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Vom Zauber des Aufbruchs07.10.2025



Der Nicht-Stillstand ist es, der es ihr angetan hat, und ihren Figuren auch.
Die Titel, unter denen die Protagonistinnen in Bewegung sind, geben die Richtung vor, zumindest die ideelle. „Celebrating The First Step“, heißt eine Überschrift. Oder „Keep Going“. Und so streifen die Frauen durch farbsatte Hintergründe und sind auch selber acrylsatt – allerdings ohne vollends ausgemalt zu sein. Eva Tenzer lässt die Konturen sanft auslaufen, da verschwindet schon mal ein Arm, eine Hand im Ungefähren. Das fällt auf den ersten Blick gar nicht ins Auge, weil die Frauen einen so starken Eindruck machen, so präsent sind. Und genau das sollen sie sein – formbar in einer wandelbaren Gegenwart. Denn Eva Tenzers Thema ist die Veränderung, ist der Moment, wo das Alte abgestreift wird, ohne dass das Neue bereits feststeht. Veränderung, sagt sie, kündigt sich selten spektakulär an, zumeist macht sie sich leise bemerkbar, „als eine Ahnung, dass das Vertraute nicht mehr passt“. Manche Menschen erlebten diesen Zustand als Stillstand. „Doch gerade dieses Dazwischen birgt eine besondere Kraft.“
Wandernde in Zwischenzonen
Den Beginn dieser Alchemie greifen ihre Bilder eindrücklich auf. Ihre Figuren sind noch nicht angekommen, sie sind nicht festgelegt. Das drückt sich auch im Strich und in der Farbgebung aus. Signalfarben lösen sich auf in Pastell, Linien und Konturen erscheinen mal kräftig, mal schwebend und halten auf diese Weise die Spannung zwischen Abschied und Neubeginn. Das Dazwischen ist ein notwendiger Raum in Tenzers Arbeiten, eine Kammer, in der sich das Alte verabschiedet und das Neue sich vorsichtig andeutet.
Eva Tenzer ist nicht nur Künstlerin, sie ist auch promovierte Historikerin und Wissenschaftsjournalistin. In ihren Bildern schafft sie es, psychologische Themen federleicht und farbintensiv umzusetzen. Wir alle, betont sie, sind Wandernde in Zwischenzonen. „Wer sie durchschreitet, gewinnt eine neue Form innerer Weite.“
Eva Tenzer malt auch Landschaften, sie reichert ihre Bilder mit Texten an, japanischen Haiku, deren dreizeilige Prägnanz sehr gut zu den Motiven passt. In der Mehrzahl sind dies Frauen, die sich in offenen Kulissen bewegen, bewusst fragmentiert und undefiniert. „Das Visuelle selbst wird zur Metapher für Übergänge“, so die Künstlerin, die auch passionierte Tangotänzerin ist und daher vertraut mit Gleich- und Ungleichgewichten aller Art. „Meine Erfahrung ist: Hin und wieder Altes loszulassen und zu neuen Ufern aufzubrechen, ist gelebte Freiheit.“
Sie schaffe Kunst für Menschen, die im lebendigen Flow bleiben wollen, betont die Oldenburgerin. „Gerade in herausfordernden Zeiten sollen meine Werke nicht nur gefallen, sondern auch dazu einladen, sich selbst wieder zu spüren und wahrzunehmen.“ Da kann sogar ein „Im-Kreis-Laufen“ sinnvoll sein. „Walking in Circles“ heißt ein Bild, auf dem sich eine Frau durch eine ockerfarbene Landschaft bewegt. Inspiriert wurde Tenzer hier vom Wim Wenders-Klassiker „Paris, Texas“. Geht die Frau tatsächlich im Kreis? „Manchmal fühlt es sich an, als würden wir im Kreis laufen“, lautet der Kommentar der Künstlerin. Aber das sei kein Problem. „Denn das Unterwegssein an sich kann es sein, worum es geht.“
Text: Britta Lübbers Fotos: Eva Tenzer

„Passionen“
Bilder von Eva Tenzer im PFL
Vernissage: 9. Oktober, 18 Uhr

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