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Jugendaustausch über Gräber hinweg19.12.2019





Text und fotos  |  Joachim mittelstaedt

Im Sommer waren russische Jugendliche für drei Wochen zusammen mit Jugendlichen aus Deutschland und Frankreich in einem Camp der Stadt Emden in der Normandie. Veranstalter war der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“. Auf dem Rückweg machten sie Station in Aurich. Hier fand ein deutsch-russisches Seminar statt. Zum zehnten Mal übrigens, ein kleines Jubiläum. Insgesamt 18 russische und deutsche Jugendliche nahmen daran teil. Das Thema: „Sie waren unter uns – Zwangsarbeiter in Emden und Aurich“.

Zum Programm in Aurich gehörten Seminargespräche, Recherche an Hand von Zeitzeugenberichten und viel Austausch mit anderen Jugendlichen. Es ging dabei vor allem darum, eine Feier an der russischen Kriegsgräbergedenkstätte in Tannenhausen bei Aurich vorzubereiten.
Offiziell begrüßt wurden die jungen Leute von Aurichs stellvertretendem Bürgermeister Hinrich Röben im Ratssaal der Stadt. Im Gespräch mit „Diabolo“ erklärte die 16-jährige Russin Lisa Smirnykh zum Grund ihrer Teilnahme in gutem Deutsch: „Ich möchte etwas Wichtiges in meinem Leben machen.“ Und sie wolle mit der Reise auch ihr Deutsch verbessern. An ihrer Schule werde die Sprache schon ab der zweiten Klasse unterrichtet. Zusammenfassend erklärte die junge Frau: „So eine Reise hilft zu begreifen, wie schön der Frieden ist.“
Am Schluss des Seminars fand eine beeindruckende Gedenkfeier an der Kriegsgräberstätte in Tannenhausen statt. In kleinen Gruppen stellten die Jugendlichen dabei den zahlreichen Gästen die Ergebnisse ihrer Recherche vor.
In Tannenhausen hatte man bereits 1940 ein Lager aus Baracken aufgebaut. Im Februar 1942 traf dann ein Zug mit den ersten Kriegsgefangenen ein. Sie mussten im nahen Marinearsenal unter erbärmlichen Bedingungen arbeiten. Wenige Schritte neben dem Elternhaus von Alfred Rohlfs entstand schnell ein „Russenfriedhof“. 1984 schrieb Rohlfs in einem Bericht: „Mitten im bitterkalten Februar 1942 kamen die ersten sowjetischen Kriegsgefangenen nach Tannenhausen.“
Eine andere Arbeitsgruppe stellte in einem ‚Zeitzeugengespräch‘ den Bericht eines Jungen vor, der 1929 in Emden geboren worden war. Er habe gesehen, wie 5 Ukrainer wegen Nichtigkeiten aufgehängt wurden. Auch der „Brief nach Hause“ eines 16-jährigen deutschen Marinehelfers wurde verlesen: „Wir sollten für den Endsieg kämpfen und wurden in Larrelt eingesetzt.“ Ein anderer Teilnehmer berichtete über einen weiteren jungen Soldaten. Dessen Vorgesetzter habe sich auch in den letzten Kriegstagen noch an die Jungen gewandt: „Wenn einer von euch abhaut, erschieße ich ihn eigenhändig mit dieser Pistole.“
Die traurigen Berichte wurden von den jungen Teilnehmern immer wieder durch Gesangseinlagen und Gitarren- und Querflötenmusik unterbrochen. Schließlich sangen die 18 Jugendlichen aus Russland und Deutschland das Lied: „So ist Versöhnung.“ Dort heißt es im Refrain: „So muss der wahre Friede sein. So ist Vergeben und Verzeihen.“ Das ging den vielen Zuschauern aller Generationen sichtlich unter die Haut.
Marco Wingert aus Oldenburg, er hatte als Bezirksleiter Weser-Ems des „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ die Veranstaltung moderiert, zeigte sich im Gespräch beeindruckt: „Dieses zehnte Seminar war auch in der Rückschau eine ganz tolle Veranstaltung.“ Wingert bedankte sich für den langen Atem der Organisatoren in Ostfriesland: „Da hat sich etwas Tolles über die Jahre entwickelt.“

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