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Angebot oder Mangel?24.09.2025
Text und Foto: Merle Theus
[font=Bembo]Die 27-jährige war sich des Risikos eine eigene Tanzschule zu gründen, bewusst und stand in der Anfangszeit entsprechend stark unter Druck Kunden zu finden, um die Kurse schnell zu füllen. Der Rückblick 15 Monate nach Eröffnung zeigt einen vollen Erfolg. Die Schule hatte recht schnell eine gute Mitgliederzahl, das Geschäft rentiert sich bereits. Neben ihrer großen Leidenschaft zum Tanzen und Unterrichten motivierte sie das Wissen, dass es in Westerstede wenig Teilhabemöglichkeiten für Kinder und Jugendliche gibt und sie, wenn sie wiederkäme, insbesondere den Tänzern wieder einen Raum bieten kann, wo diese Unterricht erhalten könnten. Für das Dance Collective ist der ländliche Standort sehr von Vorteil, da dieses vor Ort einmalige Angebot eine Monopolstellung einnimmt. In größeren Städten gibt es direkte Konkurrenzorte und Angelina hätte sich als Lehrerin und Choreografin nochmal ganz anders beweisen müssen, als in einer Region, in der die Alternativen rar sind und sie bereits durch ihre früheren Tätigkeiten als Tanzlehrerin bekannt war. Einige der Kinder, die vor einigen Jahren im Fitnessstudio von ihr unterrichtet wurden, sind nun Teil ihrer Jugend-Kurse. Zusätzlich existiert in Westerstede im Vergleich zu anderen ländlichen Regionen unter der Woche ein relativ gutes Busnetzwerk.[/font][font=Bembo] [/font]
Das Angebot des Dance Collective ist für alle Menschen ausgerichtet, die Interesse am Tanzen haben, unabhängig vom Alter, dem gesellschaftlichen Hintergrund oder der sportlichen Vorerfahrung. Dieses Durchtrennen von Gruppen-Barrieren stärkt ebenfalls ein harmonisches Miteinander in der Gesellschaft, zumal die Relevanz der Werte „Inklusion“, „Authentizität“ und „Respekt“ auch auf der Website hervorgehoben wird. Die Inhaberin rechnete dabei hauptsächlich mit Interesse von Kindern und Jugendlichen. Ihre Befürchtung, die Erwachsenenkurse könnten nicht so gut laufen, war jedoch unbegründet. So ist der Altersdurchschnitt relativ ausgeglichen, da es auch für die älteren Mitglieder der Westersteder Gesellschaft keine Alternativangebote in Reichweite gibt. Für den hohen Andrang hat das Dance Collective mit seinen zwei Tanzsälen und einem Pole-Dance-Raum genug Raumkapazitäten. Schwieriger sieht es in Westerstede mit der Auswahl an Lehrkräften für den umfangreichen Stundenplan aus. Angelina selbst übernimmt neben ihrer Tätigkeit als Inhaberin etwa 15 Kurse die Woche und beschäftigt zusätzlich 9 Tanzlehrerinnen. Anders als beispielsweise in Köln, wo sie mehrere Jahre gelebt hat, findet sich hier in Westerstede nicht so schnell eine berufliche Tanzlehrkraft, die bei Bedarf einspringt. Jedoch trainiert sich Angelina auch selbst ihre Lehrenden an. Als Tanzpädagogin vermittelt sie nicht nur Technik und Choreographien sondern auch soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit und trägt so zur Persönlichkeitsentwicklung bei. So wird aus einem ästhetischen Hobby ein Träger kultureller Bildung. Zufrieden mit dem, was sie bisher erreicht hat, möchte Angelina ihre Tanzschule weiter aufbauen und mehr Mitglieder anwerben.
Die drei genannten Beispiele zeigen, dass es Kultureinrichtungen auf dem Land nicht zwingend schlecht ergehen muss. Sie haben andere Hürden zu bewältigen als die in einer städtischen Umgebung, bieten über die Nähe jedoch auch eine gesellschaftlich anders gelagerte, persönliche Bereicherung für Anbietende und Nachfragende. Um eine Kulturstätte in diesen Regionen zu errichten, bedarf es einer guten Idee und Leidenschaft. Definitiv aber besteht weiter Bedarf an ländlichen Partizipationsmöglichkeiten.
Hierzu könnten Portale der Landkreise, in denen die Kulturangebote nach Themen sortiert und vorgestellt werden, dienen. Die Kommunen sollten entsprechende Einrichtungen jedoch nicht nur über Werbung, sondern auch finanziell stärker unterstützen. Aus den Kulturindikatoren Ausgabe 2024 der statistischen Ämter des Bundes und der Länder geht hervor, dass das Land Niedersachsen im Jahr 2020 mit 85 Euro öffentlichen Ausgaben für Kultur pro Einwohner vergleichsweise günstig abschneidet, während der deutschlandweite Durchschnitt bei 175 Euro pro Person lag. Sogar der Bundesdurchschnitt der Flächenländer lag mit 127,40 Euro darüber, zeigt der Kulturfinanzbericht 2022. Hinzu kommt, dass innerhalb der Länder kleinere Kommunen im Durchschnitt deutlich weniger Geld pro Person für Kultur ausgeben.
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