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Plädoyer für wahre Worte09.07.2025



Text: Britta Lübbers Foto: Antonio Maria Storch

Aber sie spielt nicht die Klaviatur der aggressiven Töne. Sie schlägt die leisen Tasten an, appelliert an Güte und die Fähigkeit zur Empathie – jenseits von politischem Blockdenken, jenseits verfestigter Feindbilder. Jetzt hat Marica Bodrozic, die 1973 in Dalmatien geboren wurde, sich als Weltbürgerin in verschiedenen Ländern aufhielt und heute als freie Schriftstellerin in Berlin und in einem kleinen Dorf in Mecklenburg lebt, das Landgang-Stipendium der Kulturstiftung Öffentliche Oldenburg erhalten. Mit diesem Reisestipendium wird sie – wie ihre Vorgängerinnen und Vorgänger, darunter zuletzt Judith Hermann, Jan Brandt, Iris Wolff, David Wagner, Judith Kuckart und Deniz Utlu – durch die sieben Landkreise und kreisfreien Städte des Oldenburger Landes unterwegs sein. Aufbruch ist im Frühjahr 2026. Sie wird das Gesehene und Erlebte literarisch verarbeiten und den Text im Anschluss auf einer Lesereise durch die Region vorstellen. Projektleiterin und Moderatorin ist die Leiterin des Oldenburger Literaturhauses Monika Eden.
Stille Erdung
Das Schreiben, die Sprache, konstatiert Marica Bodrozic, sei eine stille Erdung inmitten der größten Stürme. Es sei eine Kunst, eine spezielle Art zu leben und zu überleben. „Das Wort, das wir sprechen, zu uns oder zu einem anderen Menschen, hat Gewicht, wenn es wahr ist.“ In Zeiten „alternativer Fakten“ ist das, was wahr ist, wertvoller geworden. Dem wahren Wort Gewicht zu geben, dieser Anspruch hat Marica Bodrozic schon früh geleitet, ebenso wie die Liebe zur Literatur. 1983 reiste ihre Familie nach Deutschland aus, in Frankfurt machte sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin und studierte Kulturanthropologie, Psychoanalyse und Slawistik. Sie lebte in Frankreich, auf der Insel La Gomera und in der Schweiz und verbrachte viel Zeit in den USA. 2002 debütierte sie mit dem Erzählungsband „Tito ist tot“. 2024 erschien ihr autofiktional gefärbter Roman „Das Herzflorett“. Darin erzählt sie vom Aufwachsen unter den Bedingungen der Migration. Sie schreibt von schwierigen Familienverhältnissen und schildert die Emanzipation ihrer Hauptfigur Pepsi hin zu einem selbstbestimmten Dasein. Der Roman stand wochenlang auf der ORF-Bestenliste. Er sei „ein Hohelied auf das Leben, ein Hohelied auf die Literatur“, heißt es in der Begründung.
Marica Bodrozic schreibt neben Essays und Romanen auch Gedichte und Erzählungen, ihr Werk wurde in mehr als 16 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Manès-Sperber-Literaturpreis und der Irmtraud-Morgner-Preis. Auch einen Dokumentarfilm „Das Herzgemälde der Erinnerung. Eine Reise durch mein Kroatien“ hat sie gemacht, aber

das Schreiben steht im Vordergrund.
In ihren Essays bezieht sie Stellung – jedoch nicht für eine Partei, sondern für eine Haltung – die Haltung der Menschlichkeit. Sie beschäftigt sich mit literarischen Größen wie Nazim Hikmet, Anne Sexton oder Christine Lavant – immer mit dem Blick darauf, was sie uns heute zu sagen haben. Und wenn sie das Tagesgeschehen betrachtet, dann kreist ihr Schreiben um das Allgemeingültige im Aktuellen. So nennt sie das Leiden der Menschen in Gaza und das der Geiseln in den Tunneln der Hamas beim Namen. Sie sieht beides, und dieses Sehen wird zur Aufforderung: „Gewöhnen wir uns nicht an die Barbaren. Sondern nehmen wir die Arbeit der Genauigkeit auf uns, schauen wir in uns selbst hinein.“ Denn für Marica Bodrozic steht fest: „Wir leben nicht mehr nur in nationalen Räumen, wir leben wahrhaftig in der ganzen Welt und was dort geschieht, geschieht uns zeitgleich überall und betrifft uns.“ Man muss sich Marica Bodrozic als einen weitblickenden Menschen vorstellen.

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