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Zeit zum Handeln11.06.2025
Text und Foto: Thea Drexhage
Welch großes Problem der immer stärker aufkeimende Rassismus auch im Alltag darstellt, habe sich jüngst bei einem Diskussionspanel im Cine k gezeigt. Dort diskutierten Suraj Mailtifari, Vertreter der Initiative Gerechtigkeit für Lorenz, Politikerin Lena Nzume, Ayça Polat, Professorin für Sozialpädagogik sowie Jeff Kwasi Klein, Mitglied des Berliner Gleichstellungsbegleitgremiums zur Bekämpfung von Anti-Schwarzem Rassismus über institutionellen Rassismus in Polizei und Justiz. Das Interesse an dieser Veranstaltung war sehr groß. Deshalb wurde sie live übertragen. Doch gleich zu Beginn sei der Stream von außen manipuliert und mit rassistischen und pornografischen Botschaften gestört worden. Das zeige einmal deutlich, dass es Menschen gibt, die das wachsende Bewusstsein für problematisches Verhalten stören wollen.
Doch worum genau geht es im Fall Lorenz?
In der Nacht zum 20. April wurde der 21-jährige Lorenz durch vier Polizeischüsse von hinten getötet, nachdem es Auseinandersetzungen an einer Clubtür in der Oldenburger City gab. Lorenz war schwarzer deutscher Staatsbürger. Bisher konnten die genauen Hergänge der Nacht nicht vollständig geklärt werden. Es gibt verschiedene Aussagen zu Pfeffersprayeinsätzen und einem Messer. Neueste Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft hätten allerdings ergeben, dass die Polizisten, die in den Fall verwickelt waren, Lorenz mit gezogener Waffe begegnet seien und ihn zum Anhalten aufgefordert hätten, doch ein Warnschuss sei nicht erfolgt. Die 20 Sekunden Videomaterial, die aus Kameras der Umgebung entnommen werden konnten, würden die Situation weiterhin nicht eindeutig zeigen. Die Bodycams der beiden Polizisten waren bei dem Vorfall nicht eingeschaltet, obwohl sie per Polizeifunk darauf hingewiesen wurden, in eine Situation unter Waffeneinsatz zu kommen. Die Staatsantwaltschaft habe den Funkverkehr ausgewertet - darin habe es einen Hinweis auf die Eigensicherung der Beamten gegeben. Bis der Fall gänzlich geklärt ist, wird es noch eine Weile dauern.
Das Problematische: die Untersuchungen werden von der Polizei Delmenhorst geführt, und eine mögliche Beeinflussung durch direkte Kontakte nach Oldenburg sei denkbar. In Erinnerung ist noch der Geflüchtete Qosay Khalaf, der 2021 in Delmenhorster Polizeigewahrsam verstarb, wobei die Dienststelle Oldenburg ermittelte. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Polizei und Rettungssanitäter nur zwei Monate später eingestellt. Für viele Menschen sind solche Vorgehensweisen nicht mehr hinnehmbar. Die Grüne Jugend hat inzwischen den Vorfall zum Anlass genommen, einen Antrag im Niedersächsischen Landtag zu stellen, der neben der vollständigen Aufklärung dieses Falls eine Polizeireform fordert. An erster Stelle steht die Einführung eines oder einer* niedersächsischen Polizeibeauftragten, welche*r mit Distanz auf solche Vorfälle schauen kann.
„Das wäre das schnelle, einfache Modell. Zwar würden immer noch Polizist*innen ermitteln, aber man hätte nicht mehr diese ganz starke Beziehung und Solidarität untereinander, wie bei Kolleg*innen aus den Nachbardienststätten. Besser wäre das skandinavische Modell, wo nicht nur Polizist*innen in so einer Stelle ermitteln, sondern auch Staatsanwälte oder Wissenschaftler aus dem Bereich der Kriminologie. Zu diesen Stellen haben dann sowohl Polizist*innen Vertrauen, als auch Betroffene von Polizeigewalt.“, so Maik Niederstein, der den Antrag einbrachte. Weitere Forderungen sind der strikte Einsatz von Bodycams, sobald eine Waffe gezogen wird sowie die intensive Auseinandersetzung der Polizei mit rassistischen Mustern. Insgesamt müsse die Polizeireform für mehr Transparenz für Betroffene sorgen und auch den generellen Einsatz von Schusswaffen auf Streife überdenken. Mit dem neuen Ministerpräsidenten Olaf Lies (SPD) hofft die Grüne Jugend einen guten Gesprächspartner zu haben, sodass diese Anliegen nicht wie bei ähnlichen Fällen in der Vergangenheit im Sande verlaufen werden. Man müsse das Momentum dieser Tragödie nutzen, um einen tatsächlichen Wandel auf den Weg zu bringen. „Worte reichen nicht mehr, es müssen Taten folgen.“, so Marvin Laesecke, Sprecher der Grünen Jugend.
Marvin Laesecke ist seit einem Jahr aktiv dabei und kommt aus der Kinder- und Jugendarbeit. Maik Niederstein ist aufgewachsen mit der Fridays For Future Bewegung und sitzt seit 2021 für die Grünen im Oldenburger Stadtrat. Der Fall Lorenz hat beide tief getroffen. Sowohl die Tatsache, dass eine solche Tat in einer familiären Stadt wie Oldenburg passieren konnte, als auch die Nähe zum Opfer, sowie die Umstände in so einer alltäglichen Situation wie dem Feiern gehen. „Selbst wenn man die Person nicht kennt, kennt man doch mindestens eine Person, die Lorenz selbst kannte. Es wird ein persönliches Schicksal. Man hört Geschichten, was Lorenz für ein lebensfroher, witziger Mensch war. Das trifft einen ganz anders als Berichte aus den Medien.“, so Maik Niederstein nachdenklich.
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