LzOLzO
OLDENBURG
Donnerstag

24

September

Foto:
Gärten in der Innenstadt

Hier geht es zu den aktuellen Ausgaben

Suche:

direkte Antwort ohne Umwege!

Kleinanzeigen

Aktuelles

Kleines Budget, große Wirkung23.09.2026



Text und Foto: Thea Drexhage

In seinem Langfilmdebüt Frogtown vermischt Regisseur Costa Karalis Dokumentation und Fiktion. Gezeigt wird eine Kleinstadt im Bundesstaat Florida und die Menschen, die in ihr Leben, mit ihren Träumen, Visionen und vor allem Eigenarten. Mehr als 70 Interviews hat das dreiköpfige Team mit Anwohnenden aller Altersklassen geführt, von denen es eine handvoll in den finalen Streifen geschafft haben. In diese echten Interviews verwoben ist die Geschichte von drei Frauen: einer Mutter mit ihrer Tochter und ihrer Großmutter Kathleen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Menschen der Stadt bei einer Parade zusammenzubringen und ihre Geschichte vom Froschkönig, dem sie als Kind in den umliegenden Sümpfen getroffen hat, zu verbreiten. Gedreht wurde alles mit nur einer Kamera aus spannenden Winkeln und Perspektiven, die so natürlich wirken, dass selbst der geskriptete Teil des Films absolut organisch und glaubwürdig rüberkommt. Eine kurzweilige, rührende, wertungsfreie Geschichte die Einblicke in ein Amerika abseits der großen Metropolen gibt. Ein weiterer Debütfilm kommt von Matthew Osubor, der nicht nur die Regie, sondern auch die Hauptrolle in Big Daddies Flowers übernahm. Unter den Fittichen von Indiefilmveteran Alexandre Rockwell nutzte Osubor die Chance, verschiede Filmtechniken und Equipment in seiner rasanten, absolut überspitzten und selbstironischen Komödie über einen gesetzestreuen und naiven Blumenkurier zu testen. Obwohl nicht jeder Shot perfekt durchkomponiert wurde, spürt man in diesem Film die Leidenschaft eines jungen Filmemachers, der nicht davor zurückscheut, Neues zu probieren und Witze immer weiter bis kurz vor die Grenze des guten Geschmacks zu treiben und eine gehörige Portion Gesellschaftskritik in einen Film zu packen, ohne mahnend den Zeigefinger zu heben. Dafür konnte Osubor aus Oldenburg den Preis für den besten Erstlingsfilm mit nach Hause nehmen. Gesellschaftskritik ganz ohne Witz hat der britische Regisseur Paul Wright mitgebracht. Mission verfolgt Protagonist Dylan durch eine Sinnkrise, die ihn dazu führt, sich sieben Tage komplett von gesellschaftlichen Konventionen und Erwartungen zu lösen und in absoluter Freiheit zu leben, um dann zu entscheiden, ob ein Leben in diesen Zeiten überhaupt noch lebenswert ist. Dabei verfolgt der Zuschauer ihn in eine moralische Abwärtsspirale sondergleichen. Es ist keine leichte Kost. Einige Zuschauende verlassen verfrüht den Saal und verpassen daher ein gut gemachtes, unvorhersehbares Ende. Während die Thematik für viele sicher nur schwer ertragbar sein dürfte, ist der Streifen allein wegen der herausragenden Leistung von George MacKay sehenswert. Dieser trägt die Geschichte überzeugend und mühelos und schafft es, tiefe Gefühle oft ohne Worte und Erklärungen zu transportieren. Auch Bild, Ton und Schnitt können hier auf voller Länge überzeugen. Ganz leichte Kost lieferte hingegen Mackenzie von Melissa Fitzsimmons. Ein ultra Low Budget Film, der die elfjährige Juniper auf ihrer Reise durch die Wüste Utahs begleitet. Diese macht sich auf den Weg nach L.A. um ihren Kindheitsschwarm aus dem TV zu heiraten. Fitzsimmons verarbeitet darin ihre eigene Kindheit. Gespielt wird Juniper durch Luca Yusimov, einem Kind aus dem persönlichen Umfeld der Regisseurin, ohne jegliche Schauspielerfahrung. Gerade deshalb wirkt der Streifen so real, so natürlich und nostalgisch und katapultiert die Zuschauenden in ihre eigene Kindheit und diese endlos langen Sommertage zurück. Der 80-minütige Film kommt mit wenig Text aus, was ihn stellenweise sehr langatmig macht. Dies wird jedoch durch faszinierende Landschaftsaufnahmen und generell durchdachte, schöne Bilder kompensiert. Lediglich der Sound, in den laut Crew in der Post-Produktion einiges an Arbeit geflossen ist, hätte etwas mehr Finesse vertragen können. Technisch perfekt produziert waren dafür zwei weitere US-Streifen: Kill Me Now und Murderous. Bei letzterem handelt es sich um das neueste Werk von Ehrengast Neil LaBute. In der Hauptrolle seine Frau Gia Crovatin, die für ihre Leistung den Preis für die beste Darstellerin einheimsen konnte. Ein spannendes Kammerspiel mit kleinem Cast und nur einem festen Spielort. Stephen King trifft Der Gott des Gemetzels. Guter Witz ergänzt durch packende Spannung und erfrischende, gut nachvollziehbare Charaktere, die man nicht in die üblichen Hollywood-gut-und böse-Schubladen stecken kann. Kill Me Now von Michael Polish bewegt sich auf einer ähnlichen Psychothrillerschiene. Schauspielerin und Drehbuchautorin Jaqueline Singer glänzt in ihrer Rolle als Neuankömmling in der Filmbranche. Der Film arbeitet mit gutem, pointiertem Witz, verliert aber Punkte durch seine völlig überzogenen, stereotypischen Figuren, gespielt unter anderem von Keith Carradine und Mena Suvari, die man so schon in etlichen anderen Streifen gesehen hat. Neben all diesen englischsprachigen Streifen war in der Independent-Reihe auch eine deutsche Produktion zu finden. Oliver Korittke spielt in Superbuhei einen, dem Alkohol verfallenen Kneipenbesitzer, der versucht, seine bröckelnde Ehe zu kitten. Dabei entwickelt sich die Geschichte schnell von einer Komödie in eine düsterere Richtung, die thematisch gar nicht so weit von Kill Me Now entfernt ist und für deutsches Kino wirklich überraschend daherkommt, zumindest, wenn man den Vorlageroman von Sven Amtsberg zuvor nicht gelesen hat. Es braucht also kein großes Budget, keine große Crew und keine A-List Schauspieler, um die eigene Vision zum Leben zu bringen und vor allem auch kein KI - es sei denn, man heißt Edgar Pêra. Der Filmfest-Dauergast hat mit seinem Midnite-Express Streifen Asphalt Guerilla die Behauptung in den Raum gestellt, dass KI für Filmschaffende ohne großes Budget ein tolles Hilfsmittel wäre, um Ideen kostengünstig umzusetzen. Nur der tatsächliche Beweis hat gefehlt. Die KI-Sequenzen Pêras Film waren „sloppy“, also schluderig und ohne Liebe zum Detail in den Streifen geschnitten. Sie wirken zusammenhangslos, sind fehlerhaft und viele der Prompts, die zum Erzeugen solcher Szenen genutzt werden, wurden ganz offensichtlich vom letztjährigen Filmfesttrailer recycelt, was den eigentlich guten Storyansatz von Asphalt Guerilla durch schlechte Qualität und die moralische Debatte um AI in Filmen gänzlich zunichte macht. Aber was wäre das Filmfest Oldenburg nur ohne ein wenig Provokation?

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Um hier Kommentare abgeben zu können müssen Sie sich erst Anmelden!

Benutzername:     Passwort:    

Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben oder Sie sich registrieren wollen Klicken Sie bitte hier.


Sonderseiten
Kostbar
EXB Handwerk