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Alles andere als Popcornkino24.09.2025
Text und Foto: Thea Drexhage
Zu diesen gehört die deutschsprachige Dramedy „Ghost Bastard“, das irische Familiendrama „Horseshoe“, der französische Mystery-Folklore-Film „The Girl in the Snow“, das tschechische Coming-Of-Age-Drama „Broken Voices“, das post-apokalyptische „Under The Burning Sun“ sowie der Copthriller „Keep Quiet aus den USA. Es sind Filme, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie alle bestechen allerdings durch eine einmalige Geschichte, knackiges Storytelling und wirklich gute, schauspielerische Leistungen. Und während nur einer der Filme den Publikumspreis mit nach Hause nehmen konnte, erhielten auch zwei weitere der Nominierten große Auszeichnungen.
Der Gewinnerfilm für den Spirit Of Cinema Award 2025 ist Keep Quiet von Vincent Grashaw mit Lou Diamond Philips in der Hauptrolle. Ein Polizei-Streifen wie er im Buche steht. Er handelt von Cop Teddy, der in einem Indianerreservat tätig ist und seiner neuen Kollegin Sandra (Dana Namerode), die er mit den Gepflogenheiten im Reservat vertraut macht. Es geht um Gewalt, Bandenkriminalität und die verzwickte Lage der nativen Jugendlichen, sich durch eben diese Welt zu navigieren. Grashaw schafft in diesem Film eindrucksvolle Figuren, die sich nicht klassisch in Gut und Böse einteilen lassen, sondern die durch die Gegebenheiten vor Ort schwierige und charakteruntypische Entscheidungen treffen müssen. Zudem punktet der Film durch seine Kurzweiligkeit und seine universelle Bedeutung, denn all diese Geschehen könnten in jeder Kultur stattfinden, die mit Bandenkriminalität zu tun hat.
Broken Voices vom Tschechischen Regisseur Ondřej Provazník fokussiert sich auf ein konkreteres Thema: die wahre Geschichte des tschechischen Jugendchores „Bambini di Praga“, welcher durch sexuellen Missbrauch in fast 50 Fällen durch die Chorleitung Schlagzeilen erlangte. Zwar konnte der Film nicht den Spirit Of Cinema Award nach Hause nehmen, dafür aber die größte Festivalauszeichnung: den German Independence Award für den besten Film. Statt aus diesem Skandal jedoch ein lautes, wütendes Drama zu machen, erzählt Broken Voices nur einen Bruchteil dieser nahezu 20 Jahre anhaltenden Geschichte anhand des Geschwisterpaares Katarina und Lucie, die angetrieben von ihren Eltern eine Chorkarriere verfolgen. Gezeigt werden vor allem Bilder einer Jugend: Eifersucht, Mobbing aber auch Freundschaft und Ehrgeiz, ganz natürlich und ungeschönt – sodass das Missbrauchsthema bis in die letzten Minuten fast in den Hintergrund gerät. Der Film hat zwischenzeitig durchaus seine Längen, entschädigt aber mit einem eindrücklichen Finale, das die Zuschauer nachdenklich zurück lässt.
Mehr mit dem Holzhammer arbeitete da Under the Burning Sun, welcher zwar auch nicht das Publikum, aber dafür die Fachjury überzeugen konnte und den Audacity Award gewann. Das dystopische Feminismusdrama von Regisseurin Yun Xie überzeugt durch seine drastische Erzählweise, seinem kruden Tarantino-Witz aber auch durch die feinen Nuancen im Schauspiel von Hauptdarstellerin Stephanie Pardie. Es ist der erste Spielfilm von Yun Xie und ihrer Crew. Er zeigt die Reise von Mowanza, die nach einer Vergewaltigung versucht, eine Abtreibung vornehmen zu lassen, was sich in dieser dystopischen Version von Amerika, in der unter anderem Wasser zu einem der wertvollsten Güter zählt, als schwierig erweist. Auf ihrem Weg begegnet sie vielen Figuren, die Frauen trotz ihrer verschiedenen Umstände oft gnädig und hilfsbereit, die Männer gesichtslos und kalt. Yun Xie wuchs sowohl in China, einer Kultur mit Zwangsabtreibungen, als auch in Amerika auf, wo diese zunehmend kriminalisiert werden. Dieser Zwiespalt zeigt sich auch in ihrer Geschichte. Es ist ein Film, durchaus für die große Kinoleinwand geeignet ist.
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