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Wochenzeitung DIABOLO:
Mekka für Jazzfans
Das jazzahead! Festival 2018 in Bremen12.04.2018

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Mekka für Jazzfans<br />Das jazzahead! Festival 2018 in Bremen

„Die Kunst geht nach Brot“, heißt es in Lessings Bühnenklassiker „Emilia Galotti“. So mancher aktive Politiker hierzulande denkt gern andersherum: Kultur soll für den Staat bitte schön Geld verdienen – möglichst über den Umweg der gleichzeitigen Tourismus-Ankurbelung. Denn Kulturinteressierte sind eine begehrte, kaufkräftige Klientel. Wenn man sie also durch Festivals und Messen dazu animiert, einen Kurzurlaub in der Region zu buchen, wird eine lukrative Partie für die lokale Wirtschaft daraus, von der Hotels, Gaststätten, Live-Locations bis hin zum Einzelhandel, öffentlichen Nahverkehr und Tankstellen profitieren. Das Beste daran: Ein Reigen durchreisender Stars kostet Staat, Bundesland, Hansestadt nebst Region drumherum nur den Bruchteil dessen, was an anfallenden Kosten etwa für den ganzjährigen Etat von festen Ballett-, Musical-, Schauspiel-Ensembles, für Sinfonik, Popularmusik und Technik einzuplanen wäre.

In puncto Jazz kommt erschwerend hinzu, dass in den Köpfen mancher für Kultur Zuständiger nach wie vor die Vorkriegsabgrenzung in U- und E-Musik herumzuspuken scheint: Jazz wäre gemäß dieser Denke der Unterhaltungsmusik zuzuschlagen, würde als nicht förderungswürdig betrachtet. Und um noch ein weiteres Klischee hinterherzuschieben: Der interessierte Zuhörer von Jazzkonzerten ist eher älteren Semesters. Doch weit gefehlt! Eine Untersuchung der Bremer jazzahead!-Organisatoren im Vorjahr ergab, dass fast ein Viertel der Besucher des alljährlich im April stattfindenden Musik-Events jünger als 35 Jahre alt sind. Eine Bestätigung dafür, dass die jazzahead!-Macher etwa mit ihrer Clubnight-Schiene mittlerweile beim ausgehfreudigen jüngeren Publikum punkten. Dies reine Bauchgefühl lässt sich allemal auch mit Zahlenmaterial unterfüttern: Man kann für sämtliche jazzahead!-Sektionen seit Jahren Besucher- und Teilnehmerrekorde auflisten – für 2017 machten die Veranstalter im Vergleich zum Jahr davor ein Plus von rund 40 Prozent bei den Ausstellern und von etwa 15 Prozent bei den Fachbesuchern geltend. Im Live-Bereich waren sowohl die Finnische Nacht zum Festivalauftakt als auch die Showcase-Konzerte der nachfolgenden Tage sowie die Clubnight-Aktivitäten in insgesamt 40 Spielstätten ausverkauft.
Da rund 60 Prozent der jazzahead!-Besucher sowie ein Großteil der Aussteller und der Musiker im Vorjahr von außerhalb in die Hansestadt kamen, sorgt das international bekannte Branchen- und Fan-Get-together zudem für einen deutlichen Anstieg der Übernachtungszahlen. Drei Viertel der Gäste von außerhalb gaben im Vorjahr an, während der jazzahead! vor Ort übernachtet zu haben. Und diese jazzahead!-Besucher gaben im Verlauf ihres Bremer Kurzbesuchs rund 2,6 Millionen Euro in der Stadt aus. Daraus lässt sich ein regionalwirtschaftlicher Effekt ableiten, der durch die positive Werbung, die Fachmagazine, Feuilletons, Brancheninsider und Musiker mit ihrer Mund-zu-Mund-Propaganda und Artikeln über den Stellenwert des kulturellen Reigens in alle Welt verbreiten, in barer Münze schwerlich aufzuwiegen ist. Wer sich anno 2018 über die neuesten Trends im polnischen Kulturbereich sachkundig machen will – dem dieses Jahr der Länderfokus gewidmet ist – für den ist die jazzahead! ein Muss; gleiches gilt für all jene, die an neuen Strömungen im internationalen und nationalen Jazz interessiert sind. Um es mit der Erkenntnis des Fachblatts Jazzthing auf den Punkt zu bringen, ist Bremen „mittlerweile jedes Frühjahr international the place to be in Sachen Jazz“. In diesem Sinne: Man sieht sich; oder?

jazzahead! Festival
6. bis 22. April, Bremen, diverse Locations


Text  |  Horst E. Wegener

Foto:
Über den Dächern von Oldenburg

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