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Buch-Tipps
„Herr Lehmann“ von Sven Regener12.08.2026
Interview & Foto: Thea Drexhage
MoX: Wovon handelt das Buch?
Jutta Schober-Stockmann: Es geht um Frank, einen jungen Mann um die 29 Jahre und seine Zeit in Berlin kurz vor der Wende. Frank lebt einfach so vor sich hin. Er ist jemand, der gar keinen Plan hat. Er arbeitet in einer Kneipe, hat alles mögliche mal probiert. Seine Eltern finden das nicht toll, aber diese hält er sich auch so gut wie möglich vom Leib. Dafür begegnet der Leser vielen seiner Freunde aus der Kneipenszene. Das Buch hangelt sich von Situation zu Situation ohne einen festen Handlungsstrang zu verfolgen. Eine schöne Begebenheit war beispielsweise die mit dem Hund. In der Nacht begegnet er auf dem Heimweg in seinem Kiez einem Hund. Dieser will ihn einfach nicht vorbeilassen. Es gibt dann eine laute und zeitgleich stille Zwiesprache zwischen den beiden und am Ende ist es so, dass die Polizei kommt und ihn für so einen verlodderten Obdachlosen hält, der auf der Straße rumlungert und überhaupt nicht sieht, dass er versucht, sich vor den vermeintlichen Gefahren dieses Hundes zu retten. Der Roman endet mit der Öffnung der Grenzen in Ostberlin, wo alle aufgeregt durch die Gegend rennen und selbst das lässt unseren Herrn Lehmann ziemlich unbeeindruckt.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Jutta Schober-Stockmann: Ganz verschiedene Aspekte. Ich mag den Humor sehr. Zudem ist Sven Regener Jahrgang 1961, wie ich und es mag sein, dass mir deshalb bestimmte Formulierungen und Sichtweisen der Welt familiär vorkommen und ich das Gefühl habe, da auch viele Dinge in mir wiederzufinden. Nur, dass ich mein Leben so gelebt habe, wie meine Eltern mich im Rheinland damals sozialisiert haben und ich daher deutlich planmäßiger durch mein Leben gegangen bin und die Dinge, die Herr Lehman durchlebt, eher gemieden habe. Ich finde es erfrischend, dass da jemand auch ziemlich gut für sich leben kann, ohne so strikt zu sein und das mit Humor nimmt, auch mit einem gewissen Phlegma, aber das ist ja auch nicht verkehrt.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Jutta Schober-Stockmann: Auf jeden Fall Junggebliebenen 61ern (lacht). Ich hab es auch meiner Kindergeneration empfohlen, also Menschen, die um die 30 sind. Da es auch ein Dokument der damaligen Zeit ist und so viele Situationen sehr schön unprätentiös beschrieben werden.
MoX: Wie haben Sie das Buch gelesen?
Jutta Schober-Stockmann:Ich habe das Buch vor 18 Jahren bereits gelesen und war jetzt auf einer Reise, auf der ich mich mit einer Dame unterhalten hat, die meinte: Du kommst doch aus Bremen, da kommt doch auch der Sven Regener her. Der bringt bald ein neues Buch raus. Und das war dann für mich ein konkreter Anlass mir dieses Buch noch einmal neu zu kaufen. Ich bin auch auf das neue Buch gespannt und wie sich das Wording eines Sven Regeners in 25 Jahren verändert hat.












