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Filme im Kino
MoX Kino-Tipps KW2410.06.2026
Texte: Horst E. Wegener
The Love that remains
Island/ Dänemark/ Frankreich/ Finnland/ Schweden ´25; R: Hlynur Pálmason. Ab 18.6. Wertung: **** Bild: Hlynur Pálmason
Gleich zu Beginn des Films werden wir Zeuge, wie ein Kran das Wellblechdach einer Lagerhalle am Hafen anhebt, es – einen Augenblick innehaltend – über den stehenbleibenden Wänden baumeln lässt, ganz so, als wäre die Entscheidung über Zerstörung des Alten oder ein radikaler Neubeginn noch offen. Übertragen auf den Lebensentwurf jener Künstlerin, die in den Räumlichkeiten der Lagerhalle bis dahin ihr Atelier vorfand, fällt der eine Neuausrichtung nicht schwer. Genauso kurzentschlossen wie Anna (Gardarsdóttir) ihre Kunst dann eben künftig im Freien erschaffen mag, hat sich die Ehefrau und Mutter auch von ihrer ohnehin oft auf dem Meer weilenden besseren Hälfte Magnus (Gudnason) getrennt. Man hat sich auseinandergelebt, war ohnehin von Anfang an grundverschieden – er als Hochseefischer Teamplayer, sie Individualistin. Der drei gemeinsamen Kinder wegen verbringen die Ex-Ehepartner trotz alledem auch weiterhin Zeit miteinander, wann immer Magnus an Land ist. Zwischen Familienmahlzeiten, Ausflügen mit den Kindern, kleinen Zwistigkeiten beobachtet und unterstreicht die Regie, wie Vertrautheit auch über das Ende einer Liebesbeziehung bestehen bleibt.
Der vielfach ausgezeichnete Regisseur und Drehbuchautor Hlynur Pálmason hat längst seine ganz eigene Art gefunden, vom Leben und der Liebe oder dem, was nach einer Trennung davon übrigbleibt, zu erzählen. Dabei werden von ihm Parallelen zwischen der sich im Laufe eines Jahres verändernden Natur und dem Wesen der Menschen gezogen, bindet Pálmason seine eigenen drei Kinder gekonnt ins Darstellerensemble mit ein, punktet er zudem mit grandiosen Landschaftsaufnahmen. Beeindruckend.
D: Saga Gardarsdóttir, Sverrir Gudnason, Ida Mekkin Hlynsdóttir, Porgils Hlynsson, Grimur Hlynsson, Ingvar Sigurdsson.
Sommer auf Asphalt
Deutschland ´26; R: Simon Ostermann. Ab 11.6. Wertung: *** Bild: Wueste Medien
Valeska (Emde), die alle nur Les nennen, fühlt sich mit ihren fast dreißig Jahren wie der ewige Teenie. Stets auf der Suche nach Spaß im Hier und Jetzt, lebt sie in einer offenen Beziehung mit ihrer Derzeitigen Roya (Haller), lässt sich zwar auch auf andere Mädels ein, kann aber ´ner Nummer mit ´nem Kerl ebenfalls durchaus einiges abgewinnen. Hauptsache unverbindlich! Dummerweise ist der Sex mit Arbeitskollege Tyler (Hilmer) für Les diesmal nicht ohne Folgen geblieben. Und da sich die am Rande des selbst gewählten Prekariats jobbende Fahrradkurierin weder ´ne Schwangerschaft inklusive Verdienstausfall im sündteuren Hamburg leisten kann, noch Kollege Tyler die ungeplante Vaterrolle zutraut, geschweige denn, dass sie Roya diese überraschend neue Lebensplanung aufdrängen möchte, liebäugelt Les mit einem Schwangerschaftsabbruch. Als dann plötzlich und unerwartet ihr Vater Bert (Herbst) vor der Tür steht, gerät das bisherige Lebenskonzept endgültig ins Wanken.
Simon Ostermann lädt sich bei seiner ersten Kinoregie eindeutig zu viel auf: Vom von-Tag-zu-Tag- Überlebensmodell in der Großstadt inklusive Beziehungsstress und Prekariats-Problematik (nachdem Les auch noch zusätzlich mit einer Verletzung geschlagen ist, woraufhin ihr Vater sie als Kurierradler vertreten will) hangelt sich „Sommer auf Asphalt“ zur Tochter-Vater-Dramödie, um als Krankheitsdrama zu enden. Die Ästhetik kommt über TV-Herzschmerz-Qualitäten selten hinaus, Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst variiert seine bestens bekannten Schauspielermanierismen bis hin zur Diagnose-Frotzelei „Ist doch nur Krebs. So what“ – und die erfrischend talentierte Mala Emde müht sich angesichts derlei Peinlichkeiten von der Regie ziemlich allein gelassen durchs Schlamassel.
D: Mala Emde, Christoph Maria Herbst, Gina Haller, Aaron Hilmer, Jenny Schily, Moritz Führmann.
I only rest in the Storm
Frankreich/ Portugal/ Brasilien/ Rumänien ´25; R: Pedro Pinho. Ab 18.6. Wertung: *** Bild: Terratreme Filmes
Der portugiesische Umweltingenieur Sergio (Coragem) reist in das westafrikanische Guinea-Bissau, um für eine NGO ein Umweltgutachten zu einem Straßenbauprojekt zu erstellen. Vor Ort setzt ihm die Hitze mächtig zu, lenkt er sich zusehends mehr damit ab, ins Nachtleben der Metropole abzutauchen. Vor allem mit der femme-fatale-schönen Bar-Betreiberin Diara (Diara) und dem schwulen brasilianischen Expat Guilherme (Guilherme), der auf der Suche nach seinen „Wurzeln“ vor Jahren ins Land kam, schließt Sergio schnell Kontakt – beide zeigen sichtlich erotisches Interesse an dem Neuankömmling. Diaras Bar entpuppt sich als Treffpunkt der queeren Szene in dem ansonsten konservativ geprägten Land.
Filmemacher Pedro Pinho sucht und findet sinnliche Bilder für Sergios Arbeitstag und dessen nächtliche Freizeitvergnügungen. Gleichwohl werden in Gesprächen über Postkolonialismus, Politik, Privilegien, Queerness und den problematischen Realitäten westlicher Finanzierungen die selbstzufriedenen Überzeugungen des Möchtegern-Gutmenschen auf arbeitsbedingter Stippvisite im Land zusehends mehr in Frage gestellt, misslingt der Regie ihr neorealistisch angedachtes Bild einer postkolonialen Gegenwart.
D: Sergio Coragem, Cleo Diara, Jonathan Guilherme.
Backrooms
USA ´26; R: Kane Parsons. Ab 18.6. Wertung: **** Bild: A24
Möbelhausbesitzer Clark (Ejiofor) hat sein Leben kein bisschen im Griff: Beklagt sich über Gott und die Welt, dass seine Frau abgehauen ist, der Laden nichts abwirft – und mit den Rollenspielchen, die ihm von seiner Therapeutin Dr. Mary Kline (Reinsve) stimmungsverbessernd verordnet werden, kommt der Looser mental erst recht nicht klar. Immerhin fällt Clark dann eines Tages im Keller seines Showrooms ein kleiner Spalt in der Wand auf, aus dem Licht kommt: Es gelingt ihm, sich durch den Spalt zu zwängen und in eine Parallelwelt überzutreten. Zwar schaut er sich nur kurz vor Ort um, erzählt seiner Mitarbeiterin Kat (Maxwell) und deren Freund Bobby (Bennett) aber nach der Rückkehr ins eigene Geschäft von seinem Ausflug – und man kommt überein, möglichst zu dritt auf Entdeckungstour zu gehen. Die labyrinthische Welt entpuppt sich als ein Sammelsurium nicht enden wollender Flure, die allein schon aufgrund der monoton gleichbleibenden Neonbeleuchtung und der nicht einmal farblich variierten Gelbtönung, mit der die Wände gestrichen sind, nurmehr von einem leeren Raum zu nächsten führt. Absolut nachvollziehbar, dass jedermann hier im Nu die Orientierung komplett verliert, um somit nicht mehr zu wissen, wo man sich befindet – und wie einer aus dem Schlamassel wieder herausfinden könnte. Selbst Clarks Therapeutin Dr. Mary Kline (Reinsve), die auf der Suche nach ihrem abgängigen Patienten sich alsbald ebenfalls im Labyrinth verirrt, steht schnell auf dem Schlauch, ist ratlos, scheint verloren…
Ein bild- und tonwuchtiger Psycho-Trip über Wahrnehmung, Realitätsveränderung, Isolation und ungekannte Gefahren kommt in die Gänge – und als Kinogänger sollten wir über starke Nerven verfügen, um die Contenance nicht zu verlieren. Kein Horrorfilm, wie man ihn erwarten würde – von einem blutjungen Filmemacher, der sein Ensemble effektiv führt und wie ein alter Hase thrillt.
D: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplassm Finn Bennett, Lukita Maxwell.
The Furious
Hongkong/ China ´25; R: Kenji Tanigaki. Ab 18.6. Wertung: ***
Irgendwo in Südostasien treibt ein Kinderhändlerring sein Unwesen. Der stumme kampfsport-erfahrene Wang Wie (Xie), der sich nach seiner Flucht aus China am neuen Heimatort als Handwerker verdingt, muss mit ansehen, wie seine kleine Tochter Rainy (Yang) auf offener Straße von Handlangern des Kinderhändlerrings entführt wird. Als es ihm dann dämmert, dass von Seiten der Polizei keinerlei Hilfe zu erwarten ist, startet er seine eigene Suchaktion. Dabei trifft Wang Wei auf Navin (Taslim), dessen Frau (Yanin) als Journalistin zu den Hintermännern des Kartells recherchierte, bevor sie spurlos verschwand. Ihr Ehemann versucht seither, diese Recherche fortzusetzen. Und nachdem klar ist, dass man auf derselben Seite steht, verbünden sich Wang Wei und der ebenfalls kampfsport-erfahrene Navin, scheut das Duo keinen Kampf, um bis zu den Bossen des verbrecherischen Kartells vorzudringen und Rainy zu finden.
Um es ganz klar zu sagen: Die Story ist balla balla, die Dialoge grauenhaft – und mehr als Dreiviertel der Laufzeit besteht aus Kämpfen. Allerdings dürften die Actionszenen zum Besten gehören, was sich derzeit an Martial-Arts-Kampfkunst im Kino bestaunen lässt. Choreografiert wie ein Ballett im Raum, inklusive präziser Licht-, Ton- und Kameraführung bringt die Regie ihr Martial-Arts-Duo sichtlich an deren Grenzen, zeigt, wie sie blutend, vor Schmerz das Gesicht verziehend sich zum spektakulären Endkampf im Finale durchfighten. Für Actioner-Fans ein Muss!
D: Miao Xie, Joe Taslim, Enyou Yang, JeeJa Yanin, Joey Iwanaga, Brian Lee, Yayan Ruhian.
The Death of Robin Hood
USA ´26; R: Michael Sarnoski. Ab 18.6. Vorankündigung Bild: A24
Gealtert zieht sich Robin Hood (Jackman) ins Dickicht der Wälder zurück. Nach einem Leben voller Gewalt ist er der vielen Schlachten überdrüssig, hadert mit den meisten seiner einst getroffenen Entscheidungen. Eigentlich hatte der Gesetzlose den Tod in einem allerletzten Kampf gesucht, doch stattdessen nimmt sich eine geheimnisvolle Frau (Comer) des schwer verletzt zusammengebrochenen Einzelgängers an. Sie pflegt ihn nicht nur gesund, sondern zwingt ihn auch, sich seiner Vergangenheit zu stellen – und eröffnet Robin Hood damit eine letzte Chance auf Erlösung.
Statt heroisch-romantischer Mantel-und-Degen-Abenteuer stehen moralische Selbstbefragung, Gewaltfolgen und eine gebrochene Titelfigur im Zentrum. Ob dieser Streiter für die Entrechteten beim Publikum ankommt? Mal seh´n…
D: Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgard, Murray Bartlett, Noah Jupe, Faith Delaney, Tabitha Smyth, Beau Thompson.












