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Dynamisch und schnell nach vorne24.07.2019



Text + Foto: Rüdiger Schön

MoX: Sie sind Hannoveraner?
Alexander Kiene: Ich komme aus dem kleinen Ort Grünenplan bei Alfeld, was ungefähr auf der Mitte zwischen Hannover und Göttingen liegt. In Alfeld habe ich auch mein Abi gemacht, um anschließend in Hildesheim Lehramt zu studieren. Fußball habe ich beim VfV Hildesheim in der vierten Liga gespielt.
MoX: Wie sah Ihre Karriere als Spieler aus und wo hatten Sie Ihre größten Erfolge?
Alexander Kiene: Nun, nach dem Studium zog ich nach Hannover, da ich ganz in der Nähe, in Neustadt am Rübenberge, eine Stelle als Lehrer bekam. Sportlich wechselte ich zum TSV Havelse. Das war die wohl erfolgreichste Station für mich als Spieler. Wir schafften 2005 den Aufstieg in die Oberliga und waren auch dort ein Spitzenteam. In der Mannschaft durfte ich Kapitän sein, und bin, wie man so schön sagt, zum Führungsspieler gereift. Sportlich war das die schönste Zeit. Leider hatte ich schon recht früh gesundheitliche Probleme. Mit 21 Jahren hatte ich einen Knorpelschaden im Knie. Mit 27 Jahren brach ich mir im Spiel das Schien- und Wadenbein und brauchte fast ein Jahr, um wieder schmerzfrei zu sein. Das war dann der entscheidende Impuls, mich in jungen Jahren für die Trainerlaufbahn zu entscheiden.
MoX: Während Ihrer Ausbildung beim DFB haben Sie auch Praktika bei Werden Bremen und beim FC Barnsley gemacht. Was haben Sie von dort mitgenommen?
Alexander Kiene: Bei der Trainerausbildung ist es verpflichtend, ein Praktikum im Ausland zu machen und eines bei einer Bundesligamannschaft. Als Englischlehrer war da England naheliegend. Ich kannte zudem Daniel Stendel, der ja vor Barnsley Hannover 96 trainierte. Barnsley liegt im Norden von England, nahe Sheffield, und ist gerade von der Dritten in die Zweite Liga aufgestiegen.
MoX: Wie haben Sie die Stadt und den Fußball dort erlebt?
Alexander Kiene: In England ist die Identifikation der Bevölkerung mit dem Verein extrem hoch. Wenn am Dienstag Abend ein Spiel ist, dann ist bereits am Nachmittag die Stadt voller Fans. Im Stadion sind dann in der Regel 15.000 Besucher, was für die Dritte Liga sehr ordentlich ist. Fußball wird dort intensiv gelebt.
MoX: Und wie wurde dort gespielt?
Alexander Kiene: Sehr physisch. Die Robustheit, das Tempo und die Intensität sind höher als bei uns. Technische Feinheiten spielen eine nicht so große Rolle. Die Zuschauer erwarten dort, dass mit Leidenschaft, Emotion und Dynamik gespielt wird.
MoX: Wie war es in Bremen?
Alexander Kiene: Neben den guten sportlichen und persönlichen Kontakten, haben mich die professionellen Abläufe sehr beeindruckt. Florian Kohfeld hat über 20 Mitarbeiter, die täglich mit der Mannschaft arbeiten. Das sind mittlerweile drei Co-Trainer, zwei Atlethik-Trainer, fünf Physiotherapeuten, zwei Mannschaftsärzte, ein Torwarttrainer, ein Reha-Trainer usw. Der Staff um die Mannschaft ist also fast genauso groß wie die Mannschaft selbst. Der Trainer muss also nicht nur die Mannschaft richtig trainieren und einstellen, sondern auch den Stab um die Mannschaft führen. Auch die Trainingssteuerung auf dem Platz ist hoch professionell. Die Spieler sind digital mit dem Trainerstab vernetzt. Man kann genau sehen, wie ein Spieler trainiert, wieviel läuft er, wie ist seine Herzfrequenz und sein Puls. Diese Abläufe mit zu erleben, war sehr wertvoll für mich.
MoX: Welche Spielidee haben Sie selbst durch diese Erfahrungen entwickelt?
Alexander Kiene: Mein Spiel ist ganz klar auf die offensiven Werte und Prinzipien ausgelegt. Wir werden aus einer kompakten mannschaftlichen Organisation heraus spielen, wollen aktiv und mutig spielen, aggressiv verteidigen und das Spiel kontrollieren. Es wird dynamisch und schnell nach vorne gehen, so wie ich es auch in England gesehen habe.
MoX: Nun sind Sie ja relativ spät engagiert worden. Wieviel Einfluss hatten Sie noch auf die personelle Gestaltung der Mannschaft?
Alexander Kiene:Im wesentlichen stand der Kader. Das wusste ich aber. Ich habe mir die Situation angesehen und in Gesprächen mit den Verantwortlichen festgestellt, dass die Vorstellungen sehr ähnlich sind. Gleichwohl ist die Mannschaftsplanung noch nicht vollständig abgeschlossen.
MoX: Wie steht es um die Personalie Jan Rosenthal?
Alexander Kiene: Er lebt ja in Oldenburg und trainiert zur Zeit mit der Mannschaft. Auch in Testspielen ist er zweimal zum Einsatz gekommen. Aber sein Entscheidungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Beide Seiten machen keinen Druck sondern schauen, wie sich die Dinge entwickeln werden.
MoX: Die Mannschaften der Regionalliga, und so auch die des VfB sind ja, was Herkunft, Alter und berufliche Situation betrifft sehr heterogen. Wie hält man solch einen Laden zusammen?
Alexander Kiene: Als Trainer muss ich zunächst wissen, wie jeder einzelne tickt. Und ja, ich habe völlig unterschiedliche Spieler und Charaktere in der Mannschaft. Daher habe ich zunächst Einzelgespräche geführt, um jeden Einzelnen kennen zu lernen. Wie ist seine Lebenssituation, sein Beruf, Studium, seine Familie, sein kultureller Hintergrund, usw. Daraus ziehe ich meine Schlüsse, wie ich mit dem Spieler umgehe. Ziel ist, die Stärken des Einzelnen zu finden und für das Team zu nutzen. Dabei ist das oberste Gebot, dass das Team funktioniert und erfolgreich ist. Wer sich dem nicht unterordnet, wird bei mir nicht spielen.
MoX: Sie sind ja als Trainer dreimal aufgestiegen. Das weckt bei den Oldenburger Fußballfans Erwartungen.
Alexander Kiene: Die Mannschaft ist im letzten Jahr Neunter geworden, und selbstverständlich wollen wir uns verbessern. Die Mannschaft ist jung. Wir haben allein vier Spieler aus der A-Jugend übernommen, und diesen Jungs muss man Zeit geben. In den Testspielen haben wir schon festgestellt, dass die jungen Spieler gegen eine gestandene Regionalliga-Mannschaft noch etwas an Robustheit gewinnen muss. Aber es ist Potential da, das wir entwickeln müssen. Am Ehrgeiz und Engagement mangelt es nicht, die Spieler sind unglaublich lernwillig und wissbegierig. Aber wir müssen uns sportlich und strukturell schon noch klar verbessern.
MoX: Sie spielen ja gleich zum Auftakt gegen starke Gegner, speziell gegen U23-Mannschaften aus der zweiten und ersten Bundesliga.
Alexander Kiene: Ich freue mich, dass wir zum Auftakt ein Heimspiel gegen den FC St. Pauli (U23) haben. Das ist eine attraktive Mannschaft und ich hoffe auf ein erfolgreiches Spiel. Aber eines ist doch klar: Es gibt in der Regionalliga keine einfache Mannschaft. Und was die U23-Mannschaften betrifft, so ist es für unsere Jungs ein besonderer Reiz, gegen diese individuell stark besetzten Mannschaften anzutreten.
MoX: Welche Mannschaft sehen sie am Ende vorne, welche auf den Abstiegsplätzen?
Alexander Kiene: Die Aufsteiger werden es schon recht schwer haben. Den Unterschied zwischen Oberliga und Regionalliga halte ich für sehr groß, wie die Oldenburger es ja auch am VfL gesehen haben. Also der HSC Hannover und der Heider SV werden es schwer haben. Dann gibt es ein sehr breites Mittelfeld, mit Vereinen wie Rehden, Havelse, Lüneburg oder Drochtersen-Assel. Das werden alles sehr enge Spiele, bei denen Kleinigkeiten über das Ergebnis entscheiden werden. Oben werden wohl wieder Lübeck und Flensburg stehen, die auch finanziell entsprechend aufgestellt sind. Dann gibt es die U-23-Mannschaften von Wolfsburg, Bremen, Hannover und Hamburg, die alle gut aufgestellt sind, und um die Meisterschaft spielen können.
MoX: Ist das noch ein fairer Wettbewerb in der Regionalliga?
Alexander Kiene: Der DFB muss die klare Entscheidung treffen, ob die 4. Liga eine Profi- oder Amateurliga ist. Aktuell treffen Mannschaften, die unter Profibedingungen arbeiten, auf Mannschaften wie uns, die erst nach Feierabend trainieren. Wo die Spieler tagsüber arbeiten, studieren oder zur Schule gehen. Das sind völlig ungleiche Grundvoraussetzungen. Das wäre Entscheidung Nummer eins. Als zweites denke ich, dass fünf Regionalligen einfach zu viel sind. Zwei Ligen, Regionalliga Nord und Süd, wären eine Option. Zur Zeit steigen ja noch nicht einmal alle Meister auf.
MoX: Fußballstadt Oldenburg. Wie sieht ein Hannoveraner die Situation in der Hunte-Stadt
Alexander Kiene: Für mich ist der VfB ein sehr attraktiver Traditionsverein. Die Stadt und der VfB haben ein großes Potential. Es müssen aber wirtschaftlich und strukturell Verbesserungen erzielt werden, um höhere Ziele anvisieren zu können.
MoX: Und die Fans? Haben Sie schon Kontakt aufgenommen?
Alexander Kiene: Ja, bei den Testspielen. Im August bin ich zu einem Fantreffen eingeladen, zu dem ich auch gerne kommen werde, weil mir der Austausch mit den Fans sehr wichtig ist. Schließlich möchten ich und die Mannschaft, mit Leidenschaft und Emotionen eine tolle Beziehung zu den Fans herstellen und diese auf unserem Weg mitnehmen. Dafür wollen wir arbeiten!
Den Spielplan des VfB findet Ihr hier:

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