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Erfrischend anders22.07.2026
Text und Fotos: Britta Lübbers
[font=Bembo]Es ist eine Gute-Laune-Offensive keramischer Kunst. Hinter der spielerischen Leichtigkeit, die die Schau im historischen Gemäuer ausstrahlt, wird aber auch das Handwerkskönnen der Bildhauerin sichtbar. Mit der Vergabe des diesjährigen Förderpreises „Keramik im Pulverturm“ an Maya Fenderl wurde erneut eine Kunstschaffende ausgezeichnet, die mit Professionalität und Phantasie gleichermaßen zu punkten versteht.[/font][font=Bembo] [/font]
Der trutzige Pulverturm aus dem 16. Jahrhundert, der einst als Lagerstätte für Schießpulver diente, bildet den perfekten Rahmen für die irdenen Gefäße. Einige Objekte hat Maya Fenderl in die steinernen Nischen gestellt, wo sie ein Eigenleben zu entwickeln scheinen. Man kann sich gut vorstellen, wie der „Lobster“ – eine Stachelskulptur in Hummerrot – nachts, wenn die Gäste fort sind, seine Tentakel ausfährt, wie dann die Kykladen-weiß schimmernde Figur „Summer in Greece“ sich nach griechischen Stränden sehnt und dass „Bird“ – ein farbiges Wesen aus Platin und Ton – sich zur Mauerdecke aufschwingt, wenn niemand mehr da ist, der hinsieht.
„Maya Fenderl verwandelt den Pulverturm mit ihren phantastischen Keramiken in einen exotischen Ort“, sagt Kuratorin Dr. Sabine Isensee. „Leuchtende Glasuren, die an den Expressionismus erinnern, markante Ornamente, die gewagte Formen umspielen und eine Prise Absurdität, die Ambivalenz aufzeigt, machen die besondere Raffinesse ihrer Werke aus.“
Ein wilder Mix
Ihre Formensprache entwickle sich in einem Zusammenspiel aus Intuition, handwerklicher Erfahrung und gestalterischer Spielfreude, beschreibt die Künstlerin selbst ihr Vorgehen. Es sei ein Spiel mit natürlichen Formen und technischen Konstruktionen. „Die Farbe wird dabei mit ihrem hohen affektiven Potenzial zum Träger meiner plastischen Erzählung.“ So entsteht ein wilder Mix aus runden, eckigen, spitzen und amorphen Formen. Da wächst aus einem bunt gestreiften Viereck etwas Verschlungenes hervor, das an Kautschuk oder Knetmasse erinnert. Da stülpt der „Observer“ sein Auge (oder sein Ohr?) in den Raum und wendet sein Inneres nach außen. Da strahlt „Tutti Frutti“, als wäre es ein schriller Fruchtcocktail. Blütenkelche öffnen sich wie Vasen, Tentakel greifen um sich – alles scheint in Bewegung, herrlich schillernd und bunt.
Maya Fenderl wurde 1990 in Possenhofen geboren. Nach einem Studium der Italianistik und Kunstpädagogik in München begann sie 2014 eine Tischlerlehre in Berchtesgaden, von 2017 bis 2024 studierte sie freie Kunst und Keramik in Halle. Sie war mit ihrem Werken vielfach in nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen, u.a. in Leipzig, Hamburg, Dresden und Brüssel. 2024 erhielt sie den Bayerischen Staatspreis für Gestaltung München und das Stipendium „Young Talents“ des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg. Maya Fenderl lebt und arbeitet in Frielendorf, Hessen.
Der Förderpreis „Keramik im Pulverturm“ wird von der Stadt Oldenburg vergeben. Der Preis wird seit 1996 verliehen und gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für künstlerische Keramik in Norddeutschland. Gewürdigt werden innovative Positionen in der keramischen Kunstszene. Maya Fenderls „Exoten“ sind genau das – innovativ und anders. Die Ausstellung im Pulverturm ist noch bis zum 30. August zu sehen.
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