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Tonträger aller Art
MoX Soundcheck KW3312.08.2026
Texte: Horst E. Wegener
Mina Richman: DIFFERENT FLAVOURS OF BEING HAPPY (VÖ: 14.8.)
Das Jahr 2022 machte die seinerzeit in Bielefeld ihr Lehramtsstudium meisternde Deutsch-Iranerin Mina Schelpmeier alias Mina Richman weithin bekannt: Zunächst durch ihre Debüt-EP „Jaywalker“, die der musikalisch vielseitigen Newcomerin die Corona-Pandemie-bedingte Isolationsphase nicht nur erträglicher gestaltet hatte, sondern ihr dank der folkrockigen Mucke eine Nominierung für den PopNRW-Preis einbrachte. Als dann im Herbst in der einstigen Heimat ihrer Eltern der Tod von Kopftuchverweigerin Jina Mahsa Amini zu beklagen war und Massenproteste auslöste, steuerte Mina mit „Baba said“ dem international hochköchelnden Kampf für Freiheit und Menschenrechte den perfekten Solidaritätssong bei. Leider zeigt sich die Welt seither nirgendwo befriedeter, weshalb die in Berlin geborene Vollblutmusikerin nach dem nach „Jaywalker“ 2024 folgenden Debütalbum „Grown up“ die Lage jetzt erneut analysierend die Erkenntnis vertritt: Statt fortwährend schwarz zu sehen, wende man sich besser dem Glück zu und dekliniere es durch. Auch deshalb kommen die „Different…“-Tracks mal verspielt soulig, mal rockig rüber – und über allem schwebt stets Minas unverwechselbare Gesangsstimme.
James Ellis Ford: LOST IN ANOTHER WORLD (VÖ: 14.8.)
Der Brite könnte uns ein Begriff sein als Mitbegründer der Indierock-Band Simian anno 2001 sowie nach deren Auflösung ´05 als Teil des Elektroduos Simian Mobile Disco. Darüber hinaus machte sich das Multitalent einen Namen als Produzent, der bei Alben der Arctic Monkeys, von Florence and the Machine hin zu Depeche Mode gern mit ins Boot geholt wurde. Anknüpfend an sein erstes Soloalbum „The Hum“ legt Ford jetzt ein extrem persönliches Werk vor: Ausgehend von der Diagnose akute Leukämie, Überlebenschance 30 Prozent, widersetzte sich der ins Krankenhausbett verbannte Todeskandidat der niederschmetternden Arztprognose, indem er mithilfe von Laptop, Synthesizern und Mikro die Chemotherapie durchstand. So duster und intim die “Lost…”-Texte ausfallen, eingebettet werden sie in optimistisch stimmende Pop-Melodien, die uns Licht am Ende des Tunnels in Aussicht stellen.
Mark Medlock: BACK INTO THE SUN (VÖ: 14.8.)
Seit seinem Sieg bei DSDS 2007, gefolgt von Hits wie “Now or Never“, „You can get it“ und weiteren Chartrennern – mal mit, mal ohne die Unterstützung des Pop-Titan Dieter Bohlen – hat das 1978 in Frankfurt am Main geborene Gesangstalent eine jahrzehntelang währende Achterbahnfahrt durch Höhen und Tiefen einer beispiellosen Karriere inklusive Auszeiten und Comeback-Bemühungen durchlebt. Nach einer längeren kreativen Pause will es Stehaufmännchen Medlock jetzt doch noch einmal wissen – und startet mit „Back…“ durch, einer sommerlichen Feelgood-Produktion, deren dance-affine Latin-Vibes einen im im Nu ins Ohr gehen und für allerbeste Urlaubsstimmung sorgen.
Fabian Kuhn: ALL WE´VE EVER BEEN (VÖ: 21.8.)
Aufgewachsen in einem Kaff in der Voreifel schrieb Fabian Kuhn zwar sehr früh eigene Songs, ließ sich trotzdem zunächst auf eine Ausbildung zum Bankkaufmann ein. Den Abschluss in der Tasche schlug er dann aber den Weg eines Singer-Songwriters ein. In der neuen Wahlheimat Köln greift der Ex-Provinzler in seinen Texten seither bewusst auf Erfahrungen aus der Kindheit zurück oder er thematisiert sogar den Verlust von Angehörigen an Alzheimer. Verpackt werden diese intimen Beobachtungen mit so viel Talent und Sensibilität in Folk- und Americana-affine Popsongs, dass es dafür schon 2024 eine PopNRW-Musikpreis-Nominierung nebst Kritikerlob und Einladungen zu etlichen Festivals gab, und Kuhn jetzt sogar dazu veranlasste, sein Debütalbum „All…“ im Eigenverlag zu produzieren. Die Songs zwischen Melancholie und Aufbruch sind es definitiv wert, gehört zu werden.
Daily Thompson: GLUE (VÖ: 21.8.)
Daily Thompson entsprechen dem Malocher-Image des Ruhrpottlers schon allein dadurch, dass die Dortmunder seit ihrer Gründung anno 2013 unermüdlich touren oder Alben produzieren mochten. Auf Radio- oder Spotify-gängige Formate hat man dabei noch nie geachtet, weshalb Stücke gern mal die Grenze von sechs, sieben oder acht Minuten Spielzeit überschreiten. Beim Berliner Indie-Label Noisolution dürfen sich die Grunge-Verehrer mit diesem Arbeitsethos bereits seit 2020 mehr als willkommen fühlen. Wie schon fürs Vorgänger-Album sind Daily Thompson für „Glue“ erneut in die USA gereist, um sich unweit von Seattle wie entfernte Verwandte von Nirwana und Co zu fühlen, ein paar Konzerte zu geben, und sich im Tonstudio mit Grunge-Koryphäe Tony Reed ans Einspielen der „Glue“-Tracks zu machen. Das Ergebnis: Ruppige, gleichwohl eingängige Melodien, mitreißende Vocals, treibende Rhythmen – acht überzeugende Songs.
















