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Weibliche Rebellinnen?18.03.2026



Interview: Thea Drexhage Foto: Privat

MoX: Was ist eigentlich ein Tradwife?
Viktoria Rösch: Das ist ein Begriff, der sich aus „traditional housewife“ zusammensetzt. Dabei handelt es sich um eine Social Media Figur, die versucht, einen vermeintlich traditionellen Lebensstil zu präsentieren. Das ist eng verknüpft mit einer binären geschlechtlichen Ordnung mit einer geschlechtlichen Aufgabenteilung. Also ganz konkret: der Mann ist für alles Öffentliche verantwortlich und die Frau für das Private, wozu dann Dinge wie Care-Arbeit dazugehört. Das ist das Kerngeschäft der Tradwife, welches sie in schönen Bildern präsentiert. Es sind also Social Media Figuren, diese muss man aber analog zu Influencerinnen betrachten, aber nicht gleichsetzen mit der Hausfrau.
MoX: Die Veranstaltung heißt „von Tradwives und anderen rechten Influencerinnen“ – bedeutet, dass es dort eine Schnittmenge gibt… Viktoria Rösch: Es ist so, dass die Tradwives derzeit aus verschiedenen Gründen besprochen werden. Zum einen, wenn so eine Zeitdiagnose kommt, dass wir es mit einer verstärkt konservativen Jugend zu tun haben, aber auch, dass wir es verstärkt zu tun haben mit dem Aufstieg einer globalen extremen Rechten, wo auch Frauen zu sehen sind. Das bedeutet nicht, dass alle Tradwives rechts sind, aber, dass diese als Symbolfigur sehr stark von der extremen Rechten genutzt werden. Aber es gibt auch Schnittmengen von Personen, die sich im Netz als Tradwife äußern und Verknüpfungen in die rechte Szene haben. Ein bekanntes Beispiel aus den USA ist die Tradwife Estee Williams, die ganz stark auch Wahlkampf für Trump gemacht hat und Teil der Maga-Bewegung ist. MoX: Woran erkennt man rechte Influencerinnen?
Viktoria Rösch: Unter dem Begriff der rechten Influencerin bezeichne ich erstmal rechte Aktivistinnen, die versuchen mit den klassischen Techniken der Influencer einen Einfluss zu erreichen. Dabei geht es ganz viel um so eine vermeintliche Nahbarkeit und den Einblick ins Private. Die rechten Influencerinnen vermischen Aktivismus mit diesem Einblick in das Private. Man erkennt sie ganz unterschiedlich. Einige sind sehr offensiv, sie bezeichnen sich als rechts und versuchen ganz klar Politik zu machen. Sie verknüpfen dann ihre Botschaften mit privaten Aktivitäten und zeigen, wie sie backen oder auf Konzerte gehen. Bei anderen ist es vielleicht nicht ganz so offensichtlich und man bemerkt es erst, wenn man sich den gesamten Account anschaut und nicht nur auf die Bilder achtet. Dort findet m,an vieles in den Bildunterschriften heraus, oder stößt regelmäßig auf Dinge, die einen stutzig machen, wie Aussagen: „Der Feminismus ist eine Belastung der Frau“ oder „Wir befinden uns in einer sehr unübersichtlichen Form der Moderne und die einzige Lösung ist der Rückzug der Frau ins Private“ – ganz klar ist es dann manchmal auch, wenn es verknüpft wird mit rassistisch konnotierten Aussagen. Aber eine klare Antwort gibt es da nicht.
MoX: Seit wann lassen sich diese Phänomene zunehmend beobachten?
Viktoria Rösch: Da muss man wieder zwischen Tradwives und rechten Influencerinnen unterscheiden. Denn nicht alle rechten Influencerinnen nutzen diese Tradwife-Symbolik. Bei den Tradwives ist das ungefähr in der Mitte der 2010er Jahre in den USA gestartet und danach hat sich das transnational verbreitet, vor allem in westlichen Ländern. Verstärkt beobachten konnte man das zudem während der COVID-Pandemie, was ich mir damit erkläre, dass es eine Zeit war, in der viel zuhause stattgefunden hat. Gerade auf Instagram und Pinterest fingen viele Menschen plötzlich an, Sauerteigbrot zu backen und ähnliche Themen aufzugreifen. Gleichzeitig wurde auch die Care-Krise stärker sichtbar, weil alle Institutionen geschlossen hatten. Das ist eine Gemengelage, in der der Content von Tradwives anschlussfähiger wurde an alle anderen Inhalte, wodurch es eine verstärkte Sichtbarkeit gab. Bei den rechten Influencerinnen passierte während der letzten 5 Jahre ein Umbruch. Es gab eine Veränderung in der Darstellung und viele dieser Influencerinnen sind nicht mehr verdeckt rechts. Das können wir auch allgemein in der rechten Szene beobachten. Es wird viel offensiver damit umgegangen, dass sie rechts sind. Es werden Witze darüber gemacht, Memes geteilt, auch von der AFD, die sich darüber lustig machen, dass sie vom Verfassungsschutz als gesichert rechts eingestuft wurden. Vieles findet nicht mehr hinter verdeckter Hand statt.
MoX: Was bewegt Sie, zu diesem Thema zu forschen?
Viktoria Rösch: Ich beschäftige mich schon länger mit Frauen in der extremen Rechten. Meine Aufmerksamkeit habe ich 2016 erstmals auf das Thema gelenkt. Dort gab es zwei entscheidende Ereignisse: Die Instrumentalisierung von Frauenrechten durch extrem rechte Frauen im Anschluss an die Kölner Silvesternacht 2015/16, nach welcher mir rechte Frauen nochmal stärker in den Blick gekommen sind, privat. Dann war das auch die Zeit, in der die sogenannte „Identitäre Bewegung“ verstärkt mediale Sichtbarkeit hatte. Ich bin dann zunehmend auf rechte Frauengruppen gestoßen und mich persönlich Victoria Rösch Foto: privat gefragt, wie es sein kann, dass man als junge Frau einer politischen Ideologie zugehörig ist, die eigentlich gegen die eigenen Vorteile ist. Und wie passt das zusammen, dass diese Frauen, die ja nach der Ideologie eigentlich im Privaten sein sollten, in die Öffentlichkeit gehen. Das war der ausschlaggebende Punkt, dass ich mich für dieses Thema interessiert habe – erst privat und in kleineren studentischen Arbeiten und dann bin ich dazu gekommen, das Ganze zu meinem Dissertationsprojekt zu machen. Zu den Tradwives kam ich auch darüber. Ich habe den Account von Freya Honold, die unter anderem bei der rechten Frauenkampagne #120db in Erscheinung trat und die diese Tradwife-Ästhetik aufzeigt, entdeckt. Darüber bin ich dann zu der Tradwive-Thematik, unabhängig von den rechten Influencerinnen, gekommen.

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