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Was fehlt der Kultur in Oldenburg?26.08.2026
Text und Foto: Thea Drexhage
[font=Bembo]Hinzu kommt der Wahlkampf, der zusätzlich in kurzen Clips, mal offensiv, mal defensiv, mal hetzerisch, in den Sozialen Medien ausgetragen wird – aber auch dort sind einige mehr sichtbar als andere. Im anfänglichen Fokus der Wahl standen vor allem zwei Kandidaten: Ulf Prange (SPD) und Jascha Rohr, der als parteiloser Kandidat für das Bündnis 90/Die Grünen und die CDU ins Rennen ging. Prange ist in Oldenburg kein Unbekannter. Er ist seit 2006 Ratsmitglied, seit 2013 Landtagsabgeordneter.[/font][font=Bembo] [/font]
Auf seiner Agenda steht unter anderem die Vereinfachung bürokratischer Prozesse für Bürger*innen, sozial gerechter Klimaschutz und bezahlbares Wohnen. Wie auch alle anderen Kandidaten haben wir ihn gefragt, was der Kultur in Oldenburg fehlt. Grundsätzlich sehe er dabei in der Kultur die Aufgabe Begegnung, Austausch und Diskurs zu schaffen, weshalb es wichtig wäre, Angebote für junge Menschen in kreativen Bereichen zu schaffen, sowie für bessere Planungssicherheiten zu sorgen. Hinzu weist er darauf hin, dass es für solche Vorhaben auch Räume brauche, die beispielsweise durch Zwischennutzung entstehen könnten. Wichtig wäre zudem eine gute Zusammenarbeit zwischen Akteuren der freien Kultur und der Verwaltung. Generell würde er sich einen Ort wünschen, in der ganz verschiedene Formen der Kultur einen Platz finden und wo ganz verschiedene Menschen zusammengebracht werden können. Die Antwort von Jascha Rohr fällt knapper aus und erreicht uns nur indirekt. Sein Wahlkampf trägt den Titel „Oldenburg…mir Dir“, was bedeuten würde, dass alle Beteiligten ihre Ideen und Meinungen einbringen sollten, um am Ende zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. Auf Social Media zeigt sich der Kandidat hingegen nahbarer, verbringt 24 Stunden in der Stadt mit Menschen aus Handwerk, Handel, Landwirtschaft und Kultur. Ideen und Grundsätze von Prange und Rohr liegen dabei gar nicht so weit auseinander. Etwas später im Wahlkampf trat dann der Oldenburger Ralph Butzin in Erscheinung, ein unabhängiger Kandidat der Wählergemeinschaft „Echt Oldenburg“. Er bringt Erfahrungen aus Wirtschaft, Jugendhilfe, Wohnungshilfe und sozialem Ehrenamt mit. Gerade das Thema bezahlbares Wohnen steht in seinem Wahlkampf weit oben, genau wie der Fokus auf die anderen Kandidaten, dessen Videos und Aussagen er gern öffentlichkeitswirksam kommentiert und kritisiert. In der Kultur fehlen ihm Räume für Jugendkultur in der Innenstadt genauso, wie große Events mit überregionaler Strahlkraft. Auch Unsicherheiten bezüglich Finanzierungen von neuen Ideen sind für ihn ein kritischer Punkt. Große Events mit Strahlkraft, die auch junge Menschen wieder vom Sofa hervorlocken sind es auch, die der parteilose Kandidat Michael Stille fehlen, welcher im Wahlkampf sonst kaum in Erscheinung tritt. Zumindest auf den üblichen Wegen. Laut eigenen Aussagen ist er täglich in und um Oldenburg unterwegs und kommt mit den Menschen in Kontakt, während er das Internet lieber gänzlich meidet. Für die FDP geht Sebastian Fröhlich in den Wahlkampf. Für ihn ist besonders der Haushalt der Stadt Oldenburg parteitypisch von Priorität. Das zeigt sich auch in seiner Antwort auf die Kulturfrage: vorhandene Angebote müssten auf Wirkung und Nachfrage überprüft werden, um zu schauen, wo Unterstützung seitens der Stadt angebracht ist und wo eine Selbstfinanzierung möglich wäre. Auch würde er sehen, dass es in Oldenburg an Räumen fehlt, aber dies würde nicht automatisch bedeuten, dass die Stadt diese stellen müsse, stattdessen müssten private Räume und Leerstand geprüft werden. Eine Kulturförderung sieht er vor allem dann angebracht, wenn die Angebote zwar gesellschaftlich gewünscht sind, aber sich nicht vollständig am Markt finanzieren lassen. Kandidatin Heike Boldt von Die Linke schaut vor allem auf jene Kulturschaffende, die sich im ehrenamtlichen Sektor bewegen und für kulturelle Vielfalt in Oldenburg sorgen würden. Dort wäre es ihrer Meinung nach angebracht, einzelne Stellen für hauptamtliches Personal zu schaffen, um die grundlegende Struktur zu stärken und so auch weiterhin sicher Events und Angebote zu ermöglichen, die niedrigschwellig stattfinden können. Boldt ist Gewerkschafterin, engagierte sich bei der Seebrücke und im Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie vertritt einen feministischen, sozialen und antirassistischen Standpunkt. Die zweite Frau in der Wahlaufstellung ist die parteilose Byanca Küßner. Die Lehrerin trat zuvor nicht im politischen Rahmen in Oldenburg in Erscheinung. Wichtig ist ihr Chancengleichheit, in der Schule genau wie auf dem Wohn- und Arbeitsmarkt. Auf unsere Kulturfrage hat uns von dieser Kandidatin keine Antwort erreicht. Ebenfalls nicht von Holger Martin Wilkens, der für das Bürgerbündnis Oldenburg antritt. Seine Ziele sind vor allem die Konzentration des Haushalts auf Schulen, Kitas und Infrastruktur und das Überdenken finanzieller Großprojekte, sowie die stärkere Einbeziehung der Bürger*innen. Der letzte Kandidat ist der Unternehmer Yakub Castur, der für die umstrittene DAVA (Demokratische Allianz für Vielfalt) antritt. Die politische Vereinigung wirbt für die Rechte von Migranten, das Bekämpfen von Islamfeindlichkeit und einem Fokus auf das klassische, konservative Familienbild. Vorgeworfen wird DAVA eine AKP- und Erdoğan-Nähe. In der Kultur fehle Castur mehr Sichtbarkeit, Raum für Neues und eine stärkere Einbindung der kulturellen Vielfalt. Er wünscht sich mehr Veranstaltungen, bei denen sich Menschen verschiedener Kulturen gemeinschaftlich begegnen und beteiligen können.
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