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Tonträger aller Art
MoX Soundcheck KW3526.08.2026
Texte: Horst E. Wegener
Interpol: THIS MIRROR WEIGHS A TON (VÖ: 28.8.)
Die 1997 in New York City gegründete Indierockband Interpol hat uns schon mit ihrem Longplayer-Debüt „Turn on the Bright Lights“ ab 2002 den perfekten Soundtrack fürs morbide-romantische Nachtleben in der Großstadt geliefert – inklusive stakkatoartigen E-Gitarren-Rhythmen, nervös pochendem Bass und Paul Banks Grabesstimme, die zu gern in düster-unverständlichen Texten schwelgt. Zusammen mit The Strokes und The National gelten Interpol als par-excellence-Vertreter des sogenannten Post-Punk-Revivals. Den durch die Bank weg kryptischen Songtexten ist man über die Jahrzehnte hinweg treu geblieben; über das hoch gelobte Gespür der Truppe für Rhythmus und Melodie und Atmosphäre hinaus kommen auf „This Mirror…“ zusätzlich Streicher, Holzbläser, mehrstimmiger Gesang, Akustikgitarreneinsätze und experimentelle Sounddetails klangfarbenerweiternd dazu. Das Ergebnis klingt unpathetisch schmerzschön!
Sofie Royer: BEFORE/AFTER (VÖ: 28.8.)
“Bin doch nur ein Augenblick, der bis in die Unendlichkeit reicht …“ – was Sofie Royer in ihrem Song „Nichts Neues im Westen“ gewohnt poetisch anspricht, bringt ihre Art des Musikmachens definitiv auf den Punkt. Einerseits sind die Lieder der Kosmopolitin von einer grenzenlosen Nahbarkeit geprägt, andererseits werden hier Gegenwartsthemen sowie die Gedankenwelt einer ganzen Generation thematisiert. So sehr das Hier und Jetzt der 1991 im kalifornischen Palo Alto geborenen Wahl-Wienerin stets wichtig ist, musikalisch verschränkt die Tochter einer österreichischen Mutter und eines iranischen Vaters ihre Lyrics souverän mit Retro-Discoelementen, Synth-Wave, Pop und Elektro-Sounds. Laut britischem Guardian ist die am Konservatorium in Wien ausgebildete Geigerin, mit eigenen Radioshows beim Londoner Independentsender NTS und bei Österreichs Trendradio FM4 gesegnete Multikreative „einer der verblüffendsten, übersehenen Popstars Europas“. Ob sich das mit „before/after“ ändern lässt? Zu wünschen wär´s.
Esther Kaiser: BREATHING (VÖ: 28.8.)
Als überzeugtes Crossover-Gesangstalent hat uns Esther Kaiser schon 2004 mit ihrem furios gelungenen CD-Debüt „Jazz Poems“ bewiesen, dass Astor Piazzolla, Sting und Thelonious Monk mehr miteinander verbindet, als man landläufig denkt. Hinzu kommt mittlerweile bei jedem Projekt für die Wahl-Berlinerin jene typische Herangehensweise, sich dem Neuen über eine eigene Perspektive zu nähern – so dass beispielsweise beim „Songs of Courage“-Album Berliner Jazzmusiker zusammen mit geflüchteten Kollegen aus Syrien und dem Irak musizieren oder man „Water“ lang und breit dem kostbaren überlebenswichtigen Nass widmet. Auf „Breathing“, Kaisers neuntem Longplayer-Streich, wird jetzt das Atmen in all seinen Facetten ins Zentrum gerückt. Wie sehr sich die Vollblutsängerin ins Zeug legt, um das Intimste, was Menschen über Sprache, Berührung und Gestalten verbindet, von allen Seiten stimmgewaltig zu beleuchten, baut die Zuhörer auf und beglückt uns.
Mary and the Sharks: I DON´T WANNA QUESTION HOW I FEEL (VÖ: 4.9.)
Mary Jensen, gebürtige Hamburgerin, lebt seit 2017 in Berlin. Nachdem sie sich aus dem mormonisch geprägten Umfeld ihrer Kindheit und Jugend freikämpfen konnte, wurde die Suche nach Selbstbestimmung für Mary zur Grundlage ihrer Musik. Ein Songwriting-Studium an der Pop-Akademie Mannheim wies ihr die Richtung hin zur Gründung von Mary and the Sharks im Berliner Indieszene-Alltag. Das Ergebnis: Pop mit emotionaler Tiefe, unterfüttert mit hallenden Gitarren-Sounds und 80s-Synths, über denen die rauchig-zarte Gesangsstimme der Mary and the Sharks-Frontfrau jetzt voll zur Geltung kommt. Cooles Debütalbum!
Danielle Nicole: FIREFLIES (VÖ: 4.9.)
Die 1983 in Kansas City geborene Danielle Nicole Schnebelen zupfte bereits als Jugendliche in der Coverband ihrer Eltern den Bass und war sich nach dem Besuch eines Konzerts von Blues-Koryphäe Etta James sehr sicher, auch so singen zu wollen. Das Bassspielen behielt sie bei, profilierte sich zusätzlich als Sängerin, die gemeinsam mit ihren Brüdern Kris und Nick anno 2000 die Bluesrockcombo Trampled under Foot gründete. Dass man dann sogar den ersten Platz bei der lokalen Blues Challenge zugesprochen bekam, steigerte zwar den Bekanntheitsgrad der Geschwister-Band, brachte Frontfrau Danielle aber auch dazu, es ab 2015 zusätzlich solo zu versuchen. Natürlich waren die Brüder weiterhin mit im Team. Umso härter traf die Geschwister dann der Tod ihres Bruders Kris mitten in der Produktion des „Fireflies“-Longplayers. Und es dauerte, bis der Schock zumindest soweit verarbeitet war, dass man dessen schon produzierte Schlagzeugeinlagen den Songs nachträglich beimischen konnte. Bewegend.
















