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Wochenzeitung DIABOLO:
Bildung für wenige?
Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien studieren immer noch zu selten24.05.2018

Text  |  Christoph Kienemann

Die Tore der Universitäten sollten eigentlich allen Menschen mit Abitur gleichermaßen offen stehen. PolitikerInnen werden zudem nicht müde, die angeblich hohe Chancengerechtigkeit des bundesrepublikanischen Bildungssystems hervorzuheben. Doch die Zusammensetzung der Studierenden zeigt, Kinder von Nicht-AkademikerInnen studieren viel seltener als der Nachwuchs von Eltern mit universitärer Bildung.

Von 100 Akademiker-Kindern studieren 79, von 100 Nicht-Akademiker-Kindern 27. Die Zahlen, die das deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) kürzlich in seinem Bildungstrichter vorlegte, müssten bei BildungspolitikerInnen für Aufruhr sorgen. Offenbar sind die Bildungschancen in der Bundesrepublik immer noch extrem ungleich verteilt und hängen entscheidend vom Bildungshintergrund der Eltern ab. Nur 12 Prozent der Kinder, deren Eltern über keinen beruflichen Abschluss verfügen, gehen nach dem Schulabschluss an eine Hochschule. Sobald mindestens ein Elternteil über einen Berufsabschluss verfügt, steigt der Anteil der Kinder, die studieren gehen, bereits auf 24 Prozent. Hat mindestens ein Elternteil zusätzlich das Abitur als höchsten Schulabschluss erworben, beträgt die Hochschulbeteiligung schon 48 Prozent eines Jahrgangs. Die Ursachen für diesen Missstand sind vielfältig, einen Grund sieht das DZHW in den vielen Übergängen, die im deutschen Bildungssystem verankert sind: „Familien mit geringerem Bildungshintergrund tendieren häufig dazu, die Kosten für höhere Bildung zu überschätzen und Bildungserträge zu unterschätzen, ungeachtet des vielleicht hohen Bildungspotentials ihres Kindes“, erläutert Nancy Kracke, Mitautorin des Bildungstrichters, eine Ursache für die Chancenungleichheit.  Bei Eltern, die eine höhere Bildung genossen haben, verhält es sich hingegen genau andersherum. Hier werden gezielt Mittel zur Förderung der Kinder eingesetzt und ein höherer Bildungsabschluss gilt als Teil der Sicherung des sozialen Status der Familie. Bei den Übergängen im Bildungssystem findet daher jeweils ein Selektionsprozess statt, der von der Bildungsnähe des Elternhauses abhängt.
Diese Chancenungleichheit führt letztlich dazu, dass Kinder aus Akademikerhaushalten im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung an den Hochschulen überrepräsentiert sind. Trotz der Anstrengungen, die teilweise von der Politik unternommen werden, haben sich die Zahlen in den letzten Jahren nicht verbessert. Seit dem Jahr 2005 sind keine Fortschritte zu erkennen. Das DZHW betrachtet auch den Einfluss eines möglichen Migrationshintergrundes auf die Repräsentanz an einer Universität. Hier zeigte sich, dass Menschen mit Migrationshintergrund, die aus einem nicht-akademischen Umfeld stammen, genauso unter-repräsentiert sind, wie Personen ohne Migrationshintergrund. Anders sieht es bei den Akademiker-Kindern aus. Menschen mit Migrationshintergrund, die aus einer Akademikerfamilie stammen, sind noch stärker überrepräsentiert, als ihre Mitstudierenden ohne Migrationshintergrund.
„Es kann nicht sein, dass der Bildungsweg eines Menschen so stark von seiner sozialen Herkunft geprägt wird. Dem entgegenzuwirken, ist eine gesamtstaatliche Aufgabe; es geht um das gesamte Bildungssystem“, kommentierte Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep, Präsident des Deutschen Studentenwerkes, die Ergebnisse des Bildungstrichters. Das Studentenwerk fordert als konkrete Gegenmaßnahme eine Stärkung der sozialen Infrastruktur und schlägt eine Erhöhung des BAföG-Satzes vor. Wichtig sei zudem auch, dass günstiger Wohnraum für Studierende zur Verfügung gestellt wird. „Wie gut, dass der Bund die Länder beim Neubau und bei der Sanierung von Studierendenwohnheimen unterstützen will. Das ist im Koalitionsvertrag der Großen Koalition festgelegt“, so Postlep. Derweil treibt das Thema auch den AStA der Oldenburger Universität um. Hier fordert man ebenfalls, dass Bildung kein Privileg sein dürfe und wünscht sich insbesondere mehr Einsatz für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums.

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