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Über den Dächern von Oldenburg

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Sammelleidenschaft08.07.2026



Text und Foto: Thea Drexhage


Dieses Hobby hat der 59-Jährige bis heute beibehalten. Im entfernten Sinne ist es ihm auch gelungen, das Jugendhobby zum Beruf zu machen. Während der 80er Jahre waren die beruflichen Chancen für Biologiestudenten eher begrenzt und nach dem Abi war die Lust auf weiteres schulisches Lernen auch nur mäßig vorhanden, weshalb er sich für eine Ausbildung zum Tierpräparator entschied. Auch dieser Bereich gehörte damals schon zu seinen Interessen. Was nach außen hin im ersten Moment morbide wirken mag, ist für Kay Fuhrmann eigentlich ganz selbstverständlich. Heute arbeitet er als Präparator im Landesmuseum Natur und Mensch und weiß sich seine Beobachtungen auch im Job zu Nutze zu machen. „Wenn man nicht weiß, wie sich Vögel draußen bewegen und verhalten, dann kann man das auch nicht so gut im Präparat umsetzen. Zwar ist die Präparationstechnik immer gleich, egal ob du einen Zaunkönig oder einen Steinadler machst, aber du kannst einen kleinen Zaunkönig nicht hinsetzen wie einen Steinadler, das passt einfach nicht. Da muss man wissen, dass der immer das Schwänzchen aufstellt, ein bisschen angespannt aussieht und so ein Adler eher majestätisch dasitzt“, erklärt er. Seit 1998 arbeitet er nun schon im Landesmuseum und zog dafür aus Hannover nach Oldenburg. Überwiegend kümmerte er sich damals, neben der Präparation, um die Aufarbeitung der Sammlung, die Pflege der Datenbank und die Bestimmung der Exponate, wobei er seine ornithologischen Fähigkeiten bestens einsetzen und diese später um weitere Themengebiete in Flora und Fauna ausweiten konnte. Nun könnte man meinen, dass das Hobby leidet, wenn man es zum Beruf macht, aber auch in seiner Freizeit ist Kay Fuhrmann weiterhin in der Natur unterwegs, sei es in den umliegenden Landschaftsgebieten besonders im Norden Oldenburgs oder auf gänzlich anderen Kontinenten. Viel Spannendes konnte er über die Jahre schon sichten. Ein gleichwohl beeindruckendes als auch trauriges Erlebnis ist für ihn die Sichtung des Dünnschnabel-Brachvogels im Jahr 1990. Dieser Vogel ist vor allem in Südsibirien und Nordafrika zu finden gewesen. Die letzten Beobachtungen gehen in das Jahr 1995 zurück und seit letztem Jahr zählt er offiziell als ausgestorben. Auch an eine Sichtung in den USA erinnert er sich gern zurück Dort konnte er vor 10 Jahren einen gigantischen Schwarm dunkler Sturmtaucher beobachten, die man hier nur vereinzelt zu Gesicht bekommt. Solche Erlebnisse und Beobachtungen teilt er gern mit seinen Mitmenschen und engagiert sich sowohl im Bürgerverein Etzhorn als auch beim NABU in Rastede und führt begeisterte Menschen bei vogelkundlichen Wanderungen durch die naheliegenden Landschaftsgebiete. Andere Menschen für diese Themen zu sensibilisieren und zu begeistern sind für ihn ein ganz wichtiger Punkt, um ein Bewusstsein zu schaffen, für Natur, Umwelt und Klimawandel. Wenn es nach ihm geht, sollte dies auch viel intensiver in der Schule passieren. „Im Grundschulalter sind Kinder noch so wissbegierig und dann kriegen sie irgendwann ihre Smartphones und ihre Apps und sind in dieser Welt gefangen. Es wäre nun wichtig, einen Spagat hinzukriegen, zwischen diesen neuen digitalen Themen und dieser Sammelleidenschaft, die mich damals getrieben hat.“, erklärt er. Am Ende könne man mit Wissen über Natur, Umwelt und Gesellschaft auch mehr in der Welt verändern, als mit Altlatein oder Goethes Faust. Es kann nicht nur die Arbeit von Vereinen und NGOs sein, über Probleme aufzuklären und Lösungsansätze vorzugeben, sondern muss schon früh im Bildungssystem verankert werden.

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