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FünfzehnUnten - Geschichten aus der Wohngemeinschaft Alteneschstraße09.04.2021



Jetzt geht’s ans Kennenlernen! Und zwar das Urgestein der FünfzehnUnten. Diesen Titel verdient der werte Herr Felix nicht nur aufgrund seines stolzen Alters, das an dieser Stelle aus Gründen der Diskretion leider nicht genannt wird (man darf sich jedoch sicher sein, dass die entsprechende Zahl mit einer drei beginnt), sondern auch, da er diese WG nun schon am längsten bewohnt. Er hat daher viele Mitbewohnis kommen und gehen sehen und dabei die unterschiedlichsten Leute kennengelernt. So erzählt er beispielsweise von einem nun längst vergessenen Brauch der FünfzehnUnten, mit dem Mitbewohnis nach einer längeren Abwesenheit willkommen geheißen wurden. Ihn selbst überraschten seine WG-Kumpanen bei seiner Rückkehr mal mit einer meterlangen Kleiderkette, die mit größter Freude aus den Klamotten seines sorgfältig leergeräumten Kleiderschrankes gefertigt worden war. Freundlicherweise halfen ihm die Übeltäter auch beim wieder Auseinander-Knoten. Felix kann seine Hände allerdings selbst ebenso wenig in Unschuld waschen. So half er einmal dabei, das Zimmer einer baldig erwarteten Rückkehrerin mit lauter aufgepusteten Luftballons zu füllen. Man bedenke, dass dieses Haus vier Meter hohe Decken hat. Die Mitbewohnis scheuten wirklich keinen Aufwand für einen gelungenen Streich! Etwas weniger Anstrengung kostete es wohl, die Zimmertür eines anderen bemitleidenswerten Opfers auszuhängen. Der zerknirschte Blick von Felix, der sich bei der Erinnerung an diese Geschichte auf seinem Gesicht breit macht, deutet darauf hin, dass der arme Mitbewohner darüber wohl eher wenig erfreut gewesen sein dürfte. Erfreuen kann Felix seine Mitbewohner allerdings auch. Wenn es bei ihm mal wieder heißt „Ich mache heute Abend Essen für alle!“, tut man gut daran etwaige andere Termine zu verschieben. Dafür wird man belohnt mit exzellenter Pizza, einem ganzen Tisch voll von Köfte, eingelegten Oliven, Fladenbrot oder auch schon mal selbst gemachtem Seitan-Döner. Denn die Veganer im Haus kommen selbstverständlich auch nie zu kurz (Gut, dass seine Freundin Lisa diese Ernährung ebenfalls pflegt und Felix also immer kreativer wird). Das beste kommt allerdings erst noch. Der angehende Doktor der Marine-Umweltwissenschaften pflegt mit zwei seiner Freunde nämlich zudem ein Bierbrau-Hobby und die Probier-Abende, denen sich die WG leider immer wieder aussetzen muss, sind allseits beliebt. Dass sich im Keller dann ein ums andere Mal neben Staubsauger und Putzutensilien ein großes Fass befindet und einem auf der Treppe ein leichter Hefegeruch entgegenströmt, stört da Niemanden. Das begehrte Gesöff, das schon diverse WG-Abende bereicherte, macht die kleinen Unannehmlichkeiten wieder wett. Auch wenn der Transport mal schief läuft und sich die Küche plötzlich mal in ein Bier- (nicht Schaum-) Bad verwandelt. Stichwort Bad beziehungsweise Dusche ist auch so ein Thema. Da es sich bei dem Altbau wie gesagt um eine alte Schule handelt, besteht das Badezimmer zunächst einmal aus einem großen Raum mit zwei Waschbecken. Dass man den nicht abschließen kann, hat Vor- und Nachteile. Die zwei separaten und verschließbaren Toiletten kann man zwar immer auch dann benutzen, wenn jemand gerade duscht oder sich die Zähne putzt, allerdings sind die Duschen nur durch Vorhänge vom Vorraum getrennt. Wenn man nicht genau hinhört, wer oder was sich also gerade alles im Badezimmer bewegt, kommt es schonmal vor, dass man sich auch mal nackig begegnet. Diese besagten Duschen sind außerdem nochmal unterteilt in die 'normale' Dusche, die jeder gern benutzt, und Felix´ Dusche, die, wer hätte das gedacht, nur Felix für die Zwecke der Selbstreinigung verwendet. Warum dies so ist, wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Niemand kann sich mehr daran erinnern, wie es zu dieser scharfen Trennung kommen konnte. Feststeht allerdings, dass eher gewartet wird, bis die Dusche der Wahl frei wird, anstatt in Erwägung zu ziehen, die Andere zu benutzen. Absurd maßt dann schon fast manchmal die Bemerkung Darios an „Ähm, ihr wisst schon, dass wir zwei Duschen haben?“, wenn mal wieder über die Dusch-Reihenfolge diskutiert wird. Außer Felix gibt es allerdings noch einen einzigen weiteren Liebhaber der 'anderen' Dusche: Wolke. Der Kater von nebenan hat wohl mal mit angehört, wie Felix den Satz äußerte „Ich mag einfach keine Katzen!“, denn seitdem lässt er sich bei einem Besuch der FünfzehnUnten keine Gelegenheit entgehen, in einem unachtsamen Moment, in Felix Zimmer zu huschen, um um seine Beine zu streichen oder eben, sich in seine Dusche zu legen. Tja, das nennt man wohl Karma, Felix!
Text und Foto: Laura Altenbach

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