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Weg mit den Tabus09.09.2026



Text und Foto: Thea Drexhage

Irgendwann habe ich angefangen, die Motive meiner Tapete nachzuzeichnen und dann wollten die Nachbarskinder auch alle eine Mickey Mouse und so ging das dann los.“ Einige Jahre später kam in ihr der Wunsch auf, bildende Kunst zu studieren, doch das damit einhergehende Klischee der „brotlosen Kunst“ hielt sie letztendlich davon ab, weshalb sie Diplompädagogik studierte. „Das war damals dann aber eigentlich genauso brotlos“, lacht sie heute. Nach ihrer Arbeit in therapeutischen Kinder- und Jugendgruppen, die geprägt war von Schichtdiensten, Personal-mangel und Wochenendarbeiten vergaß Petra Bergmann, auf sich und ihren Körper zu hören. Überarbeitung und Erschöpfung machten sich breit. „Irgendwann ging es nicht mehr“, schaut sie zurück. Also erstmal raus, den Kopf abschalten, neue Eindrücke sammeln und Abstand gewinnen. Während einer dreimonatigen Reise nach Thailand und Neuseeland traf sie den Entschluss, sich endlich wieder um die Malerei zu kümmern. „Ich habe dann ein Fernstudium gemacht und parallel selbstständig in der Diplom-pädagogik gearbeitet. Und dann kamen irgendwann die Kinder“, so Bergmann. Und mit den Kindern die Entscheidung, die Pädagogik hinter sich zu lassen und sich komplett auf die Kunst zu fokussieren. Angefangen hat alles mit Postkarten und Kunsthand-werksmärkten. Kleine Formate, die für jeden zugänglich und erschwinglich sind. Diese kamen gut an. Auf der Frankfurter Buchmesse stellte sie sich dann mit ihrer Mappe bei Verlagen vor und sammelte erste Erfahrungen, gute sowie schlechte, in der Buchbranche. „So ein Kinderbuch zu illustrieren ist ein besonderes Erlebnis. Mein erstes habe ich während des Coronalockdowns illustriert mit zwei kleinen Kindern. Das war herausfordernd, aber auch total gut, denn ich konnte von zuhause arbeiten und war von nichts abhängig.“, erzählt die Künstlerin. Mittlerweile arbeitet Petra Bergmann an ihrem ersten eigenen Kinderbuch, dies behandelt kindgerecht das Thema Trauer. 2022 verlor die Künstlerin ihren 7-jährigen Sohn an Kinderdemenz. Ein Schmerz, den sich nur wenige vorstellen können, weshalb es auch vielen Menschen in ihrem Umfeld schwerfiel, damit umzugehen. Wie redet man mit jemandem, der so einen Verlust erlitten hat? Petra Bergmanns soziales Umfeld habe sich in dieser Zeit stark verändert. Sie selbst hat Kraft in der Kunst gefunden und brachte ihre Gefühle auf die Leinwand. Erst kürzlich stellte sie in der Schmiede in Bloherfelde einige Arbeiten unter dem Titel „Metamorphosen meiner Trauer“ vor, die ihren ganz eigenen Umgang mit Verlust und Trauer zeigen. Aber auch andere sollten sich in diesen Arbeiten wiederfinden und vielleicht auch in den Dialog kommen. Der Kindstod dürfe kein Tabuthema mehr sein. Das möchte sie auch in ihrem Buch transportieren. Natürlich ist es etwas anderes, eine Geschichte zu entwickeln, statt einen vorgegebenen Text zu illustrieren, aber dieser Herausforderung nimmt sich Petra Bergmann sehr gern an. „Wichtig ist, dass man sich der Zielgruppe bewusst sein muss und was die Kinder in welchem Alter schon verstehen können. Diesbezüglich bringt meine Agentin sehr viel Erfahrung mit. Verlage tun sich tatsächlich auch mit dem Thema relativ schwer, aber wir sind von der Geschichte überzeugt, weshalb ich ganz zuversichtlich nach vorne schaue.“, so Bergmann. Zusätzlich versucht die 47-Jährige auch, anderen Menschen die Kunst als Ausdrucksmittel näher zu bringen. So veranstaltet sie immer mal wieder „Malen für verwaiste Mamas“ und schafft dort einen geschützten Raum für trauernde Frauen in der Schmiede Bloherfelde. Gern würde sie dieses Angebot regelmäßiger anbieten, doch dafür wären Räume notwendig, die sie dauerhaft belegen könnte, was sich in Oldenburg bekanntermaßen als schwierig erweist.

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