LzOLzO
OLDENBURG
Samstag

18

April

Foto:
Über den Dächern von Oldenburg

Hier geht es zu den aktuellen Ausgaben

Suche:

direkte Antwort ohne Umwege!

Kleinanzeigen

Aktuelles

Homecoming04.03.2026



Text und Foto: Thea Drexhage

Der deutsch-britische Gitarrist und Sänger Tom ist längst kein unbeschriebenes Blatt in der Musikbranche und ist unter anderem durch das Trio Tom Allen & The Strangest bekannt. Seine Partnerin Veva sprudelt zwar auch vor Kreativität, war aber immer mehr mit dem Theater verbunden, als mit der Musik. „Ich konnte nicht singen und dachte immer, mein musikalisches Talent ist eher gering. Und das war am Ende glaube ich der ausschlaggebende Punkt, diese Band zu gründen, denn Tom war das komplette Gegenteil. Der kann besonders viel und das auch schon sehr gut und dem war er vielleicht so ein bisschen überdrüssig“, erklärt Veva. Während einer Schreibblockade schlug sie ihm schließlich vor, einfach gemeinsam Musik zu machen. Der Kompromiss: drei Trommeln müssen reichen und drei Saiten doch eigentlich auch. Diese Herausforderung erforderte eine neue Herangehensweise an die Musik und um das alles noch merkwürdiger zu gestalten, wurde auch bei den noch übrigen Komponenten auf unkonventionelle Mittel gesetzt. Vevas Bassdrum kommt nicht einfach aus dem lokalen Musikgeschäft, sondern wurde über Kleinanzeigen für ein paar Euro erworben und ist eigentlich eine bayrische Marschtrommel aus den 50er Jahren, die ihre ganz eigenen, unberechenbaren Klangeigenschaften mit sich bringt und auch die verwendeten Gitarren von Tom neigen eher zu Charakter als zu virtuoser Präzision. Und genau das macht den einzigartigen Klang des Duos aus. Auf der ersten EP „You’re Welcome“ noch schroffer als auf dem aktuellen Langspieler, aber schon das kam scheinbar gut an in der Szene. Dem ganzen einen Genrestempel aufzusetzen, ist allerdings nicht so einfach. „Brit-Pop oder Melodic Garage-Punk vielleicht. Heute ist ja alles dieses Melodic Hardcore und Melodic Dies und Das. Ich fand das immer super schwierig, sich kategorisieren zu müssen. Bei uns ist einfach das Credo: der Song muss tragen auf drei Saiten und drei Trommeln und wenn das nicht geht, dann ist der Song nicht gut“, so Tom. Hört man sich die neue Platte an, ist von dieser Reduzierung nur wenig zu spüren. „Time Will Tell“ lässt nichts vermissen, was einen guten Song ausmacht obwohl auch bei der Produktion auf Reduktion gesetzt wurde: wenige Mikrofone, keine Effekte und schon gar kein Autotune. Aber ein wenig theatralischer Einfluss darf nicht fehlen. Auf Fotos und covern zeigen sich die beiden verträumt inszeniert: Anzug, Hochzeitskleid, Blumen. „Wir hatten noch gar keine Songs, sondern nur die Idee der Band und für diese brauchten wir natürlich Fotos,“ so Veva. „Wir brauchten Fotos, noch bevor die Schlagzeugerin jemals Sticks in der Hand hatte“, wirft Tom lachend ein. Diese Bilder entstanden mit dem Oldenburger Fotografen Holger Nitschke, den Veva noch aus ihrer Jugend in Oldenburg auf dem Schirm hatte und seine Arbeiten schon immer sehr bewunderte. Dass die beiden nur wenige Jahre später Köln für Oldenburg verlassen würden, stand zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht zur Debatte. Doch der eigene Nachwuchs und Familienverbindungen in die Stadt schienen schnell ein guter Anreiz, denn im Gegensatz zu den großen Metropolen lassen sich hier Familie, Job und Musik für die beiden noch so kombinieren, dass in keinem der Bereiche großartig zurückgesteckt werden muss. So ernst das spontane Projekt auch geworden ist, allein von der Musik zu leben, ist nicht das Ziel. False Lefty vertreten einen Working-Class-Ethos, der sich auch in der Musik widerspiegelt. Es geht eher um die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede. Solidarität statt nach unten treten. Und das funktioniert in Oldenburg genauso gut wie in Köln. Zum Glück war schnell ein Proberaum in einem Zwischennnutzungsprojekt gefunden, der einen nahtlosen Übergang erlaubte. Um ihre Ankunft hier gebührend zu feiern, muss natürlich auch ein Homecoming-Gig geplant werden, wofür die Wahl auf das Polyester fiel, in welchem Veva viel Zeit in ihrer Jugend verbrachte. Nun selbst ein Konzert dort zu veranstalten und barfuss hinter den Trommeln über das Parkett zu tanzen ist doch ein schönes Gefühl von Heimkehr. Wer vor dem Konzert einmal in die Musik der Band schnuppern möchte, kann dies auf allen gängigen Streamingportalen sowie Bandcamp tun und auf Vinyl gibt’s die neue Platte natürlich auch.



Info: False Lefty spielen am 9.3. im Hamburger Molotow und am 6.4. im Polyester Oldenburg

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Um hier Kommentare abgeben zu können müssen Sie sich erst Anmelden!

Benutzername:     Passwort:    

Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben oder Sie sich registrieren wollen Klicken Sie bitte hier.


Sonderseiten
Kostbar
EXB Handwerk