadeus, was Steineker euphorisch werden lässt: „Wir haben ein wenig Sorge, aber wir hoffen so sehr, dass es dabei bleibt. Wir freuen uns tierisch drauf!“

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