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Zufallsfund mit historischer Dimension07.10.2026

Text: Joachim Mittelstaedt Foto: Ines Resse

[font=Bembo]Ein kleines Glasbruchstück kam zwischen Spaten und Erdkrumen zum Vorschein. Beim genauen Hinsehen entpuppte sich die Scherbe als Träger eines besonderen Glassiegels. Es zeigt laut Auskunft von Ines Reese, Grabungstechnikerin bei der Ostfriesischen Landschaft, eine ‚Harpyie‘. Das ist eine große Greifvogelart.[/font][font=Bembo] [/font]
Das Besondere dabei: „Die Harpyie“, so Reese, „ist das Wappen der Herrscherfamilie Cirksena und scheint somit aus Ostfriesland zu stammen.“ Glassiegel sind Prägungen auf Glasprodukten und weisen auf den Hersteller hin. Der Fund ist auch deshalb bedeutsam, weil Ostfriesland kein typischer Glashüttenstandort war. Denn dazu gehörte immer viel Wald und damit Holz, um solch eine Produktion zu ermöglichen. Zwar gab es im 19. Jahrhundert in Emden und in Großefehn Versuche zur Herstellung von Glasprodukten. Die wurden aber bald wieder eingestellt. Der Gartenfund könne, so Ines Reese, „auf eine Glasmanufaktur unter der Regie der Cirksena in Aurich hindeuten.“ Sie verwies in diesem Zusammenhang auch auf schriftliche Quellen, nach denen der ostfriesische Fürst Christian Eberhard schon im 18. Jahrhundert einen Versuch gestartet habe, in Sandhorst eine Glashütte zu betreiben. Es ging um die Herstellung großer, bauchiger Flaschen (Bouteillen) zum Transport von Flüssigkeiten.
Bisher ist das Glassiegel das einzige bekannte Fundstück dieser Art. Es ist mit einem Durchmesser von fast fünf Zentimetern recht groß und zählt laut Reese daher tendenziell zu den älteren Glasmarken des 18. Jahrhunderts.

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