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„Ein Ort für Kunstfreiheit“12.08.2026





Text und Fotos: Thea Drexhage

[font=Bembo]Ohne direkte Verursacher zu nennen oder zu tief in diese umfangreiche Materie einzudringen, betont er, dass auf den Bühnen des kleinen Festivals an der Nordsee die Kunstfreiheit oberstes Gebot ist. Die Künstler*innen an diesem Wochenende haben auf jeden Fall viel zu sagen. Besonders das Patriarchat bekommt dabei sowohl von männlichen als auch weiblichen Acts ordentlich eins auf den Deckel. Die Zeiten ändern sich: Flinta*-Moshpits statt Testosteronparty. Bereits der Opener Das Lumpenpack schlägt tief in diese Kerbe. Die satirische Pop-Punkband aus Süddeutschland ist ein gern gesehener Gast in Dangast und macht bereits zu so früher Stunde den Platz gut voll, ein kurzer Regenschauer samt Einlassstopp vermögen es kaum, den Auftritt zu trüben. Der Grundstein für drei Tage voller Musik ist gelegt und auch die Sonne lässt sich von nun an kontinuierlich blicken. Musikalisch war das Watt En Schlick schon immer ein Event für wahre Musikliebhaber*innen, die keine Angst davor haben, sich auch neuen Genres hinzugeben, doch in diesem Jahr wird dieses Konzept auf die Spitze getrieben. Auf jeder der fünf Bühnen warten regelmäßig sehr spezielle Überraschungen, oftmals von hoher musikalischer Qualität, aber eher geringerer Bekanntheit. Dieses Programm steht diesmal stark im Kontrast zum Watt En Schlick als Familienfestival. Schon immer zog das Event Tausende aus der Region an und bot in der Vergangenheit einen ausgewogenen Mix aus Mainstream und musikalischen Geheimtipps. Der Mainstream kam 2026 hingegen etwas zu kurz. Besonders das Programm auf der Hauptbühne konnte tagsüber nicht immer vollends überzeugen. Wirklich voll wurde es nur bei den bekannten Namen wie Giant Rooks, Von Wegen Lisbeth und Meute. Die fetten Parties spielten sich eher an den Rändern, vor allem vor der Palettenbühne, ab. Diese erschien in neuem Glanz und wurde wie immer von Multitalent Flowin Immo eröffnet. Der Vorteil bei so einem Festival mit vielen unbekannteren Namen ist es, dass man sich einfach von Bühne zu Bühne treiben lassen kann, bis etwas gefällt. Lediglich die Main Stage wird wie immer konkurrenzlos bespielt. Dort geht es erst mit Jassin, später mit Disarstar eher raplastig zur Sache. Beide haben wichtige Dinge zu sagen, über die gesellschaftlichen Unannehmlichkeiten in Ostdeutschland, über Kriege, über die Regierung, aber sind musikalisch[/font][font=Bembo]  [/font][font=Bembo]nicht zwingend jedermanns Sache. Auf den kleineren Bühnen muss man sich indes stetig entscheiden. Wenn man dem experimentellen Pianisten Martin Kohlstedt lauschen möchte, verpasst man Multikulti-Rapperin Tracy De Sá, die vor der Palette eine Stimmung entfacht, wie sie an diesem Wochenende nur selten zu beobachten ist. Auch am Samstag zieht sich dieses Muster fort. Die einzige Ausnahme auf der Hauptbühne: Alizade. Die aserbaidschanische Musikerin gibt sich als Girlboss, verankert sich irgendwo zwischen Ikkimel und Paris Hilton und schafft es musikalisch wahrlich nicht, die Menge abzuholen, aber irgendwie ist das Geschehen auf der Bühne so absurd, dass man es doch anschauen muss. Die richtige Party steigt wieder vor der Palette mit Noah Kraus, der sowohl bei den Kids als auch bei den Erwachsenen einen Stein im Brett hat. Viele könnten ihn noch als (Kinder-)Schauspieler kennen, andere durch seine Coverversion des Wir-Sind-Helden-Klassikers „Nur ein Wort“. Später veranlasst Leona Jacewska in echter Berlin-Manier einen kleinen Rave im Sand. Der Samstagsheadliner Sébastien Tellier feierte mit seinem avantgardistischen Synthpop die größten Erfolge in den frühen 2000er Jahren, zeigt aber auf der Bühne eindrücklich, dass ihm das Entertainen im Blut liegt und bedient mit Wein und Kippchen in der Hand sowie dem obligatorischen „no?“ nach jedem Satz sämtliche französische Klischees. Ein entspannter Abschluss für den zweiten Festivaltag. Nach der Schlickrutschenweltmeisterschaft geht es am Sonntag mit Jupiter Jones weiter, dem wohl überraschenderweise rockigsten Act an diesem Wochenende auf der Hauptbühne. Im Anschluss liest Aktivistin Luisa Neubauer im brechendvollen Zelt, während auf der Palette die One Rusty Band steppt, im wahrsten Sinne des Wortes. Il Civetto übernehmen die Hauptbühne, passen zwar zum sonnigen Wetter, aber locken auch niemanden so richtig aus der Reserve. Im Zelt singt im darauf hin Marlo Grosshardt und verarbeitet im Prinzip ähnliche Themen wie Luisa Neubauer zuvor. Gleichzeitig spielt auf der Palette mit Lynx IRL ein weiteres Festivalhighlight. Die französische Rapperin springt zwischen verschiedenen Genres hin und her und reißt das Publikum im Handumdrehen mit. Der Rest des Tages wird sehr gemütlich. Derya Yıldırım & Grup [/font]Ş[font=Bembo]im[/font]ş[font=Bembo]ek leistet auf der Hauptbühne zwar einen wichtigen Beitrag zur interkulturellen Verständigung, doch stellt für viele, die die Zeit zum (Sonnen)-baden nutzen, nur eine Hintergrundbeschallung dar. Ähnlich verhält es sich im später mit Benny Sings, dessen säuselige Songs wirklich kaum Anklang finden und eher dazu animieren, endlich mal eine Kaffeepause einzulegen. Mit Holly Humberstone geht es um 20 Uhr auf der Main Stage weiter. Die britische Sängerin spielt zum goldenen Sonnenuntergang ihre mitreißenden Popsongs. Dass die Gute bereits im Vorprogramm von Taylor Swift spielte, verwundert bei dieser perfekt abgestimmten Produktion kaum. Das Herz des Watt En Schlick bildet wie in jedem Jahr die Flowin Immo Allstar Session auf der Palette, bei welcher alle Musiker*innen zum Mitwirken eingeladen werden, aber auch unzählige Crewmitglieder Platz hinter den Instrumenten nehmen dürfen und so etwas mehr Sichtbarkeit bekommen. Hier wird mitgesungen, sich in den Armen gelegen und das Wochenende Revue passieren lassen. Hier merkt man, was das Watt En Schlick Fest tatsächlich ausmacht: die Gemeinschaft. Das friedliche Beisammensein. Trotz der ein oder anderen Schwäche im Programm ist es ein Festival, das den Besuch wert ist, auch, wenn der Vorverkauf für 2027 langsamer verläuft, als gewohnt. Noch gibt es einige der sonst so begehrten Tickets.[/font][font=Bembo] [/font]

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