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Die Erde brennt23.07.2025





Text und Fotos: Britta Lübbers

Diesmal lugen die Eiskugeln aus einem Becher heraus, dazwischen steckt die Eiswaffel. Die keine ist. Denn wer genauer hinsieht, der erkennt, dass sich eine Flamme als Keks getarnt hat. Das Eis, die Pole schmelzen. „Die Erde brennt“ hat Broschewitz die Arbeit übertitelt.  Carlo Leopold Broschewitz aus Kambs hat in diesem Jahr den Förderpreis „Keramik im Pulverturm“ erhalten. Noch bis zum 31. August sind seine Werke unter dem Titel „Eiszeit“ im historischen Pulverturmgewölbe zu sehen.
Mit dem Förderpreis zeichnet die Stadt Oldenburg seit 1996 junge Talente aus, die durch innovative Positionen in der keramischen Kunstszene beeindrucken. Der Turm, der im 18. und 19. Jahrhundert als Pulvermagazin diente, bildet mit seinem alten Gemäuer den idealen Rahmen für Keramik-Ausstellungen.

Das Bunte und das Schwarzweiße
„Die Figuren, Tierwesen und Objekte schweben zwischen Traum und Wirklichkeit und entfalten durch ihre malerische Farbgebung und materiale Vielfalt eine starke  plastische Präsenz“, beschreibt Kuratorin Dr. Sabine Isensee die Arbeiten des diesjährigen Preisträgers. „Hinter ihrer Fassade verbergen sich geheimnisvolle Geschichten, die mit Melancholie und Unbehagen behaftet sind.“ So klinge in der Ausstellung nicht nur der kulinarische Sommergenuss an. „Es werden auch aktuelle Gesellschaftskrisen wie Klimawandel, soziale Kälte und Kriege reflektiert“, erklärt Sabine Isensee.
„Ist das die Eiskönigin?“, fragt eine Besucherin, als sie das Pulverturm-Innere betritt. Monumental steht die rätselhafte Dame aus Keramik, Glasur, Holz und Acryl im Raum. Weiß wie Schnee sind ihre Wangen, sie strahlt Kühle aus. „Dreamer“, so hat der Künstler das Werk genannt. Wer träumt hier was? Spekulieren und Reflektieren sind ausdrücklich erwünscht.
Nah an der Wand ist ein Tisch aufgebaut, auf dem sich kleine und größere Tiere ein Stelldichein geben. „Arche – über die Zerbrechlichkeit der Welt“ heißt die Anordnung aus Keramik, Holz, Schleichtieren und Fundstücken. Anders als bei Noah ist bei Broschewitz jeweils nur ein Tier seiner Art vertreten. Der Fortbestand ist also nicht gesichert, auch dann nicht, wenn die Arche Land erreichen sollte.
Aus Holz und Keramik hat Carlo Leopold Broschewitz das „House of Cards“ gebaut, eine leicht wackelig wirkende Konstruktion. Das Kartenhaus droht einzustürzen, einige beschriftete (Keramik)-Karten liegen bereits auf dem Boden. So ist die Diplomatie heruntergefallen, ebenso wie die Humanität und die Demut.  „Pulverfass V – Krieg“ ist eine andere Arbeit überschrieben. Neben dem Pulver fassenden Gefäß liegen Lunte und Streichhölzer. Das mag plakativ klingen, ist es aber nicht. Broschewitz‘ Arbeiten wirken leicht, sie sind schillernd und schön. Ihre Botschaften, auch die ernsten, kommen sanft daher. Manchmal geht es auch lustig zu. „Alles Liebe für Auguste“ ist so ein Beispiel. Aus Keramik, Holzperlen, Draht und Bauschaum hat Broschewitz eine Gans geformt, die auf einem Rollwagen thront. Man würde sie gerne hinter sich herziehen.  Er sei ein genreübergreifender Bildhauer und Bildmaler, bei dem sich die malerische und die wechselseitige Aktion gegenseitig bedingen, sagt der Künstler über sich selbst. „Ich muss mit den Themen spielen, sonst werde ich verrückt.“ Deshalb setze er der Schwermütigkeit farbenfrohe, nostalgische Bilder entgegen. „Denn am Ende trage ich eben alle Gedanken hinein: die guten wie die schlechten, den Krieg und den Frieden, die Liebe wie den Hass, das Große wie das Kleine, das Bunte wie das Schwarzweiße.“
Carlo Leopold Broschewitz wurde 1980 in Rostock geboren und lebt heute in Kambs an der Mecklenburgischen Seenplatte. Er ist studierter Bildhauer und war bereits in zahlreichen Ausstellungen vertreten.

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