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Buchfavorit: „Das Archiv der verlorenen Kinder“ von Valeria Luiselli
Vorgestellt von Birgit Elke Schumacher, Leiterin des Literaturkreis im Kunstverein16.10.2021



Birgit Elke Schumacher: Aus geschichtlichen Gründen werden diese zum Teil allein von ihren Eltern auf die Reise geschickt und zum Teil holen Leute sie aus den USA nach. Das war ein sehr prägender Roman, auch weil die Autorin selbst sehr interessant zu dem Thema gekommen ist. Sie ist selbst Mexikanerin und nun etwa in ihren Vierzigern. In den USA muss man sich ja um die Staatsbürgerschaft bemühen und einen Einbürgerungsprozess durchlaufen. Sie hat dort Probleme gehabt und ihre Einbürgerung ließ auf sich warten. Sie durfte dann nicht mehr arbeiten, was ein Problem war. Sie kam aus dem Sprachenbereich an einer Universität und hat dann geschaut, was sie machen kann, ist dann dazu gekommen, unbegleitete Minderjährige vor Gericht zu vertreten. Wir stellen uns das immer ganz einfach vor. Wie kommt man in die USA? Die Leute gehen einfach über die Grenze. Aber so ist das gar nicht. In den USA ist es so, dass die Kinder, auch die Migranten, sich in die Hände der Polizei begeben und dann zu „illegal Aliens“ werden und innerhalb einer bestimmten Frist müssen sie beweisen, dass sie berechtigt sind, in den USA zu sein.
Auf dem langen Weg dorthin kommen natürlich viele Kinder ums Leben. Es sind Banden unterwegs. Sie legen eine Strecke von Madrid bis Moskau zurück, muss man sich vorstellen. Die Autorin macht es ganz spannend und erzählt in diesem Buch drei Geschichten. Ihre eigene, die der Kinder und dann gibt es einen zweiten Teil im Buch, über ihre eigenen Kinder und ein damit einhergehendes Schicksal, aber über diesen Teil verrate ich nicht zu viel, sonst ist die Spannung weg. Es ist ein Buch, das man gut in der Gruppe lesen kann, weil es sehr experimentell von der Form ist.  Aber es ist auch ein spannendes Thema.
MoX: Was hat Ihnen besonders gut gefallen?
Birgit Elke Schumacher: Es ist sehr eindringlich geschrieben. Die Form ist zwar etwas ungewöhnlich, aber das Thema ist sehr spannend. Sie kann diese Stränge ganz wunderbar verbindet. Zuvor hat sie einen Essay über das Thema geschrieben, der ist sehr engagiert mit sehr viel Herzblut und sehr viel Übertreibung. Das war die erste Stufe und dann hat sie es literarisch praktisch gebändigt. Dadurch, dass sie ihre eigene Familiengeschichte hinzu genommen hat, wird das Ganze sehr gut lesbar. Man bleibt dran, weil diese so spannend ist.
MoX: Wie haben Sie das Buch gelesen?
Birgit Elke Schumacher: Ich habe das Buch in Papierform gelesen. Hörbücher blende ich schnell aus, wobei ich gut gemachte Hörspiele mit gut gemachter Musik und Geräuschen auch ganz toll finde. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich darauf aufmerksam geworden bin. Ich habe immer meine Antennen offen. Man nennt mich auch das literarische Trüffelschwein. Solche Bücher kommen irgendwie immer zu mir.
MoX: Wem würden Sie das Buch empfehlen?
Birgit Elke Schumacher: Im Prinzip jedem, wobei nicht unbedingt Kindern, oder vielleicht doch, schließlich sind sie ja auch betroffen…wenn man geübt ist im Lesen, vielleicht so ab 13 Jahren, wenn man beginnt, sich für soziale Probleme in der Welt zu interessieren.
MoX: Was wissen Sie über die Autorin?
Birgit Elke Schumacher: Sie ist ursprünglich Mexikanerin und wurde auch mit mehreren Preisen ausgezeichnet, lebt immer noch in den USA.

Interview und Foto: Thea Drexhage

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