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Das schwarze Klavier08.07.2026
Text: Rüdiger Pannenborg
[font=Bembo]Kurz hinter Ahlhorn sprang ein Rudel Dammhirsche an die Straße, zunächst begleitend, dann plötzlich doch querend. Vollbremsung. Rechts ran. Zittern. Ein nachfolgender Autofahrer erkundigte sich nach seinem Befinden. Er war gerührt. In Oldenburg packten alle mit an. Ein paar Stufen runter, und da stand es dann, einige Wochen. Natürlich klimperte jeder nach eigenem Gusto darauf herum.Warum auch nicht. Damals teilte man sich fast alles.[/font][font=Bembo] [/font]
Und damals gab es auch noch die eine oder andere junge Frau, die mit ihm Räumlichkeiten teilen wollte, zunächst Wohngemeinschaft, und dann – wer wußte das schon immer im Voraus. So begab es sich, daß er von einer Krankenschwester 2 Zimmer in einer großen Altbauwohnung angeboten bekam, ganz in der Nähe und ein wirklicher Aufstieg um 3 Etagen.Natürlich sollte dann auch das schwarze Klavier in die Wohnung. An einem Samstag organisierte er Freunde, um den Akt zu bewerkstelligen. Sie waren zu sechst, das müßte reichen. 2 vorne, 3 hinten, und er ganz oben, zum Dirigieren.
In den Eingang hinein war kein Problem, aber schon in der ersten Kurve wurde es eng. Das Haus war zwar groß, aber das Treppenhaus paßte nicht im Verhältnis dazu. Man hob, verkantete, hob vorne noch höher. Paßte so gerade.
An den Stufen zur Halbetage konnten dann nur noch 2 nebeneinander halten.Sein alter Freund Helmut aus Bremen, verbunden durch gemeinsame Kämpfe gegen Obrigkeiten, geriet mit dem Hintern in den Türrahmen der unteren Wohnung. Ächzen, Stöhnen und wohl auch Ratschen an Wänden, als eben diese Tür einen Spalt aufging und eine erboste Zickenstimme verlauten ließ:
„Was ist denn hier los?Machen Sie bloß keine Kratzer!“ Helmut, schon im Schweiß und mit angekrallten Händen am schwarzen Holz, reagierte, fast erwartbar: „Sie können froh sein, daß ich meine Hände gerade nicht freihabe,“ woraufhin die Tür sich wieder schloss. Stufe für Stufe wurde nach oben gewuchtet. Die Stufen knarrten verdächtig, und auch das hölzerne Geländer benahm sich arg verdächtig. Er stand oben, und je öfter ein Ellenbogen oder Hinternteil ans Geländer bummerte, desto mulmiger wurde ihm.
Sie hatten fast die Hälfte geschafft, standen halbwegs auf dem Absatz zur 2.Kurve. Manfreds Kopf klemmte irgendwie zwischen Wand und klavier. Wieder anheben, diesmal erst vorn, hinten nur noch schieben – aber wohin. Da war kein Platz, um eine verkantete Wendung hinzubekommen. Fluchen, Verzweiflung. Ein letztes mal alle Kräfte mobilisiert – da geriet das Monster mit der Breitseite ans Geländer. Er stand oben und erkannte die Gefahr. „Nicht weiter, nicht weiter!“ Er sah alle 6 mit dem Klavier durchs Treppenhaus stürzen. Panik und Erkenntnis. „You can`‘t always get what you want.“.“Das wird nix. Wir müssen zurück.“ Den Weg immerhin kannten sie. Statt einer Flasche Bier jeder dann drei.
Wohin mit dem Ding? Zur Wohnung gehörte eine Garage. Dort parkten sie das Monstrum. Er setzte sich an die Tasten und stellte fest, daß es eine gute Akustik gab. Er blueste seinen Kumpeln was vor. Ein guter Abschluß einer gescheiterten Unternehmung. Was macht man mit einem Wertgegenstand, der nicht mehr zu einem passen will? Bares für Rares. Eine Anzeige im Lokalblatt. Er erhielt mehrere Anrufe. Nur einer zögerte nicht, als er 3000,- DM als Preis nannte.
Am nächsten Tag tauchte der Interessent auf, in seinem Gefolge 1 Begleiterin und: ein Pianist. Man suchte für ein soeben neu eröffnetes „Oldenburger Brauhaus“ ein passendes Instrument. Der Musiker setzte sich ans Klavier und zauberte ein Potpourri verschiedener Stilrichtungen in die Garage. Der Könner war sich sicher: das passte absolut zu dem, was sie suchten. Der Lokalbetreiber
verhandelte gar nicht erst, sondern blätterte aus einem vorbereiteten Umschlag die Scheine auf die Tastatur. Vielleicht fand er das Elfenbein interessanter als den Klang. Zu viert wuchteten sie den Kasten auf den mitgebrachten Anhänger - und weg war das Teil. So hatte er aus dem Erbe der Großeltern doch noch etwas mitbekommen. Wie sein zukünftiges Leben es vermuten lässt, hat er mit dem Geld sich sicherlich schöne Dinge gegönnt, aber nichts auf „die hohe Kante gelegt“.
Einige Zeit danach besuchte er mit einem Freund das Lokal. Im großen Saal wurde Fußball übertragen. Gleich hinterm Eingang stand das schwarze Klavier auf einem Podest. In der Halbzeitpause setzte er sich mit einem Bier in seine Nähe und versuchte nochmal, eine Beziehung herzustellen.
Einige Monate später prangte auf der Titelseite der Lokalzeitung: „Brauhaus abgebrannt. Ursache noch ungeklärt.“ Der Verdacht machte sehr schnell die Runde, daß es sich um einen `heißen Brand` handeln könnte. Er fuhr dann mal dahin, um sich die Katastrophe anzusehen. Durch ein Fenster blickte er in ein total verkohltes Gebäude, nichts war übrig geblieben.
Nur das Oberteil des Klaviers ragte aus dem schwarzen Wust heraus.
Er hatte das Bild des runden Kuppelgebäudes im Blick, das als einziges nach dem Atombombenabwurf der Amerikaner auf Hiroshima stehen geblieben war. Damals war es ein buddhistischer
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