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Glänzender Treffpunkt im Stadtnorden12.08.2026
Interview & Foto: Thea Drexhage
MoX: Wie kam es zu der Idee, dieses Haus zu gründen?
Rainer Zietlow Die Idee für ein Bürgerhaus ist schon 40-50 Jahre alt und ist immer wieder von verschiedenen Personen aus dem öffentlichen Bereich gefordert worden. Das Problem ist nur, dass nur darüber geredet wurde, aber sich niemand gefunden hat, das ernsthaft anzufassen. Andererseits gab es auch nie den richtigen Moment. Seit etwa 10-15 Jahren gibt es das städtische Programm „Orte für alle“, was der Bürgerverein zum Anlass genommen hat, da einmal nachzusetzen. Das stand in der Zeitung und dann bin ich dazu gekommen und habe gesagt: Ich bin jetzt Rentner, ich habe Zeit und dazu habe ich auch ein paar gute Beziehungen zu Rat und Verwaltung. Es gab einen kleinen Initiativkreis von vier Personen, der sich dem Thema ernsthaft gewidmet hat. Es folgte ein Gespräch mit Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, welches dazu führte, dass dieser sagte, die Idee ein Bürgerhaus zu installieren unterstütze er. Aber die Stadt wollte das Haus nicht selbst betreiben und wir sollten uns überlegen, wie wir das machen wollen. Wir haben viel diskutiert: Genossenschaft, Stiftung etc. Das einfachste war der Verein. Die Stadt baut das Haus und wir werden Mieter. Und das ist der Punkt, an dem wir jetzt stehen.
MoX: Wer steckt hinter dem Verein?
Rainer Zietlow Das sind mittlerweile über 280 Mitglieder aus Ofenerdiek. Hauptsächlich die ältere Generation. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir noch kräftigen Zuwachs aus der jüngeren Generation bekommen würden, denn das Haus haben wir nicht als Seniorenprojekt gegründet, sondern es soll ein Begegnungspunkt für alle Generationen sein – auch für Menschen mit Migrationshintergrund, da wir einen integrativen Ansatz verfolgen,
MoX: Es heißt Bürgerhaus – wie ist das Haus von Bürger*innen, die nicht im Verein sind nutzbar?
Rainer Zietlow Wir haben einerseits ein Eigenprogramm und ansonsten ist dieses Haus offen für alle Vereine, Initiativen, Gruppierungen, die vorzugsweise im Stadtnorden ansässig sind. Aber wenn Kapazitäten frei sind, dann können sich auch Vereine und Gruppen aus anderen Vierteln an uns richten, die die Räumlichkeiten nutzen möchten, allerdings gegen Nutzungsgebühr. Der Trägerverein hat das Haus gemietet und muss eine ortsübliche Miete an die Stadt zahlen. Wir bekommen zwar einen kleinen Zuschuss, aber letztlich müssen wir den refinanzieren und das können wir nur durch solche Einnahmen. Insbesondere sind wir natürlich an Ankermietern interessiert. Das können zum Beispiel Chöre sein, die wöchentlich einen Übungsraum suchen, aber auch andere Vereine, die regelmäßig tagen. Privat kann man dieses Objekt nur dann mieten, wenn man Mitglied ist und auch da haben wir eine Einschränkung von der Stadt: Wir dürfen nur 5% der Veranstaltungstage an privat vermieten und das halten wir vorzugsweise für die Menschen frei, die nicht nur Mitglied sind, sondern auch zum aktiven Kreis gehören und das sind mittlerweile auch eine ganze Menge Leute. Wir sind in erster Linie daran interessiert, dass Vereine und Vereinigungen dieses Haus nutzen. Beispielsweise haben politische Parteien das schon für Vorstandssitzungen und Bürgersprechstunden genutzt und wir freuen uns sehr darüber, wenn die breite demokratische Mitte dieses Haus nutzt.
MoX: Sie erwähnten schon das eigene Programm. Woraus wird dieses bestehen?
Rainer Zietlow Wir führen Konzerte durch. Wir laden Autoren ein, die hier Lesungen halten. Wir veranstalten seit vielen Jahren, wir sind ja nicht erst mit diesem Haus aktiv geworden, Kinderflohmärkte, Ladies Nights aber auch größere Konzerte, Weihnachtsmärkte. Als nächstes kommt ein Kreativmarkt im Herbst. Das machen wir gar nicht alles hier, sondern auch in der Mensa der Oberschule. Dort haben wir einen Schlüsselvertrag mit der Stadt und mieten uns dann ein. Dort hat auch schonmal ein Rudelsingen stattgefunden. Wir bieten ein breites Spektrum an Aktivitäten. Das nächste, was wir hier erstmalig ausprobieren möchten, ist so eine Kaffee & Klönschnack-Runde für Frauen ab 50. Vielleicht kommen die Männer auch irgendwann mit ihrer eigenen Veranstaltung dazu. Dann haben wir eine monatliche Bingoveranstaltung und zukünftig haben wir den Dienstag regelmäßig für einen allgemeinen Klönschnack geöffnet, da können auch Menschen kommen, die keine Mitglieder sind und die einfach mal schnuppern und das Haus angucken wollen, um zu schauen, ob die Räume für ihren Verein passen.
MoX: Vereinsarbeit und Ehrenamt ist nach wie vor ein schwieriges Gebiet. Wie können sie sich vorstellen, dass das hier langfristig funktioniert?
Rainer Zietlow Das können wir nur hoffen. Momentan ist es so, dass die Leute, die hier mitarbeiten, das sind so 40 – 50 Aktive, einfach Spaß dabei haben, denn das hier ist ein Ort der Kommunikation und hier gibt es Menschen, die sich vorher nicht gekannt haben. Das ist ein besonderer Vorteil, dass man hier Kommunikation üben und leben kann. Aber wir brauchen weitere Ehrenamtliche, die Lust haben, sich in verschiedenen Bereichen zu engagieren, sei es mit der Arbeit mit Kindern – wir hätten gern jemanden der unsere Grundschulkurse „Fit in die Grundschule“ verstärkt, oder auch andere Veranstaltungen mit Kindern im Kreativbereich umsetzen wollen. Ab und zu kommen auch Menschen zu uns, die wir hier integrieren und die dann ihre eigenen Ideen mitbringen.
Ein Problem, was wir auch merken, ist, dass das Ehrenamt für viele nicht attraktiv ist. Aber vielleicht wird es attraktiver, wenn man entsprechende Locations wie diese zur Verfügung hat.
MoX: Wie war die Resonanz nach der Eröffnung?
Rainer Zietlow: Wir hatten hier zum Tag der Architektur einen Tag der offenen Tür und da sind so 400-600 Menschen durchgelaufen und haben das teilweise wirklich mit Staunen zur Kenntnis genommen, was hier mit Hilfe der Stadt Oldenburg und Rat und Verwaltung aufgestellt wurde. Und jetzt haben wir im Hause die ersten Veranstaltungen durchgeführt: Kaffeehausmusik und eine Lesung gegen Rechtsextremismus von Hermann Finke, die waren ausgebucht. Auch die Bingoveranstaltungen sind der Renner.
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