LzOLzO
OLDENBURG
Donnerstag

27

August

Foto:
Gärten in der Innenstadt

Hier geht es zu den aktuellen Ausgaben

Suche:

direkte Antwort ohne Umwege!

Kleinanzeigen

Aktuelles

Warum haben sie so viel Macht?26.08.2026



Text und Foto: Britta Lübbers

[font=Bembo]Es untersucht „die Wurzeln und die dynamische Entwicklung der Bewegung im digitalen Raum“. Ein Team um die Philosophin Prof. Dr. Anna-Verena Nosthoff und den Politikwissenschaftler Prof. Dr. Marius Sältzer wendet dabei eine neue Methode an. Die Mitwirkenden verknüpfen theoretische Analysen mit einer empirischen Untersuchung von Online-Medien und Online-Foren. Das Projekt wird von der Volkswagen-Stiftung für 18 Monate mit 300.000 Euro unterstützt. Nosthoff und Sältzer möchten herausfinden, wie sich die wichtigsten ideologischen Strömungen der als „Tech Right“ oder „Techno-Faschisten“ bezeichneten Gruppe gebildet haben und wie es ihren Protagonisten gelungen ist, ihre extremistischen Vorstellungen zu normalisieren und Einfluss auf die reale Welt zu nehmen.[/font][font=Bembo] [/font]
Der wissenschaftliche Ansatz ist neu, das Thema ist es nicht.
Die Büchse der Pandora
Die Büchse der Pandora werde dann geöffnet, wenn die Tech-Eliten das faschistoide Potenzial der digitalen Möglichkeiten nutzen, mahnt zum Beispiel Rainer Mühlhoff in seinem Buch „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“. Ein politisches Regime, dem es auf die Diskriminierung und Verfolgung bestimmter Gruppen ankomme, könne praktisch ungebremst agieren, wenn es die IT-Industrie auf seiner Seite wisse. „Die Datensätze digitaler Plattformen umfassen detaillierteste Informationen über die meisten Bürgerinnen und Bürger“, betont Rainer Mühlhoff. Die digitale Welt wird praktisch ungebremst gefüttert – auch durch uns selbst. Wir sind es, „die diese Informationen tagtäglich freiwillig in die Systeme einspeisen“, so Mühlhoff.
Auch der Ökonom und Politikberater Marcel Fratzscher warnt vor der gefährlichen Ideologie der Tech-Giganten. „Sie zielt bewusst auf die Ablösung der liberalen Demokratie durch ein autoritäres Machtsystem ab“, schreibt er auf ZDF-Online und verweist auf den Tech-Milliardär Peter Thiel, der offen sagt, wofür er steht: „Freiheit und Demokratie sind unvereinbar“. Demokratie sei etwas für Loser.
Tech-Milliardäre teilen problematische Wertvorstellungen und streben nach absoluter Einflussnahme. Eine Handvoll Datenunternehmen konzentriert einen so großen Teil des Internetverkehrs, dass sie politische Debatten und Wahlen beeinflussen. So verfügt beispielsweise der Kreml über eine hochgerüstete Streitmacht – die „Kreml-Bots“ oder „Troll-Armee“. Gemeint sind automatisierte Programme und verdeckte Netzwerke im Internet, die im Auftrag der russischen Regierung die öffentliche Meinung manipulieren, Falschinformationen streuen und Demokratien im Westen destabilisieren sollen. Auch legal können sich Demokratie-Gefährder die digitale Technik zu Nutze machen. Die AfD gilt als der Reichweiten-Champion unter den Parteien und ist auf allen relevanten Social-Media-Plattformen aktiv. Mit einzelnen Beiträgen ist sie in der Lage, ein Millionenpublikum anzusprechen.
Teilhabe statt Macht
Wie aber konnte sich der Tech-Autoritarismus derart rasant entwickeln? Das wollen Anna-Verena Nosthoff und Marius Sältzer in ihrem Projekt zu „Tech Right“ herausfinden. Die Forschenden kombinieren dafür verschiedene Herangehensweisen, etwa aus politischer Theorie, Ideologie-Theorie und empirischen Sozialwissenschaften. Um aufzuzeigen, wie sich die Tech-Ideologien in digitalen Räumen verbreitet haben, planen sie, große Textmengen von Onlineplattformen wie Reddit, 4chan, Telegram oder X teilautomatisch mit Hilfe von Large Language Models zu interpretieren. „Da Online-Textquellen Kommentare, Zitate und Links enthalten, können wir durch diesen Ansatz Netzwerkstrukturen und ideologische Querverbindungen aufdecken“, erklärt Marius Sältzer.
Parallel dazu gehen sie der Frage nach, wie digitale Infrastrukturen so gestaltet werden können, dass sie die Demokratie fördern, statt sie zu gefährden. „Technologien bestimmen zunehmend, wie wir kommunizieren, uns organisieren und politisch handeln – häufig jedoch ohne demokratische Kontrolle“, erläutert Anna-Verena Nosthoff. Ziel des internationalen Projekt-Teams ist es, Alternativen zu den intransparenten Technologien zu entwerfen, die von wenigen privaten Unternehmen gesteuert werden. Die Forschenden planen, Ideen für öffentliche digitale Werkzeuge und Beteiligungsformate zu entwickeln sowie Handlungsempfehlungen für die Politik zu erarbeiten. „Wir wollen herausfinden, wie sich digitale Infrastrukturen von Machtinstrumenten in Orte der demokratischen Teilhabe verwandeln lassen“, erklärt Projektsprecher Marius Sältzer.

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Um hier Kommentare abgeben zu können müssen Sie sich erst Anmelden!

Benutzername:     Passwort:    

Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben oder Sie sich registrieren wollen Klicken Sie bitte hier.


Sonderseiten
EXB Handwerk
Kostbar