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„Das ist ein bisschen die analoge Konterrevolution.“22.07.2026



Text: Dieter Oßwald Foto: Constantin Film/Bernd Schuller


MoX: Herr Bezzel, zehnmal Eberhofer – fühlt sich das ein bisschen an wie „Dinner for One“ mit dem Motto „Same procedure as every year“?
Bezzel: Naja, es war ja lange genug Pause. Seit „Rehragout-Rendezvous“, dem letzten Eberhofer-Film, sind immerhin schon drei Jahre vergangen.
MoX: Beim Jubiläums-Eberhofer ist der Leberkäse gestrichen. Ist Franz auf Diät?
Bezzel: Das muss ja auch nicht immer sein. Der Leberkäse an sich ist ein Topos, der schnell auserzählt ist.
MoX: Es gibt weitere Neuerungen: Papa Franz soll fortan nicht mehr zwischen Jungen und Mädchen unterscheiden. Wird der Eberhofer jetzt woke?
Bezzel: Ja, das muss der Eberhofer lernen. Aber er bemüht sich. Dazu lernen hat schließlich noch niemandem geschadet.
MoX: Dies ist der zehnte Film mit derselben Besetzung. Damit sind „Winnetou“ und „Edgar Wallace“ geschlagen, die bislang mit je neun Filmen Rekordhalter waren. Worin liegt das Erfolgsgeheimnis des Eberhofer-Universums?
Bezzel: Das Publikum mag ganz einfach den Mikrokosmos dieses Kaffs. Für mich ist es ein bisschen die analoge Konterrevolution. Hier ist nicht alles perfekt und durchgestylt wie in der Großstadt, wo alles gleich und langweilig aussieht. Niederkaltenkirchen ist weit entfernt von der KI und hat seine Individualität bewahrt. Und die Bewohner sind Figuren, die zu ihren Fehlern stehen, beziehungsweise sogar teilweise stolz darauf sind. Ich glaube, das mögen die Leute gern. Nicht zuletzt sind es verlässlich starke Drehbücher. Es ist eine Freude, so etwas zu spielen, weil es handwerklich gut geschrieben ist.
MoX: Inwiefern wird Routine zum Feind von Franz?
Bezzel: Natürlich sind mir die Figuren und die Kollegen sehr vertraut. Aber das war beim „Tatort“ oder bei „Abschnitt 40“ ganz ähnlich. Für mich ist es ein großes Geschenk, weil man relativ schnell und direkt anfangen kann. Eine Gefahr liegt lediglich darin, dass man sich so gern hat und gegenseitig lobt, dass man irgendwann nachgiebig wird und den Biss verliert.
Deswegen braucht man immer wieder neue Impulse. Was in der amerikanischen Politik immer weniger funktioniert, das klappt beim Eberhofer-Set noch: nämlich Checks and Balances.
MoX: Gibt es Punkte, über die Sie mit Ihrem Partner Simon Schwarz streiten? Sie machen ja zudem noch die Doku-Serie „Bezzel & Schwarz – Die Grenzgänger“ für den Bayerischen Rundfunk.
Bezzel: Simon und ich mögen uns sehr gern, und wir haben entschieden: Wenn wir zusammen sind, wollen wir nicht, dass unser Leben stressig ist. Bevor es nervig wird, würden wir beide eher abtauchen – aber diese Situation gab es bei uns noch nie.
MoX: Wird der Eberhofer zum Fluch, wenn man im Urlaub in Thailand von Fans angesprochen wird?
Bezzel: Keineswegs, diese Geschichte aus dem Urlaub erzähle ich immer gerne. Richtig stark wäre es allerdings gewesen, wenn es sich um zwei Einheimische gehandelt hätte. Es war aber ein Pärchen aus Dingolfing, wo wir während der Dreharbeiten wohnen. Für mich ist es ein schönes Beispiel dafür, dass die Sache sehr viel größer geworden ist, als wir uns das jemals vorstellen konnten.
MoX: Gibt es die Angst, dass Eberhofer einmal von KI übernommen wird?

Bezzel: Ich glaube nicht. Als das Kino erfunden wurde, hieß es, das Theater werde aussterben. Als das Fernsehen erfunden wurde, hieß es, das Kino werde aussterben. Es gibt beide Kunstformen noch – und das durchaus erfolgreich. Ich glaube, das Publikum möchte echte Geschichten von richtigen Menschen sehen, da ist KI aktuell noch keine echte Konkurrenz. Angst macht mir KI jedoch, wenn es um Sprecherjobs und Synchronisation geht. Wenn das alles immer mehr von KI übernommen wird, gehen ganze Existenzen verloren. Ich selbst arbeite sehr gerne als Sprecher, ob für Podcasts oder Hörbücher. Und ich höre mir Podcasts auch mit großem Vergnügen an, etwa die von Bayern 2. Da werden durch die Bank großartige Sprecher eingesetzt. Wenn diese Sprechkultur mit ihren wunderbaren, echten Stimmen einfach durch KI ersetzt wird, wäre das schon extrem schade.

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