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Buch-Tipps
„Auslöschung“ von Thomas Bernhard08.07.2026
Interview & Foto: Thea Drexhage
Er kann sich mit diesem Erbe aber gar nicht anfreunden. Er fremdelt damit, weil er Konflikte mit seiner Familie hatte, die gar nicht so intensiv thematisiert werden. Es folgen Auseinandersetzungen über das Testament und knapp 600 Seiten Lamento, über die ganzen Verhältnisse.
Ganz zum Schluss, quasi auf der letzten Seite passiert noch ein wenig Handlung, aber das sollte ich an dieser Stelle nicht verraten.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Wilko Lücht: Was ich an Thomas Bernhard persönlich toll finde, ist, dass er zwar einerseits sehr lange Sätze schreibt, in denen er sich oft wiederholt und in so eine traurige oder wütende Stimmung hineinsteigert, aber dabei auch total apodiktisch bleibt. Er stellt Behauptungen auf, die gar nicht bewiesen werden und dabei wirkt alles sehr suggestiv. Für alle Protagonisten und Erzähler gilt eigentlich immer dasselbe: dass sie Behauptungen aufstellen, die nicht begründet werden und man dadurch in so einen Strudel gezogen wird und gar nicht anders kann, als das zu glauben, was gesagt wird. Man sagt über Thomss Bernhard, der vielleicht ein Dutzend Romane geschrieben hat, dass da eigentlich immer dasselbe drinstehen würde. Es sind Figuren, die als Einzelgänger leben und die mit den Unbilden der Zivilisation und den Unbilden ihrer Mitmenschen umgehen müssen. Das ist teilweise sicher auch autobiografisch und ich bekenne mich dazu, dass ich mich damit auch ganz gut identifizieren kann.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Wilko Lücht: Ich würde es Leuten empfehlen, die ein Interesse für erwartbare Persönlichkeits-entwicklung haben und weniger für Handlung. Es hat ja etwas Beruhigendes, wenn man weiß, worauf man sich bei diesem Autor einlässt. Man darf keine Scheu vor langen Sätzen haben und man sollte wissen, dass das Buch, wie bei allen Büchern von Thomas Bernhard, keine Absätze hat und auch nur sehr wenige Punkte. Davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Es ist manchmal schwierig, einen Punkt zu finden, wo man die Lektüre unterbrechen kann.
MoX: Wie haben Sie das Buch gelesen?
Wilko Lücht: Ich habe die Interviewserie „Lauter schwierige Patienten“ auf 3Sat gesehen, dort hat Peter Voß mit Marcel Reich-Ranicki über Autoren gesprochen, die oftmals ein psychisch schwieriges Leben haben und auf Grund dessen interessante Bücher verfasst haben, auch über Thomas Bernhard und das hat mich interessiert. Er ist ja Österreicher und deren morbide Art fasziniert mich. Gelesen habe ich das Buch dann in gedruckter Form. Das bevorzuge ich bei belletristischer Lektüre.












