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Allein ins Theater28.07.2020



Text und Foto : Thea Drexhage
Merkwürdige Dinge ereignen sich seit Anfang Juli in der Oldenburger Kurwickstraße. Noch vor kurzem stand das Gebäude der Nr.11 leer, nun wartet davor ein Mann im Zylinder, adrett gekleidet, und lockt Passant*innen in eine Peepshow der gänzlich anderen Art. Hinter einem samtroten Vorhang steht ein einziger Stuhl vor einer schwarz getünchten Wand, darin eingelassen nur ein kleines Guckloch. Hinter diesem werden die Ideen der Künstlerinnen Clara Kaiser und Mathilda Kochan lebendig.
Dabei geht es, neben der Umsetzung spannender neuer Inhalte auch um die Frage, wie sich Vorführungen jeglicher Art mit geschlossenen Theatern oder Konzerthäusern in Zeiten von Corona unter die Menschen bringen lassen, denn fehlende Live-Kultur ist nicht nur für die Bevölkerung ein Problem, sondern vor allem für die zahlreichen Künstler*innen, deren Existenz durch den Ausfall sämtlicher Vorführungen gefährdet ist. Ähnlich wie beim „The Hidden Art Project“, versuchen die Initiator*innen der Loge Leben durch ungewöhnliche Konzepte in Oldenburgs Leerstände zu bringen. Was derzeit in der Kurwickstraße geboten wird, ist ein wilder Mix aus Theater, Musik und Tanz. Der Clou: jeder Gast sitzt nicht nur allein in dem kleinen Raum vor der versteckten Bühne, sondern bekommt auch eine ganz eigene, kurze Performance. „Während ein Gast seiner Begleitung erzählt, dass gesungen wurde, kann der andere erwidern, dass er ein kurzes Theaterstück gesehen hat“, berichtet Kochan begeistert. Ein erfrischend neues Konzept, das zum Austausch anregt und auch internationales Publikum fasziniert, wie sich anhand des gut gefüllten Gästebuchs erkennen lässt.
Doch als Gast muss man sich erstmal auf das Konzept einlassen. Während viele Passant*innen, die sich in der Kurwickstraße bewegen, wegen Termindrucks oder anderer Gründe die Einladung in „Die Loge“ ablehnen, der Eintritt ist nämlich frei, müssen die, die sich trauen, sich erst einmal an den voyeuristischen Charakter der Performance gewöhnen und sich selbst bemühen, durch ständiges Anpassen von Sitzposition und Winkel vor dem kleinen Spalt in der Wand nichts zu verpassen. Am Sonntag, den 19.7. bekommt der Gast unter anderem eine Performance geboten, bei der nicht ganz sicher ist, wer wen beobachtet. Hinter der schwarzen Wand sitzen zwei zeitungslesende Figuren in Ganzkörperanzügen, doch als sich die Zeitungen senken, starren riesige Augen zurück in den Gastraum, bevor sie sich wieder auf zerstörerische Art ihrer, zur aktuellen Zeit passenden, Lektüre widmen. Dahinter verbergen sich Katharina Schakina, Schauspielerin am Oldenburgischen Staatstheater, und Merle Smalla, welche die überdimensionalen Augen konstruiert hat und unter anderem auch mit eigenen Werken am „The Hidden Art Project“ mitwirkte. Interessierte haben weiterhin die Chance, sich eine Vorstellung in der Kurwickstraße 11 anzuschauen, können jedoch sicher sein, auch in Zukunft über Projekte von Mathilda Kochan zu stoßen, die schon jetzt auf der Suche nach weiteren ungewöhnlichen Orten ist.

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