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„Nicht“ von Dror Mishani22.07.2026



Interview & Foto: Thea Drexhage

[font=Bembo]Insgesamt hat er somit nur wenig Perspektive. In dieser Situation lernt er auf einer Party von Freunden Lia kennen. Sie ist Cellistin in einem Kammerquartett und wurde gerade verlassen von ihrem Partner. Beide begegnen sich eher vorsichtig, mögen sich aber von Anfang an sehr gern. Eli muss sich allerdings diese wachsende Liebe zu Lia teilen mit einem Hund. Dieser spielt eine sehr wichtige Rolle in ihrem Leben. Sie nennt ihn ihren „Augenstern“. Schwerer als die Beziehung zu Lia ist es für Eli, die Beziehung zu diesem Hund aufzubauen. Aber sie ist wichtig, daher ist er sehr bemüht darum. Es gelingt ihm letztlich, sich mit dem Hund zu verstehen. Nun kommt es aber zu einer Situation, in der Lia ein paar Tage nach Wien fahren muss und ihm die Betreuung des Hundes überlässt, was er eher widerwillig annimmt. Doch er macht es aus Liebe zu ihr. Wie es kommen muss entwickelt sich daraus eine Katastrophe, zu der ich nicht zu viel verraten möchte. Aus dieser Katastrophe heraus entsteht dann ein großes Lügengeflecht und man kann gar nicht glauben, warum er diese Lüge in die Welt setzt, aber er tut es eben... Es folgt nun eine fast kriminalistische Handlung, wie er versucht, aus dieser Lüge herauszukommen, die immer wieder Folgen kompliziertester Art nach sich zieht.[/font][font=Bembo] [/font]
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Marita Zellerhoff-Kempen: Das Buch ist auf seine eigene Art sehr spannend. Man wird vom ersten bis zum letzten Wort gepackt. Für mich ist interessant, dass es kein Krimi ist, aber doch angelegt ist wie einer. Das macht das Buch besonders lesenswert.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Marita Zellerhoff-Kempen: Ich kann eher sagen, wem ich es nicht empfehlen würde. Es ist nicht für Fans von rasanten Actionthrillern geeignet, denn es ist eher Entschleunigung als Action. Es findet teils eine quälend langsame Entwicklung der Handlung statt. Liebhaber von klassischer Ermittlungsarbeit sind hier auch nicht gut aufgehoben. Mishanis Helden sind eher Antihelden und sehr mit sich am hadern. Leser die eine klare moralische Grenze brauchen, sind hier auch nicht gut aufgehoben, denn die setzt der Autor nicht. Man muss sich selbst sehr damit auseinandersetzen und sich eine eigene Meinung zu den Protagonisten bilden. Für ungeduldige Leser ist es auch nichts, da er seiner Geschichte sehr viel Zeit und Ruhe gibt.
MoX: Wie haben Sie das Buch gelesen?
Marita Zellerhoff-Kempen: Für mich ist es der zweite belletristische Roman, den ich in der gebundenen Ausgabe gelesen habe. Aufmerksam geworden bin ich darauf, weil ich fast alle Neuerscheinungen aus dem Diogenes Verlag gern lesen mag, aber auch, weil mich sein Roman „Drei“ schon sehr fasziniert hat in 2018 als es erschienen ist. Das war von der Struktur sehr ähnlich.
MoX: Was wissen Sie über den Autor?
Marita Zellerhoff-Kempen: Dror Mishani ist ein israelischer Autor, der eigentlich viele Kriminalromane schreibt, darunter auch eine Reihe mit dem Detektiv Avi Avraham. Er lebt in Tel Aviv und arbeitet als Übersetzer und Literaturdozent. „Nicht“ ist sein sechster Roman und im April 2026 im Diogenes Verlag erschienen.

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