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Und dann packt es uns ...  Roman Ehrlich stellt Roman “Malé” vor15.10.2020



text  |  Horst E. Wegener

Wobei wir uns auch schon in vor-pandemischen Zeiten die Frage aller Fragen gestellt haben könnten: Wie lange mögen diese Urlauberdestinationen überhaupt noch existieren, bevor sie endgültig in den Wellen des Indischen Ozeans zu versinken drohen?
Der Wahlberliner Schriftsteller Roman Ehrlich entwirft in seinem dritten Roman „Male“ eine düstere Climate-Fiction für die Welt. Und der 37-Jährige nimmt uns mit in eine nicht allzu ferne Zukunft, in der aufgrund des Meeresspiegelanstiegs das Wasser in der Hauptstadt der Malediven knöcheltief in den verschlickten Straßen steht, man nur noch in den oberen Stockwerken der Behausungen auf Male wohnen kann. Da es auch andernorts nicht allzu gut ausschaut, die Dinge in Europa oder Nordamerika politisch-wirtschaftlich längst den Bach runtergegangen sind, geben sich Einzelgänger, verlorene Seelen und Milizionäre auf den Inselwelten im Indischen Ozean ein Stelldichein. Zu dieser Gesellschaft der Glückssuchenden und Aussteiger gehört auch die Schauspielerin Mona Bauch, deren behaupteter Selbstmord ihrem Vater Elmar im fernen Deutschland zu Ohren kommt. Da er ans Ableben seiner Tochter nicht glaubt, beschließt der Alte, vor Ort nach ihr zu suchen. Die Frage, die Elmar alsbald umtreibt: Könnte Mona eine Affäre mit dem ebenfalls verschwundenen deutschen Lyriker Judy Frank gehabt haben? Das Schicksal dieses Verschollenen versucht zeitgleich die aus Minnesota stammende Literaturwissenschaftlerin Frances Ford zu klären. Zum Leidwesen sowohl für die US-Amerikanerin als auch für den Deutschen ergehen sich alle, die etwas über den Verbleib von Mona oder Judy wissen könnten, bestenfalls in Andeutungen. Zu den kryptischen Hinweisgebern zählen vor allem ein Professor, der in seinem Etablissement überm hauptstädtischen Restaurant Blauer Heinrich residiert sowie die Niederländerin Hedi Peck, deren autokratische Truppe von einem Kreuzfahrtschiff aus die Bevölkerung mit einer Droge namens Luna versorgt.
Wer Roman Ehrlichs Roman liest, darf keine mainstreamige Endzeit-SciFi-Prosa erwarten. Vor allem über die ersten paar Seiten hinweg braucht es Durchhaltevermögen: Überall anstrengendes Passiv, endlose Satzgebilde, apostrophierte Figuren; da ist beim allwissenden Erzähler auch weiterhin beständig die Rede vom verzweifelten Vater der verstorbenen Schauspielerin oder der amerikanischen Literaturwissenschaftlerin, ganz so, als sollten uns Elmar Bauch oder Frances Ford fern und fremd bleiben.  Ohnehin fordert dem Leser diese Art des Schreibens Aufmerksamkeit ab: Während einen das Setting an Endzeitfilme à la „Blade Runner“ erinnern könnte, ähnelt die Machart von „Male“ eher einer David-Lynch-Mär,die beständig ins Mysteriöse wegmäandert. Und dann packt uns die Schreibe doch irgendwann, zumal es der 37-Jährige drauf hat, durch das Spiel mit Bildern Atmosphäre zu erzeugen.
1983 in Aichach geboren und in Neuburg an der Donau aufgewachsen, trat Roman Ehrlich zunächst eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker an. Diese brach er ab, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Freien Universität Berlin, um schon mit seinem Debütroman „Das kalte Jahr“ anno 2013 als großes Sprachtalent von den Feuilletons republikweit gewürdigt zu werden. Sein gerademal dritter Roman katapultierte Ehrlich jetzt sogar unter die Nominierten für den diesjährigen Deutschen Buchpreis. Was uns nebenbei bemerkt mal wieder zeigt, wie vorausschauend die Strippenzieher der LiteraTour Nord ihren Lesereigen zusammenstellen, deren diesjähriger Auftakt der Wahlberliner Ehrlich bestreiten darf.

Lesung Roman Ehrlich
aus seinem aktuellen Roman „Male“ am 25.10. ab 11 Uhr im PFL, OL

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