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Filme, die den Finger in die Wunde legen.24.09.2025
Text und Fotos: Rüdiger Schön
Film und Märchen, das geht ja oft zusammen, was sich wohl auch Erkan Acar gedacht hat, Regisseur von Ghost Bastard. Actionreich wie emotional erzählt er die Geschichte von Mike, dem Geist und dem Mädchen Elli, die ihn als einzige sehen kann. Erst später werden beide merken, dass diese Verbindung sehr tragisch ist. Ein Jugendfilm, der sich um Schuld und Vergebung dreht, und dabei manchmal recht dick aufträgt, speziell wenn es um die Vaterrolle geht. So wie der Vater die Liebe zu seiner Tochter beschwört, dürfte das in der Realität auch einen deutschen Staatsanwalt interessieren. Nach fulminantem Start (Sprung von einem Hochhaus) endet der Film etwas seicht in einem spannungslosem Happy End.
Bei Stella Marie Markerts Danke für Nichts geht es um staatlich betreute Jugendliche. Ganz in der Tradition Berliner Filme wie „Linie 1” oder „Wir Kinder vom Bahnhhof Zoo” dreht es sich in „Danke für Nichts” um minderjährige Jugendliche, meist kurz von dem 18. Geburtstag, die in einer staatlich beaufsichtigten Jugend-WG zusammen wohnen. Stella Marie Marker platziert ihr Erstlingswerk in sehr typischen Berliner/Kreuzberger Millieus und auch die Wohnung dürfte zumindest die Älteren an schönste 80erJahre WGs erinnern. Zusammen mit den großartig spielenden DarstellerInnnen, wird die Geschichte der Protagonisten erzählt, die ganz unterschiedlich gebeutelt sind von schweren Schicksalsschlägen. Das Ganze gelingt bunt, schrill und mitunter märchenhaft. Ein kinotaugliches Erstlingswerk.
Wir bleiben in Berlin. Maysoon lebt glücklich und zufrieden mit ihrem Mann und den zwei Kindern in wohl geordneten Verhältnissen. Doch der Schein trügt. ihr Mann liebt eine andere Frau, was für Maysoon ein gewaltiger Schock ist. Denn für sie ist ihr Mann und sind ihre Kinder mehr als eine gewöhnliche Familie. Sie sind ihre Heimat, an der alles hängt. Als Flüchtling aus Ägypten ist sie emotional und auch juristisch ganz anders auf ihre Familie angewiesen als ihr Mann, der[font=Bembo] [/font]ihr zudem gesteht, sie nur aus Mitleid geliebt zu haben. Nancy Biniadaki inszeniert ihren Film als starkes Drama. Ihre Hauptdarstellerin Maysoon verliert nach ihrem emotionalen Crash fast alles, Arbeit, Freunde und auch die Beziehung zu ihren KIndern ist stark gefährdet. Am Ende gibt es zwar eine Auflösung, aber Regisseurin Biniadaki zeigt eindrucksvoll, das Flucht nicht einfach nur der Wechsel von einem Land in ein anderes ist, sondern dass man Gefühle und gesellschaftliche Konditionierungen nicht einfach hinter sich lassen kann. Sabrina Amali gewann übrigens völlig zu Recht den Seymour Cassel Award als beste Darstellerin
Etwas gewöhnungsbedürftig ist Brandon Daleys Werk $Position. Mikes Leben wird von seinem Smartphone diktiert. Das zeigt ihm sekundengenau den Stand seines Krypto-Finanz-Depots. Mal steht es fast bei Null, mal knallt es durch die Decke und ist über Hunderttausend-Dollar wert. Diese finanzielle Achterbahnfahrt ist platziert im Rust Belt der USA, wo die Masse der Leute große Geldprobleme haben und Alkoholismus sehr präsent ist. Mike selbst muß sich zudem um seinen pflegebedürtigen Bruder kümmern, lebt in einer zerrütteten Beziehung und wurde gerade gefeuert. Der finanzielle Tiefpunkt kommt dann mit der Krankenhausrechnung für seinen totkranken Vater. Die Kursschankungen seines Depots wirken in dieser Situation wie ein Brandbeschleuniger, und läßt die Situation für Mike regelrecht explodieren. Brandon Daley zeigt in seinem Film eindrucksvoll, in welches Chaos eine völlig deregulierte Gesellschaft die Menschen treibt. Ein gutes, innovatives Werk, toll gespielt von den DarstellerInnen.
Sie mögen ja das schönste Paar auf dem Filmfest Oldenburg gewesen sein, Magdalena Skrzynecka und Guillaume Campanacci. Ihr Film war dagegen eher ein bescheidenes Werk. Angekündigt als eine Amour Fou erleben wir zwei mäßige SelbstdarstellerInnen. Das Guillaume Campanacci seine Kollegin sehr attraktiv findet, belegt er in The Silent Sinner mit mindestens 10 Kamerafahrten ihren Körper rauf und runter. Die Handlung ist schlicht. Sie lässt sich von Männern ansprechen, nimmt diese mit auf ihr Hotelzimmer, wo die Herren dann von beiden beraubt und ermordet werden. Das wiederholt sich etliche Male, bis beide schließlich am Mittelmeer landen, wo der Film von schwarz/weiss in Farbe wechselt und erzählerisch komplett versandet. Da hatte ein Filmemacher wohl etwas zuviel Langeweile.
Wie gewohnt, präsentiert sich auf dem Oldenburg Filmfestival auch das Hochamt des deutschen Fernsehspiels, der Tatort. Als Gast war dieses Jahr tatsächlich Maria Furtwängler da, die zusammen mit Johannnes Naber die Letzte Ernte vorstellte. Insider wissen, dass Kommissarin Lindholm Göttingen verlassen, und wieder ihren Dienstsitz in Hannover hat. Von dort fährt sie nun zu Ermittlungen ins Alte Land bei Stade, wo ein Landarbeiter durch schweres Gerät zu Tode kam. Das Millieu ist sehr norddeutsch angelegt. Das Leben der Apfelbauern ist mühsam. Kreuze säumen die Landstraße und stehen jeweils für einen stillgelegten Hof. Unter all den konventionell anbauenden Bauern gibt es einen Bio-Apfelhof, auf dem das Unglück oder der Mord geschah. Kommissarin Lindholm quartiert sich auf dem Hof ein und der Film zeigt recht authentisch das Leben auf dem Land. Die Querelen unter den Bauern, der korrupte Landhandel, das Dealen mit Pestiziden und die ständig zu niedrigen Preise, die der Handel bietet. Dieser Blick macht den Film stark, zumal Ole Fischer, Lina Wendel, Henning Flüsloh und Ronja Herbrich ihre Rollen gut und authentisch spielen. Auch Maria Furtwängler fügt sich in dieses Millieu gut ein. Gesamturteil: norddeutsch gut.
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