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Wochenzeitung DIABOLO:
Geld für Vertriebene
Schlesier und Deutsche aus Russland erhalten 180.000 Euro mehr06.12.2018

text  |  Christoph Kienemann

Tannenbergstraße, Siebenbürger Straße oder Masurenstraße, einige Straßennamen erinnern noch daran, dass sich ein Teil der Deutschen Geschichte einst in Gebieten in Polen, Ungarn oder Rumäniens abspielte. In unterschiedlichen Kontexten siedelten hier Menschen, die der deutschen Nationalität zugerechnet wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele von ihnen vertrieben oder flohen aus ihrer Heimat. Lange Zeit organisierten sich viele Vertriebene in Landsmannschaften, die ihre Interessen vertraten. Das Land Niedersachsen erhöht nun die Förderung für die Landsmannschaften der Schlesier und der Deutschen aus Russland.
Die Interessenvertretungen der Vertriebenen in Niedersachsen bekommen eine Finanzspritze. So erhält die Landsmannschaft Schlesien zusätzlich 150.000 Euro. Damit kann diese eine feste Anlaufstelle in Hannover einrichten und die Projektarbeit in ihrem Patenland Niedersachsen stärken. Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Niedersachsen wird künftig mit 30.000 Euro jährlich unterstützt. Sie vertritt und berät die rund 350.000 deutschen Aussiedler und Spätaussiedler aus den Gebieten der früheren Sowjetunion. „Dies ist ein klares Bekenntnis und eine dringend benötigte Unterstützung für die Arbeit, die unsere Landsmannschaften in Kultur, Ehrenamt und europäischer Völkerverständigung seit Jahrzehnten leisten“, sagte die Niedersächsische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene, Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, Editha Westmann. Die Zielrichtung der Förderung unterstrich auch Stephan Rauhut, Vorsitzender der Landsmannschaft Schlesien: Wir können den in Niedersachsen lebenden Schlesiern durch die erhöhten Fördermittel noch deutlicher das Gefühl geben, dass etwas passiert, um ihre Identität und Kultur zu erhalten und diese auch künftig weiter zu geben.“ Zukünftig hofft die Landsmannschaft mit diesen Mitteln auch, den Austausch zwischen Jugendlichen aus Polen und der Bundesrepublik zu fördern. Immerhin beträgt die Zahl der NiedersächsInnen mit schlesischen Wurzeln fast ein Drittel.
Mit den Fördermitteln für die Landsmannschaften unterstützt das Land Organisationen, deren Zukunft ungewiss ist. Konnten sich die Landsmannschaften einst auf aktive Mitglieder verlassen, fehlt heute der Nachwuchs. Zudem haftet den Landsmannschaften nach wie vor der Ruf an, revanchistische Forderungen zu vertreten und eher im konservativen bis rechten poltischen Lager zu stehen. Dennoch hat sich in den letzten Jahren die Arbeit der Landmannschaften gewandelt. Einige bemühen sich ernsthaft um einen kulturellen Austausch auf Augenhöhe und versuchen auf diese Weise auch das kulturelle Erbe zu bewahren. So gehört es ausdrücklich zu den Zielen der Landsmannschaft Westpreußen, die Wissenschaft und einen Austausch über die Geschichte Westpreußens zu fördern. Hier steht die Bewahrung einer geteilten Erinnerung im Vordergrund, die auf Verständigung zwischen den Menschen in Polen und der Bundesrepublik zielt.
Auf der anderen Seite sind zuletzt die Deutschen aus Russland in der Öffentlichkeit für eine angebliche Nähe zur AfD bekannt geworden. Offensichtlich ist, dass die AfD die Russlanddeutschen als WählerInnen in den Blick genommen hat und sie für ihre Zwecke zu instrumentalisieren sucht. Derzeit stellt die Partei zudem die einzigen beiden russlanddeutschen Abgeordneten im Bundestag. Spricht die Partei damit für alle Russlanddeutschen? Wohl eher nicht, aber dennoch scheinen eine differenzierte Debatte und ein Dialog mit dieser oftmals unsichtbaren Gruppe der Russlanddeutschen und SpätaussiedlerInnen notwendig. So engagiert sich beispielsweise der Bundesverband russischsprachiger Eltern seit Jahren gegen Fremdenfeindlichkeit.

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