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Ich möchte, dass alle glücklich sind12.08.2026



Interview: Olaf Neumann

MoX: [font=Bembo]Mr. Gouldman, wie sind Sie zu einem erfolgreichen Songwriter geworden?[/font][font=Bembo] [/font]
Gouldman: Als ich etwa sieben oder acht Jahre alt war, habe ich die Musik für mich entdeckt und mich in sie verliebt. Ich hatte das Glück, Mitte der 1940er Jahre geboren zu werden. Als ich etwa 12 oder 13 war, hörte ich viel Musik aus Amerika – von Little Richard, Chuck Berry, den Everly Brothers, Buddy Holly, Eddie Cochran. Dann kam die Skiffle-Ära auf, eine Art Country-Folk-Musik hier in England. Später waren Cliff Richard und die Shadows sehr groß, und wir alle wollten eine Fender Stratocaster besitzen. Aber die Beatles waren das Wichtigste, was mir je passiert ist.
MoX:Warum?
Gouldman: Weil sie plötzlich Songs schrieben, die irgendwie wie aus einer anderen Welt wirkten. Natürlich waren sie auch Teil der gesellschaftlichen Revolution. Plötzlich waren wir keine Abbilder unserer Eltern mehr. Wir waren Individuen, und Musik war ein sehr wichtiger Teil davon.
MoX: Sind Sie hingegangen, um die Beatles live zu sehen?
Gouldman: Ja, ich hatte das Glück, sie live zu erleben. In Manchester wurde extra für sie ein Festzelt aufgebaut. Ich erinnere mich, dass ich ganz vorne stand. Die Beatles waren eine großartige Live-Band mit einer fantastischen Energie. Sie gaben einfach alles, was brillant war. Sie haben mich inspiriert zu schreiben, zu spielen, zu produzieren – einfach das ganze Paket. Ich glaube nicht, dass wir so etwas noch einmal erleben werden, selbst wenn sich die Sterne zu unseren Gunsten ausrichten sollten.
MoX: Haben Sie Paul McCartneys neues Album gehört?
Gouldman: Was ich davon bereits gehört habe, ist gut. Es gibt einen Song, der mir nicht aus dem Kopf geht. Einer, den er mit Ringo aufgenommen hat – ich glaube, er heißt „Home to us" und hat mich nicht losgelassen. Ich werde Paul nächste Woche sehen. Er hält einen Vortrag im Roundhouse in London.
MoX: Paul McCartney hat 1995 am bislang letzten 10cc-Album „Mirror Mirror" mitgearbeitet.
Gouldman: Ich war nicht direkt in diese Sache eingebunden. Er arbeitete vor allem mit meinem Bandkollegen Eric Stewart zusammen. Als wir jedoch das 10cc-Album „Sheet Music" einspielten, nahm Paul abends ebenfalls ein Album in unserem Studio auf. Wir feilten tagsüber an unserer Platte, und er kam später am Tag vorbei, um mit seinem Bruder Mike McCartney an einem Soloalbum zu arbeiten. So kreuzten sich unsere Wege, und wir haben in dieser Zeit viel Zeit miteinander verbracht.
MoX: Und wie ist es, mit Ringo Starr in einer Band zu spielen?
Gouldman: Fantastisch! Ich habe einen Song darüber geschrieben, der „Standing Next to Me" heißt, weil ich es einfach nicht fassen konnte. Er handelt von meiner Zeit mit Ringo & His All-Starr Band und ist auf meinem Soloalbum „Modesty Forbids" von 2020 zu finden. Ich konnte es nicht fassen, neben einem Mitglied der Beatles zu stehen. Es hatte etwas sehr Surreales. Ich hatte vor Kurzem einen runden Geburtstag, und Ringo hat mir eine sehr nette Videobotschaft geschickt. Außerdem hat er auf zwei Titeln meiner Soloalben mitgespielt. Wir bleiben in Kontakt.
MoX: Vor Jahren gab es die Diskussion, ob Ringo Starr ein großartiger Schlagzeuger ist oder nicht. Was denken Sie?
Gouldman: Da gibt es keine Diskussion: Ringo ist einer der einflussreichsten Schlagzeuger aller Zeiten – weil er so anders ist. Hören Sie sich ihn einfach mal an. Er ist fantastisch! Die Arrangements, die er sich etwa für den Beatles-Song „Tomorrow Never Knows" überlegt hat – wer sonst hätte sich diesen Schlagzeugpart ausdenken können? Er war Teil der großartigsten Band, die es je gab. Es gibt andere Schlagzeug-Größen wie Steve Gadd, aber Ringo gehört ganz nach oben. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit auch mit Queen-Gitarrist Brian May zusammengearbeitet. Wir haben gemeinsam ein Konzert in Armenien gegeben, beim Starmus-Festival. Ich stand am Rand der Bühne und sah Brian May zu, wie er mit verschiedenen Künstlern spielte – voller Bewunderung für seine Vielseitigkeit. Er war wie Jeff Beck: einer der ganz Großen.
MoX: Für die Yardbirds schrieben Sie 1965 den Song „For Your Love", der deren größter Hit werden sollte. Eric Clapton spielte darauf die Leadgitarre. Wie haben Sie es geschafft, Ihren Song an diese legendäre Band zu bringen?
Gouldman: Das lief über einen Verleger in London. Die Yardbirds spielten gerade eine Reihe von Konzerten mit den Beatles in London, und der Verleger wusste, dass sie nach Material von außerhalb suchten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie eher Rhythm-and-Blues-Standards aufgenommen, aber sie wollten kommerziellen Erfolg und suchten deshalb nach Songs von außen. Ihnen gefiel „For Your Love", und sie nahmen es auf.
MoX: Hat es Ihnen gefallen, was Eric Clapton aus Ihrem Song gemacht hat?
Gouldman: Ich fand es toll. Es war gar nicht so weit von dem Demo entfernt, das ich aufgenommen hatte. Der größte Unterschied war das Cembalo – es war reiner Zufall, dass das Instrument gerade im Studio stand. Sonst hätten die Yardbirds es wohl auf dem Klavier oder der Orgel eingespielt. Es gab viele solche glücklichen Zufälle bei der Entstehung dieser Platte.
MoX: Clapton soll die Yardbirds verlassen haben, weil „For Your Love" aus seiner Sicht zu wenig Bluesrock war. Hat er das damals zu Ihnen gesagt?
Gouldman: Das habe ich gehört. Ich weiß nicht, ob es speziell dieser Song war, aber es ist Tatsache, dass sie kommerziellen Erfolg wollten. Und Clapton mochte meinen Song nicht. Er war damals ein Purist.
MoX: 1981 bekamen Sie den Auftrag, die legendäre Punkband Ramones zu produzieren. Fanden Sie diese Idee sofort reizvoll?
Gouldman: Nein, ich fand es zunächst lächerlich. Die erste Frage war: Warum ich? Denn 10cc und die Ramones sind ziemlich gegensätzlich. Ich glaube, es hatte eher mit den Songs zu tun, die ich in den 60ern geschrieben habe. Die Ramones waren Fans der British Invasion – der Rolling Stones, der Beatles, der Kinks, der Animals. All diese Bands, die in Amerika sehr groß waren, das war eine Verbindung. Aber ich war immer noch skeptisch und sagte: „Lasst uns einfach zwei oder drei Stücke aufnehmen und sehen, wie es läuft." Und es gefiel ihnen. Also haben wir das Album fertiggestellt.
MoX: Punk wird dieses Jahr 50. Wie haben Sie die Anfänge dieser Kulturrevolution in London erlebt?

Gouldman: Punk hat viele Bands wie 10cc beeinflusst, da wir damals sehr komplizierte Musik mit wunderschönen Akkordfolgen machten – sozusagen das Gegenteil von Punk. Dann kam dieser neue Sound und hat alles weggefegt. Na ja, nicht alles – aber es war sowohl ein kultureller als auch ein musikalischer Wandel. So ist das Leben: Dinge passieren, Dinge ändern sich.
Bild: 100ccLA

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