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Haltung zeigen und weiterkämpfen10.06.2026



Text und Foto: Britta Lübbers

[font=Bembo]Doch es hat sich einiges getan. Die Bewegung hat die Gesellschaft verändert – hin zu mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Noch nie waren Queere hierzulande so gestärkt – zugleich nehmen Hass und Gewalt zu, wie der Verband für queere Vielfalt bestätigt. Daher ist das Motto für den diesjährigen CSD Oldenburg nur folgerichtig: „Haltung zeigen – weiterkämpfen!“. Auch in anderen CSD-Städten wird Flagge gezeigt. „Solidarisch queer – für eine Zukunft ohne Angst“, lautet der Slogan in Hamburg, und in Berlin heißt es: „Nur gemeinsam stark – für Demokratie und Vielfalt.“ Denn die ist gefährdet. In Umfragen ist die AfD auf Bundesebene stärkste Partei, auch in den Prognosen für die Landtagswahlen in den neuen Bundesländern hat sie die Nase klar vorn. In Sachsen-Anhalt fordert die AfD „eine neue patriotische Kulturpolitik“ und eine Konzentration „auf die gute Seite der Geschichte“. Dazu gehört gewiss nicht der zehntausendfache Mord an Homosexuellen während des NS-Regimes. Dass queere Projekte nicht zu einem patriotischen Kulturbegriff passen und daher kaum noch förderfähig sein dürften, ist ebenfalls zu erwarten. So wird in diesem Jahr mit bangem Blick auf die Fragilität des Erreichten gefeiert. Der CSD Oldenburg bleibt politisch, und politisch sind seine Forderungen.[/font][font=Bembo] [/font]


Unbürokratisches Aufenthaltsrecht


Dazu zählt schon seit Jahren die Ergänzung des Artikels 3, Absatz 3 des Grundgesetzes um die Merkmale „sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität“. Das Grundgesetz soll garantieren, dass niemand wegen seines Geschlechts, seiner Herkunft oder seines Glaubens benachteiligt werden darf – die sexuelle und geschlechtliche Identität wurde hier ausgespart. „Das Grundgesetz schützt LSBTIQ nicht explizit vor Diskriminierung“, konstatiert der CSD Oldenburg. Das müsse sich ändern.
Die Akzeptanzförderung durch Bildung ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Der CSD Oldenburg fordert die Landesregierung auf, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt so im Bildungssystem zu verankern, dass deren Anerkennung  gefördert und Gewalt verhindert wird. Vor allem Schulen komme hier eine besondere Bedeutung zu. Zugleich geht der Appell an alle gesellschaftlichen Institutionen, Akzeptanz aktiv zu unterstützen.
Gefordert wird auch ein unbürokratisches Aufenthaltsrecht für jene, die wegen ihrer sexuellen Identität in ihren Herkunftsländern verfolgt werden. In Brunei, Iran, Jemen, Mauretanien, Nigeria und Saudi-Arabien wird wegen Homosexualität die Todesstrafe verhängt, in Uganda wegen „schwerer Homosexualität“. Auch in Afghanistan, Pakistan, Katar, Somalia und in den Vereinigten Arabischen Emiraten müssen Schwule und Lesben die Todesstrafe fürchten. In Russland und Weißrussland werden Homosexuelle verfolgt, diskriminiert und mit Gefängnis bestraft. Kritik von Menschenrechtsorganisationen weisen die Staaten regelmäßig von sich – gerne mit dem Argument, Homosexualität sei eine „westliche Verwerfung“, ein Lebensstil, der mit den eigenen Werten nicht vereinbar sei. Aber auch der Westen ist homophob. In Florida wurde 2025 ein Gesetz erlassen, das darauf hinwirkt, LSBTIQ im Schulalltag unsichtbar zu machen. „Deutschland muss im Umgang mit diesen Ländern eine klare Position beziehen“, so die CSD-Organisatoren.
Sie machen sich zudem stark für die Anerkennung von Regenbogenfamilien im Abstammungsrecht. In lesbischen Ehen müssen nicht leibliche Mütter eine Stiefkindadoption durchführen, um das Sorgerecht für ihr Kind zu erhalten. Eine klare Benachteiligung gegenüber heterosexuellen Ehen, in denen der Vater – auch der nicht leibliche – automatisch die Vaterschaft erhält.
Weitere Forderungen sind die gesellschaftliche Teilhabe HIV-Positiver, die bessere Erforschung der Verfolgungsgeschichte queerer Menschen, die Berücksichtigung von LSBTIQ bei der Besetzung der Rundfunkräte sowie eine queer-sensible Bildung für Fachpersonen im Gesundheitswesen.

Die große Demo für eine Gesellschaft, in der sich niemand verstecken muss, startet am Samstag, 20. Juni, um 13 Uhr vom Schlossplatz. Wie immer gibt es rund um den CSD ein reichhaltiges Programm. Infos unter www.csd-nordwest.de.

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