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MoX - Veranstaltungsjournal
Unvergänglichkeit
Jan Wandscher, Steinmetz27.09.2018

<i>MoX - Veranstaltungsjournal</i><br />Unvergänglichkeit<br />Jan Wandscher, Steinmetz

Dass sich Jan Wandscher dem Handwerk des Steinmetzes verschrieben hat, sieht man nicht nur an seiner Arbeitskleidung, die aus der typischen Zunftweste und der dazugehörigen Hose besteht. Ob in der Werkstatt, in seinem Büro oder draußen auf dem Gelände seines Betriebes: Überall versammeln sich unterschiedliche und anspruchsvolle Arbeiten aus Stein, die Jan Wandscher und sein Team geschaffen haben. „Wir haben das seltene Glück, dass wir jährlich fast nur Unikate herstellen.“ Auch im Gespräch wird schnell klar, dass seine Arbeit zur Passion geworden ist. Diese wurde ihm durch den familiären Betrieb mit auf den beruflichen Weg gegeben. „Mein Bruder und ich haben uns damals in das Handwerk verliebt. Unser Vater hat uns immer die Wahl gelassen und uns nie in irgendeine Ecke gedrängt. Je nach Veranlagung förderte er uns. Ich war immer mehr so der kreative Querdenker und Gestalter.“ Den Grundstein für den Steinmetzbetrieb legte einst der Urgroßvater. In den 70er Jahren übernahm der Vater von Jan Wandscher die Führung. Das Aufwachsen im Steinmetzgewerbe bedeutete für den damals noch jungen Jan zu lernen, das Unternehmen zu betreuen und in späterer Übernahme zu leiten. Eine Verantwortung, die er aber bereitwillig und dankend annahm. Denn er steht hinter seiner Arbeit mit der Überzeugung, dass „vergängliche Momente in etwas Unvergänglichem festgehalten werden“. Darin liegt für Jan Wandscher genauso der Reiz begründet wie in der Vielschichtigkeit seines Berufs, die oftmals unterschätzt wird. „Das Steinmetzhandwerk selbst bietet viele Reize, sei es jetzt in der Restaurierung alter Steinsubstanz oder beispielsweise beim Bauhandwerk, wo wir Fußböden, Fensterbänke, Fassaden und Tischplatten aus so genannten ‚Unmaßtafeln‘ kreieren. Viele ausgelernte Kräfte konzentrieren sich auf die Herstellung von Grabmälern. Zuweilen finde ich es schade, dass unser Handwerk nur darauf reduziert wird. Zumal auch viele denken, wir würden einfach nur Rohlinge beschriften, das wird unserem Berufsstand eigentlich nicht gerecht.“ Zwar zählen Jan Wandscher und seine Mitarbeiter auch zu den Grabmalschaffenden, doch für den Oldenburger steht nach wie vor die Frage im Raum, was mit dem einst Erlernten noch geschaffen werden kann. Seien es jetzt Relief- und Ornamentplatten oder Kunst und Design für Heim und Garten. Im eigenen Betrieb stehen dafür Granite und Gneise beispielsweise aus Europa, Asien oder Afrika zur Verfügung. „Wir haben schon bestimmte Maßstäbe und Ansprüche und wollen mit dem Kunden in einem Gespräch ersinnen, was möglich ist und was wir erarbeiten können.“ Wenn Jan Wandscher von einem ‚Wir‘ spricht, dann meint er damit sein gegenwärtiges Team aus drei Gesellen, einem Lehrling und seiner Frau und seiner Mutter, die ihn zusätzlich im Büro unterstützen. Jan Wandscher empfindet nach wie vor große Dankbarkeit und einen gewissen Stolz auf den Urgroßvater, aber auch auf die nachfolgenden Jahrgänge, „die es ermöglicht haben, dass der Betrieb jetzt auch schon im nächsten Jahr 95 Jahre alt wird“, wie er mit einem bedeutungsvollen Blick zu Protokoll gibt. Er selbst bezeichnet sich in diesem Gefüge als „Kümmerer für Alles“. Generell besteht seine Hauptaufgabe zunächst darin, Gespräche mit den Angehörigen der Hinterbliebenen zu führen. Hierbei möchte er vor allem zu einem tröstenden Verweilen einladen. Aus den Gesprächen versucht er zudem Ansätze zu ermitteln, wie das Grabmal oder aber der entsprechende Gedenkstein aussehen könnte. „Darüber hinaus bin ich für die Konzeption, Planung und für die Kalkulation verantwortlich.“ Das klingt nach viel Büroarbeit. Also nicht unbedingt das, was man von einem Steinmetz erwartet. „Wenn sie in einem kleinen Handwerksbetrieb selbstständig sind, werden sie feststellen, dass der bürokratische Anteil, alleine schon mit dem, was ‚Vater Staat‘ von uns erwartet, immer mächtiger wird.  In seiner rar gesäten Freizeit versucht Jan Wandscher die Arbeit am Stein, die im beruflichen Alltag von Zeit zu Zeit zu kurz kommt, so gut wie es eben nur geht nachzuholen. „Wenn ich die Zeit habe, vor allem im Winter, überlege ich mir weitere Herausforderungen, die vom Alltag auch ein bisschen abweichen.“  

Text und Foto: Dana Hubrich

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