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MoX Soundcheck KW2410.06.2026











Texte: Horst E. Wegener


Brockhoff: EASY PEELER (VÖ: 5.6.)
Lina Brockhoff betrat Anfang 2022 Hamburgs Livemusikbühnen und etablierte sich schnell als spannende Newcomerin im Bereich Indie-Rock. Schon mit ihrer Debüt-EP „Sharks“ bewies sie ein Gespür dafür, ihr eigenwilliges Storytelling mit dröhnendem Gitarrenrock zu verschmelzen, ohne dabei groß auf Text-Sound-Kompromisse zu achten. Beim Nachfolgeprojekt „I´ve stopped getting chills for a while now” wurden die rockigen Riffs um mainstreamig-sanfte Pop-Sounds ergänzt. Und der jetzt anstehende Longplayer „Easy Peeler“, zwischen 2020 und ´23 geschrieben und ´25 innerhalb von zwei Wochen aufgenommen, gratwandert erneut gekonnt zwischen mitreißendem Gitarrenrock und eingängigem Indie-Pop. Absolut hörenswert!  


Bye Parula: SOMETHING OUT OF NOTHING (VÖ: 5.6.)
Treffen ein Neapolitaner, ein Katalane und ein Chilene im frankokanadischen Montreal anno 2020 aufeinander - und beschließen eine Indie-Band zu gründen, deren Musik sich durch Soundtracks zu Jim Jarmushs frühen schwarz-weiß-Lowbudget-Filmen sowie Folk-Rockigem aus den 1990ern inspiriert fühlt. Fürs Debütalbum noch zu fünft, und für den jetzt anstehenden Nachfolge-Longplayer wieder zu dritt (inklusive Gästen), hangelt man sich von Prog-Pop über Disco und Indie hin zu Art-Rock, werden die oftmals introspektiven Texte mittels tanzbarer Grooves aufs Unterhaltsamste aufgepeppt. Jede Wette, dass dieses Trio auch hierzulande nicht mehr allzu lange als Geheimtipp gehandelt wird; recht so!  


Lee “Scratch” Perry & Mouse on Mars: SPATIAL, NO PROBLEM (VÖ: 5.6.)
Lee “Scratch” Perry, 1936 auf Jamaika geboren und dort Ende August 2021 gestorben, gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Entwicklung von Reggae und Ska und als Wegbereiter des Dub weltweit. Da sich der Weltenbummler aber auch musikalisch nie festlegen mochte, muss uns seine Zusammenarbeit mit Mouse on Mars, jenem 1993 gegründeten deutschen Duo der elektronischen Musik nicht groß wundern. Die Zusammenarbeit mit den Beiden – inklusive diverser Gastmusiker, die für Sessions im Berliner Paraverse Studio Ende 2019 zusammengetrommelt worden waren – entwickelte sich typisch für Perry hin zu einer offenen Klangcollage: Von elektronischen Beats über Dub-Anklänge, improvisierten Bläser-Riffs und digitalen Störungen hin zur brüchig-eindringlichen Stimme des Jamaikaners entstanden weitgehend intuitiv acht Tracks. Und wie es sich mittlerweile geklärt hat, stellt „Spatial, no problem“ Lee „Scratch“ Perrys musikalisches Vermächtnis dar.


Mica Millar: A LITTLE BIT OF ME (VÖ: 5.6.)
Es hat sich mehr als ausgezahlt, dass die Eltern von Mica Millar ihrer Kleinen schon sehr früh die greatest Hits von Aretha Franklin, Stevie Wonder und den Jackson 5 vorspielten und eine Tante ihr dann obendrein den Wunsch nach einem eigenen Plattenspieler erfüllen mochte. Begabt wie das Gesangswunder aus dem britischen Manchester war, etablierte sich die Senkrechtstarterin dann ab 2022 als eine der spannendsten Stimmen der Blues-, Gospel-, Soul- und Jazz-Szene. Gab mit ihrer Girls-Band die Vorgruppe für Koryphäen wie Stevie Wonder, Lionel Ritchie und Gregory Porter. Dabei schreibt, produziert und managt die Allrounderin sich nicht nur von Anfang an selbst, sondern veröffentlicht bislang ausschließlich auf ihrem eigenen Label. Die somit unterm Druck der bewusst praktizierten Unabhängigkeit entstandenen Tracks ihres zweiten Albums „A little bit of me“ produzierte Mica im Nachhall einer lebensverändernden Rückenmarksverletzung; das Ergebnis fällt gefühlvoll, selbstbewusst und dynamisch aus – wobei uns die Gesangsstimme der Britin Vergleiche zu Amy Winehouse oder Lisa Stansfield nahelegt. Wow!  


Flo LeBeau: EPILEPSY (VÖ: 12.6.)
Flo LeBeau heißt eigentlich Florian Haldimann - und könnte neben einer mehr als zwanzigjährigen Erfahrung als Bassist, Gitarrist und Sänger in den unterschiedlichsten Schweizer Bands auch auf die erfolgreich absolvierte Ausbildung zum Sanitärinstallateur sowie seinen eigentlichen Brotjob im Bereich Arbeitsintegration verweisen. Da er Musik aber als die wahre Bestimmung begreift, weist ihn seine Homepage durchaus augenzwinkernd als „Acoustic Disaster“ aus, dessen Bestimmung es sei, „zu retten: Die Dinge endlich wieder in die richtige Richtung zu schubsen“. Die eingeschlagene Gratwanderung meistert Flo LeBeau, wie er sein 2022 gegründetes Soloprojekt nennt, indem selbst schwierige Songtexte zu mentaler Gesundheit und Epilepsie gekonnt von eingängigen Melodien kontrastiert und mit süffigem Indie-Folk oder Akustik-Punk unterlegt werden. Eigenwillig.

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