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Nachtschichten für die Musikszene09.02.2021



Viele Branchen wurden von der Corona-Krise schwer getroffen – dazu gehören auch die Livemusik-Locations. Und obwohl Politiker allerorten gern betonen, wie sehr ihnen gerade das Bewahren von Livekultur für das städtische Leben bis ins nachpandemische Zeitalter hinein am Herzen liegt, kommen die meisten Aktionen und Hilfsprojekte eher aus der Musikkneipen- und Clubwelt selbst. Oder von Privatpersonen wie Alex Molter. Bis zur Pleite der Airline AirBerlin arbeitete der Hobbymusiker, Jahrgang 1974, hauptberuflich als Flugbegleiter – danach trat die Kunst in sein Leben. Ohne handwerkliche Vorbildung, aber dafür mit Säge, Raspel, Flex und einer soliden Vision, baute der gebürtige Berliner, Mitglied der Spaß-Punkband Lautstark, seine erste Gitarrenskulptur. Beim Laut-sprecher-Hersteller Teufel war man angetan genug, sich das von Molter auf den Namen Luzifer getaufte Exemplar in den Showroom zu stellen. Wacken-Festivalchef Holger Hübner musste ebenfalls nicht groß überlegen, als ihm der mittlerweile unterm Künstlernamen roxxta firmierende Freizeithandwerker einen schwarzen, 2,40 Meter hohen Thron voller Roc-k’n’Roll-Insignien, mit stilisierten Gitarren, Engels-flügeln und Dreizack offerierte. Anno 2018 ließ sich Sänger Rob Halford von Judas Priest im Backstage-Bereich des Metal-Spektakels auf dem roxxta-Thron fotografieren. Fortan sollten Molters Werke zur jährlich wiederkehrenden Installation des Wacken-Reigens werden, bald folgten Anfragen Dritter und Kontakte zu manchen Rockstars. Als eingefleischter Konzertgänger, der einen beträchtlichen Teil seiner Jugend auf Punkrock-Konzerten in der Westberliner Szene verbracht hatte, fühlte sich Alex Molter angesichts der pandemischen Endzeitstimmung im Spätherbst letzten Jahres gefordert, einen privaten Beitrag zur Rettung der Liveclubkultur auf die Beine zu stellen. Kurzentschlossen suchte er Mitstreiter für seine Aktion „Rettet die Clubs der Hauptstadt“. Da Molter seit dem Aus von AirBerlin hauptberuflich als Dachdecker im Norden Berlins seine Brötchen verdiente, waren Nachtschichten fällig, um erneut roxxta-Gitarrenskulpturen herzustellen, die jeweils mit dem Logo einer mal mehr, mal weniger bekannten Gruppe versehen wurden. Die fertigen Werke mit den Bandlogos reichte der Hobby-Künstler an die dazugehörigen Musiker zwecks Signierung weiter. Anschließend wählte jede Band eine für ihre Laufbahn bedeutende Live-Locktion aus. Der Erlös, den die Skulptur bei der anschließenden Versteigerung erzielen konnte, kam dann vollständig diesem Musiklokal zugute. Das hauptstädtische Clubrettungsprojekt ließ selbst namhafte Gruppen bedenkenlos mittun – egal ob Rammstein, Die Ärzte, Mia, Silly, Culcha Candela, Die Beatsteaks, Bosshoss oder Knorkator. Bis Mitte Dezember 2020 konnte die interessierte Öffentlichkeit gut dreißig roxxta-Gitarrenskulpturen im Schaufenster des hauptstädtischen Just Music-Flagship Stores begutachten, bevor Molter seine Kunstwerke an die jeweiligen Clubbetreiber weiterreichen würde. Während man sich beim legendären Punkmusikschuppen SO 36 sogar über zwei Versteigungsobjekte freuen durfte, und die Erlöse einer weiteren roxxta-Skulptur dem eingelagerten Ramones-Museum zu einem Neuanfang in kostengünstigeren Räumlichkeiten verhelfen könnte, fühlte sich das von der Ostrock-Truppe Karat auserwählte Betreiberteam des Clubs Die Wabe gleichermaßen geehrt und zu Unrecht bedacht. Die finanzielle Absicherung einer kommunalen Kultureinrichtung wie der Wabe ist ja selbst in diesen pandemischen Zeiten gewährleistet. Weshalb man, nach Rücksprache mit den Musikern von Karat und Initiator Molter die Versteigerungsaktion an die Lockdown-gebeutelte Speiches Rock- und Blueskneipe in der Nachbarschaft weiterreichte. Wer am Mitbieten auf die Karat-Skulptur interessiert ist, kann noch bis zum 28. Februar Lose im Wert von jeweils 5 Euro erstehen – näheres via www.wabe-berlin.info/verlosung-speiches/; die Mannschaft des bald sein dreißigjähriges Bestehen feiernde Rock- und Blues-Schuppen Speiches drückt sämtliche Daumen. Und Molter, der sich aus der Berliner Verlosungs-Aktion keinen Cent genehmigen mochte, sucht mittlerweile Sponsoren, um seine Kunstwerke deutschlandweit Clubs zukommen lassen zu können. Na, interessiert?

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