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Filme im Kino
MoX Kino-Tipps KW3312.08.2026
Texte: Horst E. Wegener
Exit 8
Japan ´25; R: Genki Kawamura. Ab 13.8. Wertung: **** Bild: Exit 8 Film Partners
Für einen jungen Tokioter Großstädter (Ninomiya) scheint sich ein ganz normaler Tag abzuzeichnen – mal abgesehen von einem Vorfall in der U-Bahn, bei dem eine Frau übel beschimpft wird, weil sie ihren ständig schreienden Säugling partout nicht ruhigstellen kann. Da unser namenlos bleibender junger Mann aber auf dem Weg zur Arbeit ist, kommt es ihm nicht in den Sinn, sich durch diese verstörend eskalierende Szene Zeit stehlen zu lassen. Also ignoriert er die Situation, verlässt den U-Bahnwagen – um dann durch einen Anruf seiner Ex-Freundin aufgeschreckt zu werden: Diese teilt ihm mit, dass sie schwanger sei. Beim Versuch, sich eine angemessene Reaktion zurechtzulegen, wird unserem Tokioter plötzlich klar, dass er den Ausgang verpasst haben muss. Die Handy-Verbindung bricht ab, Exit 8 bringt einen nirgendwo ans Tageslicht – und beim Erkunden des U-Bahnhof-Ganglabyrinths verwirren Hinweise, irritieren Werbeplakate, führt gleichwohl keine der Türen, die man hoffnungsvoll öffnet, nach draußen. Sich etwa bei jener Person (Kochi), die unserem jungen Mann immer wieder begegnet, nach dem Weg zu erkundigen, führt erst recht zu nichts, da der Angesprochene nie reagiert. Irgendwann begegnet unserem Suchenden dann ein kleiner Junge (Asanuma), der seine Mutter auf dem Weg nach draußen verloren hat. Man tut sich zusammen, meistert gemeinsam selbst heikle Situationen, in denen plötzlich die Beleuchtung ausfällt oder ein Alarm losschrillt. Als dann aber das Gängelabyrinth geflutet wird, muss sich unser Großstädter entscheiden: Kümmert er sich weiterhin um den Jungen oder geht es ihm vordringlich ums eigene Überleben? „Exit 8“ basiert auf dem gleichnamigen Escape-Videospiel, mit dem ein unter dem Pseudonym Kotake Create bekannter Computerspielentwickler anno 2023 den japanischen Markt erobern konnte. Der Horror der Vorlage ist gekonnt in die Kinoadaption überführt worden, da Regisseur Genki Kawamura seinen Sisyphus-Marsch durchs U-Bahnganglabyrinth genre-souverän inszeniert, und die grell ausgeleuchtete Szenerie mit Ravels repetitiver Bolero-Melodie unterlegt; neunmalkluge Cine-Nerds mögen den Film als Parabel auf die Ängste des modernen Großstädters angesichts einer bevorstehenden Vaterschaft deuten.
D: Kazumari Ninomiya, Yamato Kochi, Naru Asanuma, Kotone Hanase.
The End of Oak Street
USA ´26; R: David Robert Mitchell. Ab 13.8. Vorankündigung Bild: Pandora Film
Böses Erwachen für die Familie Platt: Die gesamte Oak Street, eine jener typischen US-amerikanischen Vorstadtstraßen, in der man Häuschen an Häuschen mit den Nachbarn wohnt, wird durch ein kosmisches Ereignis jäh aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen – und von den 1980ern in eine prähistorische Epoche überführt. Nicht genug damit, dass es Vater Greg (McGregor), Mutter Denise (Hathaway) und ihren Kindern Brian (Convery) und Audrey (Stella) beim Sondieren der neuen Lage spätestens schwant, wohin sie da durch die Zeit gereist sein dürften, als ihnen die fresslustig durch die Nachbarschaft stromernden Dinosaurier auffallen! Der Schock sitzt tief. Was tun? Um zu überleben, müssen die Platts sich umgehend etwas einfallen lassen – gut, dass man das Haus am Ende der Oak Street bewohnt… Die vage an die Hollywood-Blockbuster-Serie Jurassic Park angelehnte SciFi-Überlebenskampf-Mär ist starträchtig besetzt und gemäß dem ersten vorab präsentierten Trailer mit wahrlich schweißtreibend gelungenen special effects inszeniert; Countdown läuft.
D: Anne Hathaway, Ewan McGregor, Maisy Stella, Christian Convery, Jordan Alexa Davis.
Steckerlfischfiasko
Deutschland ´26; R: Ed Herzog. Ab 13. 8. Wertung: **** Bild: Constantin Film / Bernd Schuller
Die Spürnase von Niederbayerns Top-Provinzpolizist Franz Eberhofer (Bezzel) ist mal wieder gefordert, nachdem man mitten auf dem neuen Golfplatz den örtlichen Fischhändler entdeckt: Ermordet! Eine Familienfehde? Während Eberhofer die Ermittlungen aufnimmt und ihn Beschützerinstinkte für die Tochter (Fee) des weithin als Steckerlfischkönig bekannten Toten überkommen, geht Franzens Susi (Potthoff) total in ihrer Kandidatur fürs Kaltenkirchener Bürgermeisteramt auf. Da sind ihr halbseidene Volksfestivitäten oder gar der von ihrer besseren Hälfte verdächtigte Dottinger-Clan mit seinem Autoscooter-Imperium schnurz! Weil obendrein die Eberhofer-Oma (Fuchs) zur Kur geht, hat Franzens Bruder Leopold (Wittmann) vorausschauend Haushaltshilfe Julika (Mandoki) engagiert – um sich prompt in sie zu vergucken. Eine Co-Ermittler-Rolle im Eberhofer´schen Krimikomödienkuddelmuddel bekommt in der Folge die mittlerweile obdachlos gewordene Freizeit-Spürnase Rudi Birkenberger (Schwarz) zugewiesen, wobei sich der reine Kriminalfall in dieser zehnten Adaption nach einer Romanvorlage von Bestsellerautorin Rita Falk nur als ein Handlungsstrang von vielen entpuppt. So gesehen scheint das Maulen der Schriftstellerin über jene allzu prollig-platt geratene Verfilmung ihrer neunten Vorlage wahre Wunde bewirkt zu haben: Nach „Rehragout-Rendezvous“ entpuppt sich „Steckerlfischfiasko“ als vergnüglich-warmherzige Provinz-Posse, punktet die Regie mit einem spielfreudigen Ensemble, das treffsicher seine Pointen zündet. Da capo!
D: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Enzi Fuchs, Lara Mandoki, Ruby O. Fee.
Sunny Dancer
GB ´26; R: George Jaques. Ab 13.8. Wertung: *** Bild: Sunny Dancer / Colin J. Smith
Mit 17 Jahren wollen Teenager das Leben vollends auskosten, sich verlieben, Sex haben – die Diagnose Krebs macht derlei Wünsche und Träume schlagartig zunichte, lässt davon Betroffene sarkastisch überreagieren oder sich abkapseln. Obwohl die beizeiten verordnete Chemo bei Ivy (Ramsey) gewirkt zu haben scheint, ihre Ärzte der Meinung sind, die Krankheit wäre überwunden, fühlt sich die Rekonvaleszentin weiterhin emotional schwer angeschlagen. Und die Idee ihrer Eltern, sie zum Sommerferiencamp anzumelden, nimmt Ivy ihnen übel. Dabei ist dieses Lager speziell auf Teenies zugeschnitten, die ebenfalls eine Krebserkrankung dank Chemo erfolgreich überstanden haben. Da der 17-Jährigen auch lautstarker Protest gegen die Zwangsanmeldung fürs Camp nicht hilft, beschließt sie vor Ort die Spielverderberin zu geben, boykottiert Veranstaltungen, opponiert gegen den Leiter (Harris) und die Betreuer des „Chemo Camps“. Ihr Aktionismus bringt Ivy dann prompt den Respekt einer Clique ein, die schon seit Jahren den Sommer über im Camp einschwebt. Mit Jake (Quinn-Toye), Ralph (Cave), ihrer Zimmernachbarin Ella (Stokes) sowie Archie (Khan) und Maisie (Elcock) versteht sich die Neue auch deshalb bestens, weil diese Teenies den Grund für die Angst, dass der Krebs wieder ausbrechen könnte sowie die daraus resultierenden Stimmungsschwankungen nachvollziehen können. Mit der Zeit nähert sich Ivy Jake an, während Ella in den leicht älteren Betreuer Tristan (Gaunt) unglücklich verliebt ist - und noch vor Ablauf des sechswöchigen Ferienlagers stellt sich für beide Mädels die Frage, ob sie sich das sich Verlieben überhaupt leisten sollten. So sehr wir derweil Anteil am Schicksal der Hauptdarstellerin nehmen oder uns mit ihr freuen, büßt die vorzüglich besetzte Jugendstudie durch die finale Volte à la „Sixth Sense“ doch viel von ihrem Charme ein. Schade.
D: Bella Ramsey, Daniel Quinn-Toye, Ruby Stokes, Earl Cave, Conrad Khan, Jasmine Elcock, Louis Gaunt, Josie Walker, Neil Patrick Harris.
Spaziergang nach Syrakus
Deutschland ´26; R: Lars Jessen. Ab 20.8. Wertung: **** Bild: Pandora Film
Dass ihm in der DDR aufwachsend, jegliches Studium untersagt wurde, konnte Paul Gompitz (Hübner) noch halbwegs gut wegstecken. Statt renitent aufzumucken, hat sich der Rostocker dann eben in den 1980er Jahren mit einem Job als Kellner auf Ausflugsschiffen arrangiert. Und vielleicht würde es ihm auch ansonsten weit besser ergehen, wenn er sich obendrein die Beschäftigung mit seinem geliebten Dichter Johann Gottlieb Seume abschminken könnte. Aber nicht jeder Wunschtraum lässt sich so mir nichts dir nichts ad akta legen – weshalb es sich Pauls Lebensgefährtin Anne (Beckmann) einfach macht, indem sie ihr Freiheitsbedürfnis allemal mit ´nem Aufenthalt in der neuen Datsche erfüllt sieht. Unser Seume-Fan liebäugelt mit einem Trip nach Italien, wo er auf den Spuren des Dichters bis ins sizilianische Syrakus wandern möchte. Da Gompitz´ Versuche, diesen Trip auf legalem Wege von den DDR-Oberen erlaubt zu bekommen, definitiv zum Scheitern verurteilt sind, bleibt dem Träumer nur die illegale Ausreise. Auch dass er nach der Wanderung auf jeden Fall wieder zu seiner Anne zurückkommen würde, wäre kein belastbares Argument der Stasi gegenüber; da Mitwissern Haft droht, kann Paul sich noch nicht einmal der Lebensgefährtin gegenüber offenbaren. Andererseits gefährdet seine Heimlichtuerei dann mehr und mehr die Beziehung…
Regisseur Lars Jessen adaptiert eine Erzählung von F. C. Delius, die sich wiederum auf wahre Ereignisse bezieht. „Spaziergang nach Syrakus“ gelingt als glaubwürdig geschauspielerte Liebesgeschichte eines DDR-Pärchens, die mit dem Duo Hübner/Beckmann mitreißend besetzt ist – und eine Lanze dafür bricht, sich seinen Lebenstraum über alle Fallstricke hinweg zu erfüllen. Berührend.
D: Charly Hübner, Lina Beckmann, Thorsten Merten, Bruno Di Chiara, Jens Münchow.
Teenage Sex and Death at Camp Miasma
USA/ Kanada ´26; R: Jane Schoenbrun. Ab 20.8. Wertung: *** MUBI
Wer in den 1980ern auf trashige Horrorfilme stand, dem dürfte die „Camp Miasma“-Serie mit Sicherheit in Erinnerung geblieben sein. Und um dem seinerzeit sein Unwesen treibenden „Kleiner Tod“-Killer jetzt eine Wiederbelebung zu gönnen, erhält Regietalent Kris (Einbinder) die Chance zu einem modernen Reboot. Kurzentschlossen startet die junge queere Nachwuchsfilmerin ihre Suche nach der zündenden Idee für eine Neuauflage, indem sie beschließt, die Hauptdarstellerin (Anderson) des allerersten „Camp Miasma“-Streifens zu kontaktieren. Die lebt absurderweise nach wie vor in jener Gegend, in der man in den 1980ern die Schocker-Reihe drehen mochte – und begründet dies ihrer Besucherin gegenüber damit, dass ja jemand da sein müsse, falls Serienkiller „Kleiner Tod“ mal vorbeikomme. Kris findet nicht nur derlei schnoddrig-humorige Anmerkungen von Billy Preston super, sondern fühlt sich durch deren bereitwillig offenbartes Insiderwissen nachhaltig inspiriert. Bald merkt sie, wie Prestons Anekdoten sie immer mehr in den Camp Miasma-Kosmos hineinziehen und fragt sich irgendwann, ob an der „Kleiner Tod“-Bemerkung nicht sogar etwas Wahres dran sein könnte.
Was als Recherche zu einem Horror-Reboot auftaktet, entwickelt sich peu à peu zum schweißtreibenden Spiel mit Slasher-Mythen und queerer Begierde. Ideale Kost für die Spätvorstellung.
D: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Amanda Fix, Patrick Fischler, Jack Haven.

















