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Filme im Kino

MoX Kino-Tipps KW2624.06.2026













Texte: Horst E. Wegener


The Piano Tuner
USA/ Kanada ´25; R: Daniel Roher. Ab 2.7. Wertung: ***** Bild: Black Bear Pictures
Dass er über ein absolutes Gehör verfügt, wäre wohl von den allermeisten Möchtegern-Pianisten als Geschenk aufgefasst worden. Doch Niki White (Woodall) leidet an einer so seltenen wie krankhaften Überempfindlichkeit auf jegliche Geräusche, die ihn seinen Alltag nur mit Ohrstöpseln ertragen lässt. Also hat er sich eine Ausbildung zum Tastenvirtuosen trotz des vorhandenen Talents abgeschminkt, um stattdessen Klavierstimmer Harry Horowitz (Hoffman) fachkundig zur Seite zu stehen. Den alten Mann freut diese Unterstützung, zumal er nicht sonderlich gesund ist – und so hangelt sich das ungleiche Duo von Job zu Job. Bei einem Auftrag in der Universität der Stadt lernt Niki dann die angehende Pianistin und Komponistin Ruthie (Liu) kennen – unter dem peinlich-nachdrücklichen Einfluss seines Mentors letztlich sogar besser, als es dem schüchtern-linkischen Schlaks allein gelungen wäre. Die Freude über die sich anbahnende Beziehung zur neuen Freundin Ruthie hält für Niki nicht allzu lange an, da Harry im Krankenhaus landet – und nachdem der alte Zausel seine Krankenversicherung schon vor Jahren aus Protest kündigen mochte, laufen im Nu horrende Kosten auf. Niki will helfen, arbeitet die Stimm-Aufträge allein ab. Bei einem dieser Job begegnet ihm Sicherheitschef Uri (Raz), dem als Kopf einer kriminellen Bande Nikis absolutes Gehör zu denken gibt: Eine Gabe, die sich auch zum Tresorknacken einsetzen lässt. Der Kriminelle macht dem Klavierstimmer ein unmoralisches Angebot, dass dieser schwerlich ablehnen mag. Doch ewig kann der lukrative Zweitjob nicht gut gehen, weshalb man die win-win-Situation zwangsläufig vor die Wand fährt…
Der kanadische Regisseur Daniel Roher, dem für seinen Dokumentarfilm über den russischen Oppositionspolitiker Alexei Nawalny anno 2023 ein Oscar zugesprochen wurde, schiebt diesem Coup jetzt sein Spielfilmregiedebüt „The Piano Tuner“ hinterher, und punktet erneut mit einer clever inszenierten, wortwitzig-amüsanten Krimi-Lovestory, exzellent selbst in den Nebenrollen besetzt.
D: Leo Woodall, Dustin Hoffman, Havana Rose Liu, Lior Raz, Tovah Feldshuh, Jean Reno.


Resurrection
China/ Frankreich ´25; R: Bi Gan. Ab 25.6. Wertung: **** Bild: Well Go USA Entertainment
In einer fernen Zukunft haben die Menschen sich darauf verständigt, aufs Träumen zu verzichten, um somit im Gegenzug ihr Leben zu verlängern. Dennoch existieren vereinzelt Widerständler, die weiterhin träumen wollen – und damit das Gefüge der Zeit aus dem Gleichgewicht bringen. Einer Frau (Shu Qi), der besagte lebensverlängernde Operation bevorsteht, gelingt es, eine dieser rebellischen Figuren aufzuspüren: Und sie entdeckt, dass ihr monströser Träumer (Jackson Yee) das Risiko zu sterben zwar auf längere Sicht eingeht, einstweilen aber noch überleben kann, indem er sich in Arbeiten aus den unterschiedlichsten Epochen der Filmgeschichte versteckt – Auftakt zu einer magischen Odyssee, die sowohl Chinas Geschichte Revue passieren lässt als auch als Hommage an das Kino verstanden werden kann. Die epische SciFi-Mär des chinesischen Regisseurs Bi Gan handelt in gut 160 Minuten einhundert Jahre Filmgeschichte ab, um diese mit visionärer Wucht auf der Kinoleinwand wiederzubeleben. Bilderwuchtig inszeniert entpuppt sich „Resurrection“ als eigenwillig verkopftes Kunstkino-Schmankerl für Cinephile mit Sitzfleisch.
D. Jackson Yee, Shu Qi, Mark Chao, Li Gengxi, Huang Jue, Chen Youngzhong.


Supergirl
USA ´26; R: Craig Gillespie. Ab 25.6. Vorankündigung Bild: Warner Bros
Superman hat weit, weit weg in seiner einstigen Heimat eine Cousine. Diese wurde ebenfalls auf dem Planeten Krypton geboren, heißt Kara Zor-El (Alcock) – und wuchs unter widrigen Umständen auf. Mittlerweile dem Teenager-Alter entwachsen vagabundiert das Supergirl inzwischen mit ihrem treuen Superhund Krypto durchs Universum. Dabei begegnet ihr dann Ruthye Marye Knoll (Ridley), die den Mord an ihrem Vater rächen will. Und bald zeigt es sich, dass Krem (Schoenaerts), seines Zeichens taffer Anführer einer Truppe von Weltraumpiraten, beim Vorhaben wohl ebenfalls eine entscheidende Rolle zukommen wird…
Supergirlie-Power im atemlosen Comics-Actioner-Format – typisches US-Sommerkinofutter.
D: Milly Alcock, Matthias Schoenaerts, Eve Ridley, David Krumholtz, Emily Beecham, Jason Momoa.


Obsession – Du sollst mich lieben
USA ´25; R: Curry Barker. Ab 25.6. Wertung: **** Bild: Focus Features
Bear (Jonhnston) ist bis über beide Ohren in Nikki (Navarette) verknallt. Da er allerdings zu schüchtern ist, um sich zu erklären, bleibt ihm nur seine rein platonische Freundschaft zur Angebeteten. Bis dann eines Tages Bears innigster Wunsch, die Liebste doch noch an sich binden zu können, dank magischer Hilfe Wirklichkeit wird. Die anfangs reibungslose Beziehung zwischen den beiden Turteltäubchen mutiert jedoch zusehends mehr zum albtraumatischen Horrortrip, da sie ihm irgendwann zu nah kommt…
Regisseur Curry Barker setzt bei seiner obsessiven Amour fou auf schweißtreibenden Thrill, zwingt Bear einen Fluch auf, dem dieser partout nicht mehr entkommen kann. Gelungen mainstreamige Kost für Genreliebhaber.
D: Michael Johnston, Inde Navarette, Cooper Tomlinson, Megan Lawless.


Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war
Deutschland/ Österreich ´26; R: Regina Schilling. Ab 25.6. Wertung: **** Bild: Elliot Kreyenberg
In Regina Schillings filmischem Portrait von Ingeborg Bachmann kommt Starschauspielerin Sandra Hüller  der anno 1926 im österreichischen Klagenfurt geborenen Ausnahmeschriftstellerin, Lyrikerin und Opernlibrettistin auf ihre ganz spezielle Art näher: Beispielsweise indem die Darstellerin sich der ansonsten so üblichen Verkörperung strikt verweigernd in der Maske sitzend präsentiert, um dort vorm Spiegel ihren Haaransatz abzutasten; Schnitt, gefolgt von einem von der Regie nunmehr ins Bild eingerückten Schwarzweiß-Foto der echten Schriftstellerin, das uns die Bachmann mit haargenau derselben Handbewegung näher bringt.
Dokumentarfilmerin Schilling handelt entscheidende Wegmarken der 1973 in Rom Verstorbenen ab, streift Kriegskindheit, Aufstieg in der Gruppe 47, Beziehungen, Auseinandersetzungen, die Suche nach einer eigenen Sprache, Alkohol, Tabletten, Angst, Unsicherheit, Zufluchtsort Rom; Archivmaterial, Interviews mit Weggefährten der Bachmann runden Schillings und Hüllers Annäherung an eine ewig Zweifelnde gekonnt ab. Unterm Strich rundet sich der Film zu einer gleichermaßen sehens- wie hörenswert gelungenen Charakterstudie über die überlebensgroße Wortschmeckerin.  
D: Sandra Hüller.


Power Ballad – Der Song ihres Lebens
USA/ Irland ´26; R: John Carney. Ab 25.6. Wertung: **** Bild: Leonine
Seit Rick Power (Rudd) vor gut fünfzehn Jahren als Frontmann der Rockband Octagon auf Tournee durch Irland tingelnd in der Heimat seiner Ehefrau Rachel (Plunkett) hängen blieb, sind dem Musiker trotz Plattenvertrages Erfolge verwehrt geblieben. Mittlerweile kommt Rick als Sänger einer Hochzeits-Combo mehr schlecht als recht durchs Leben. Als man ihn im Rahmen einer Hochzeit, für die Rick mitsamt The Bride & Groove-Band engagiert wurde, fragt, ob er nicht zusammen mit einem aus den USA angereisten Jugendfreund des Bräutigams Stevie Wonders „I Wish“-Hit singen könnte, harmonieren er und Überraschungsgastsänger Danny Wilson (Jonas) hervorragend – was auch daran liegt, dass der US-Sunnyboy vor Jahren erfolgreiches Mitglied einer Boygroup war. Wie sich´s herausstellt, hängt aber längst auch Dannys Karriere ziemlich durch. Also setzen sich die beiden Musiker vor Dannys Rückkehr in die Staaten noch privat zu einem Ideenaustausch zusammen. Und gut sechs Monate später glaubt Rick seinen Ohren kaum zu trauen, als ihm im Radio ein brandneuer Hit von Danny unterkommt.  Dass es seine eigene Song-Idee war, die er bei jener Gelegenheit dem Session-Partner vorsang, hat der US-Heimkehrer dem Management gegenüber glatt unterschlagen. Zwar kann Rick den Ideen-Klau nicht beweisen, was ihn in der Folge jedoch nicht davon abhält, zu immer drastischeren Mitteln zu greifen, um die ihm zustehende Anerkennung zu bekommen.
Vage inspiriert von der Kontroverse um Robbie Williams´ „Angels“-Song-Klau persifliert Regisseur John Carney das Showbusiness, nimmt dabei aber die Kunst stets ernst. Am Ende geht es Rick nicht mal mehr um Geld oder Anerkennung, will er nur noch von Danny hören, dass dieser ihn tatsächlich geistig beklaut hat – und „Power Ballad“ steuert auf happend-seliges Wohlfühlkino zu.
D: Paul Rudd, Nick Jonas, Peter McDonald, Marcella Plunkett, Havana Rose Liu.

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