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Re:Vision03.12.2025
Text und Foto: Thea Drexhage
[font=Bembo]Seit den 1970er Jahren gibt das Naturalienkabinett so eine Vorstellung davon, wie das Großherzogliche Naturalien-Cabinett in Zeiten der Museumsgründung ausgesehen haben könnte. Aus heutiger Sicht wirft dieser Raum allerdings Fragen auf: wo kommen die Objekte her? Wie kamen sie in den Besitz des Museums? Und bietet die Art dieser Ausstellung genug Raum für eine kritische Auseinandersetzung? Denn neben Pflanzen- und Tierpräparaten sowie Mineralien und Fossilien aus verschiedensten Herkunftsländern befanden sich auch ethnologische Objekte in der Sammlung, welche mittlerweile aus der Ausstellung entfernt wurden. Das Thema Provenienzforschung gewinnt seit Jahren zunehmend an Bedeutung, sodass sich in diesem Jahr eine neue Arbeitsgruppe formierte, die sich mit kolonialen Kontexten der Sammlung des Naturalienkabinetts auseinandersetzt. Zu den entfernten Objekten gehören beispielsweise Speere und Schilde der Massai. Dazu erklärt die Provenienzforscherin Jennifer Tadge: „Wir haben dazu geforscht, wie der Sammler an diese Objekte gekommen ist und konnten ganz klar feststellen, dass[/font][font=Bembo] [/font][font=Bembo]es sich um Gewaltkontexte handelt. Er hat diese Objekte auf dem Schlachtfeld aufgesammelt, nachdem die Menschen diese bei der Flucht haben fallen lassen. Hier hingen diese nun unkontextualisiert an der Wand und wir wissen als Museum schon länger, dass das problematisch ist.“[/font][font=Bembo] [/font]
So gab es bereits in der Vergangenheit Projekte und Interventionen, die temporär neue Perspektiven in die Sammlung gebracht haben. Zudem wurde bereits im September ein Positionspapier zum neuen Umgang mit dem Naturalienkabinett auf der Homepage des Museums veröffentlicht. Nun ist es an der Zeit für eine dauerhafte Lösung, die auch den betroffenen indigenen Kulturen gerecht wird. Zunächst wird eine Aktionsfläche unter dem Titel „Re:Vision: Vom Staunen und Verstehen“ geschaffen. Auf dieser werden Objekte aus dem Naturalienkabinett gezeigt und in einen entsprechenden historischen Kontext gesetzt. Zudem werden Arbeitsschritte für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht, die das Umdenken im Umgang mit der Sammlung offenlegen. Im Anschluss wird das Naturalienkabinett geschlossen und der Raum für neue Ideen umkonzipiert. Im Rahmen der Sonderausstellung erhofft sich die Arbeitsgruppe, neue Erkenntnisse über den zukünftigen Umgang mit den Objekten zu gewinnen. So wird es auch eine Feedback-Wand geben, die Besuchenden die Chance gibt, ihre Gedanken und Wünsche an das Museum zu äußern. Einige Ideen gibt es seitens der Arbeitsgruppe schon. „Wir wünschen uns einen Raum, in dem man die Themen aus dem Naturalienkabinett viel größer aufziehen könnte. Die ethnologische Sammlung könnte man in Kooperation mit unseren internationalen Partnern zeigen. Wir könnten auf die kolonialzeitlichen Bestände aus der Naturkunde ganz anders eingehen. Was bedeutet es, wenn Vögel aus kolonialen Kontexten stammen – was steckt dahinter? Man könnte auch neue Forschungsergebnisse zu den ausgestorbenen Arten wie dem Riesenalk präsentieren“, so Tadge. Auch soll das dann ehemalige Naturalienkabinett ein Raum für Communities aus Oldenburg werden. Im Rahmen des, in diesem Jahr endenden, 360° Projekts, welches erkundete, wie die Öffentlichkeit und verschiedene kulturelle Gruppen der Stadtgesellschaft mehr in Kultureinrichtungen eingebunden werden können, wurde festgestellt, das ein solcher Ort zur Umsetzung von Ideen der verschiedenen Communities am Hause fehlt. Die Ideenfindung zur neuen Nutzung des bestehenden Raums ist demnach ein laufender Prozess, dessen Ausgang bisher noch nicht bekannt ist. Übergeordnetes Ziel ist es, einen zufriedenstellenden Weg für Museum und Gäste zu finden. Die Objekte aus dem, bei den Besuchern sehr beliebten Naturalienkabinett, sollen nicht einfach verschwinden, sondern auf neu gedachte und gerechte Art präsentiert werden. Es soll ein Ort für neue Fragestellungen und Dialoge geschaffen werden.
Info:
„Re:Vision – Vom Staunen und Verstehen“ wird vom 6.12. bis zum 22.2. im Landesmuseum Natur und Mensch gezeigt
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