LzOLzO
OLDENBURG
Freitag

17

April

Foto:
Oldenburger Kultursommer

Hier geht es zu den aktuellen Ausgaben

Suche:

direkte Antwort ohne Umwege!

Kleinanzeigen

Aktuelles

Nicht so sonnig wie sonst13.08.2025











Text und Fotos: Thea Drexhage


Das ist natürlich mutig, so früh Karten zu kaufen, denn vom kommenden Line-Up ist natürlich noch nichts bekannt. Dass das mal zu Unmut führen kann, hat sich 2025 des Öfteren gezeigt. In den letzten Jahren konnte Till Krägeloh immer wieder große Namen nach Dangast locken: die Beatsteaks, Bilderbuch, Olli Schulz, Thees Uhlmann, Joy Denalane, Alli Neuman, Maximo Park und viele weitere. Künstler*innen, auf die sich alle Gäste gut gemeinsam einlassen konnten.
Natürlich kann man es nie allen recht machen, doch 2025 war das Programm auf der Hauptbühne spaltender, als in den Jahren zuvor. Dabei geht es nicht zwingend um die gebotene Qualität - die Künstler*innen die dort auftraten beherrschten ihr Handwerk bestens, sondern die doch eher engen Zielgruppen und der teilweise doch sehr ähnliche, belanglose Klang. Ritter Lean und Apsilon, die erst spät als Secret Acts bekannt gegeben wurden, dürften für viele eine Enttäuschung gewesen sein. Generation Tik Tok war begeistert und tobte in den ersten Reihen vor der Bühne, Eltern oder Ältere hielten sich dann doch eher am hinteren Ende des Strands zurück. Oft fehlte beim Hauptprogramm das große, kollektive Gemeinschaftsgefühl, dass das Festival in den letzten Jahren so besonders macht. Vor allem am späten Abend, nach so einem langen, verregneten Tag, fiel das ganz große Finale leider aus an den ersten beiden Festivaltagen. Zaho de Sagazan, die am Freitag den Headlinerinnenslot bekam, zweifelsfrei eine begnadete Sängerin, die zurecht in Frankreich steil durch die Decke geht, hat sich diesen Platz zwar verdient, aber um so eine richtig gute Stimmung zu erzeugen, ist sie bei uns doch noch zu sehr Geheimtipp. Mit Makko gab es am Samstag Rap, nach einem langen, absolut verregneten Tag auch noch mit Verspätung und langem Leerlauf vor dem Auftritt, sodass viele sich dann doch für die vorzeitige Rückkehr ins Camp entschieden. Eine Ausnahme war der Sonntag, an dem mit Team Scheisse und den Donots zwei Bands auf der Bühne standen, die wissen, wie man die Massen in Bewegung setzt. Die Bremer*innen von Team Scheisse sind keine unbekannten in Dangast, spielten sie vor ein paar Jahren noch auf der Palettenbühne – und während die eigenwilligen Texte vielleicht nicht jede*n abholen, schaffen es die eingängigen Punkrhythmen dann doch, direkt in die Beine zu gehen. Und die Donots, die wissen nun mal, wie sie jedes Publikum um den kleinen Finger gewickelt kriegen: Nahbarkeit, Spielfreude und unvergleichbare Energie, die sich selbst im strömenden Regen auf die übrigen Festivalgäste überträgt. Da war es, das kollektive Zusammensein, das gemeinsame Singen, das kathartische Gefühl, nach diesem zehrenden Wochenende, dass sich das Durchhalten doch gelohnt hat. Und soetwas hätte es einfach jeden Festivaltag gebraucht. Zwischendrin gab es noch ein paar weitere Schätze auf der Hauptbühne, die es vielleicht noch nicht geschafft haben, den Platz ganz voll zu machen, die man aber auf jeden Fall im Auge behalten sollte: Uche Yara und Jacoténe zählten zu eben diesen. Das Watt En Schlick wäre aber nicht das Watt en Schlick, wenn man sich nicht auf das Programm der Seitenbühnen besinnen würde: dort steppte wie immer der Bär. Dort gab es die schrägen, neuen Sachen zu entdecken. Den Anfang machten Augn. Absolut verstörender, provozierender Post-Punk. Sie klingen wie die unehelichen Kinder der Sleaford Mods und Frittenbude – nur mit noch kaputterem Humor. Man muss viele Schimpfworte und krasse Äußerungen anhören und sich immer wieder ein „Das ist Kunst“ vor Augen halten, um das dargebotene zu akzeptieren –  die Eltern der Kids in den ersten Reihen hatten abends mit Sicherheit einiges zu erklären. Mit Boko Yout und Hot Wax gab es noch zwei gitarrenlastige Bands, die mit ihrer unbändigen Energie einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben und Stammgäste wie Flowin Immo, Die höchste Eisenbahn sowie Fatoni & Juse Ju wissen sowieso, wie man die Watt En Schlick’er um den kleinen Finger wickelt. Das Erfolgsrezept des Watt En Schlicks liegt zudem nicht nur in der Musik, sondern im Gesamtpaket. Trotz des anhaltenden Regens, des Schlamms, der feststeckenden Autos, war die Grundstimmung wieder eine gute. Regen schreckt in Dangast niemanden ab, die Ponchos sind schneller übergezogen als jemand auf der Bühne „1,2,3,4“-einzählen kann. Abseits der hohen Eintrittspeise kommt man auf dem Gelände im Vergleich mit anderen Events dieser Größe verhältnismäßig günstig zurecht. Man trifft Freunde, kennt sich, genießt den Ausblick und entdeckt immer wieder etwas Neues. Und dass in diesem Festival eine ganze Menge Herzblut steckt, das ist nicht von der Hand zu weisen.


Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Um hier Kommentare abgeben zu können müssen Sie sich erst Anmelden!

Benutzername:     Passwort:    

Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben oder Sie sich registrieren wollen Klicken Sie bitte hier.


Sonderseiten
Kostbar
EXB Handwerk