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Humor und Hintersinn10.06.2026



Text und Fotos: Britta Lübbers

[font=Bembo]Etwa, wenn Aaron Rahe sich selbst in einem seiner Gemälde verewigt: klein – obwohl er in Wahrheit sehr groß ist – und rot gewandet in der linken Bildecke. Fast könnte man ihn dort übersehen. Übersehen könnte man auch anderes, wenn man im Schnellschritt an seinen Arbeiten vorbeiginge – man sollte dies keinesfalls tun. Denn Rahes Werke sind gespickt mit Anspielungen und Worträtseln, mit schrägen Figuren, die einem bekannt und unbekannt zugleich erscheinen. Das gilt ebenso für Adrian Mudder. Auch er jongliert mit Erwartungen und unterläuft sie zugleich, auch bei ihm finden sich Gegenstände und Figuren, die durch die Schau zu wandern scheinen – darunter eine rote Espressokanne und ein martialischer Henker. Klingt bizarr? Ist es auch.[/font][font=Bembo] [/font]


Emojis und Parabeln
„Mashup!“, heißt die Ausstellung, die noch bis zum 23. August im altehrwürdigen Palaisgebäude zu sehen ist. Beide Künstler sind angetan von den historischen Räumen, die wunderbar mit ihrer Gegenwartssprache kontrastieren. „Ja, das gefällt uns, wir sind Verwandte im Geiste“, lächelt Adrian Mudder, und Aaron Rahe nickt.
Fast wären sie sich schon früher in Rastede begegnet, denn beide hatten sich 2019 um den Kunstpreis der Gemeinde beworben. Er habe damals mit Kaffeepulver experimentiert, erinnert sich Rahe. „Das gab schöne Effekte.“
Schöne Effekte erzielt er auch jetzt, wenn er mit dem Stil des „Bad Painting“ flirtet und seine Arbeiten mit Emojis, Memes und Parabeln ausstattet. Auch organisches Material nutzt er, so hat er ein schreiend buntes Gemälde als „Neue Deutsche Grelle“ übertitelt (eine kleine Referenz an die verspielte Neue Deutsche Welle, die die Musikbranche einst durcheinanderwirbelte) und das Bild mit vielfarbigen Federn versehen. Gerne nimmt Rahe auch Heftpflaster, so hat er zum Beispiel eine Gruppe von Winkekatzen mit Pflaster umwickelt und
sie auf diese Weise in eine starre Formation verwandelt. „Die wirken jetzt wie eingefroren. Mit ganz banalen Mitteln wird aus dem Gewohnten etwas völlig anderes“, freut er sich. Er spiele gerne mit dem „ein bisschen Hässlichen“, bekennt er. Kreativ zu sein, damit etwas an der Wand vor allem gut aussieht – das ist nicht sein Ding. Auch die von Adrian Mudder kreierten Phantasiewesen sehen nicht einfach nur gut aus. Sie sind schillernd, schaurig, skurril und – ja, auch das – zuweilen tatsächlich schön. „Das große Gewusel“ ist eines der Werke überschrieben, der Titel könnte symptomatisch für fast alle Arbeiten stehen. Lustvoll und gekonnt variiert Mudder Klischees, etwa wenn er eine Malstunde abbildet, in der ein Küken aus einer klassischen Plastik ragt, ein Zeichenschüler eine Erdbeere als Hut trägt und eine an Harry Potter erinnernde Schülerin eine Schnecke auf dem Kopf hat, die auf den ersten Blick wie eine Baskenmütze aussieht. Auch das Bild mit dem roten Henker fesselt, denn der macht gerade zwei zarten Flamingos den Garaus. Er habe diese anmutigen Tiere immer gerne gemalt, erzählt Adrian Mudder, aber irgendwann seien ihm die Vögel ein wenig auf die Nerven gegangen in ihrer Idyllenhaftigkeit. So kam der Henker ins Spiel. „Ich wollte das Unangenehme in die Welt der Flamingos bringen.“

Bezug zur Region
Aaron Rahe und Adrian Mudder teilen sich nicht nur den Anfangsbuchstaben des Vornamens und das Geburtsjahr (1986), sie haben auch beide einen Bezug zur Region. Adrian Mudder wurde in Delmenhorst geboren, absolvierte sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und lebt heute in Leipzig. Aaron Rahe stammt aus Georgsmarienhütte, studierte an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg und machte seinen Abschluss in Berlin. Heute lebt er in Osnabrück. „Zwei markante Positionen zeitgenössischer Kunst treffen hier erstmals aufeinander“, sagt Birgit Denizel von der Residenzort Rastede GmbH, die die Künstler zusammengebracht und die Ausstellung organisiert hat. Auch wenn der Titel „Mashup!“ der Popmusik entlehnt ist und hier einen Stilmix kennzeichnet, sei die Ausstellung keinesfalls als Werk-Synthese zu verstehen, betont Birgit Denizel. Jeder Künstler hat einen eigenen Ausstellungsbereich im Palais erhalten. Gerade in der räumlich separaten Gegenüberstellung würden die Unterschiede deutlich werden: „Der eine schafft phantastische Welten, die es nicht gibt, der andere reagiert auf die Verrücktheiten in der Welt.“

Und beide haben gemeinsam, dass man ihnen dabei ausgesprochen gerne folgt. Wer sie persönlich kennenlernen möchte, hat dazu am 28. Juni und am 23. August Gelegenheit. Dann führen Aaron Rahe und Adrian Mudder selbst durch ihre Werkauswahl.

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