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Liebt die Arbeit in der Werkstatt
Stefan Dieker, Augenoptikermeister11.07.2019



Versteht sich von selbst, dass er solch eine angesagte, mit schwarzem Rahmen versehene Brille trägt. Als sich der Oldenburger für die Selbstständigkeit entschied, wollte er weniger den traditionellen Weg gehen als vielmehr in die Modewelt eintauchen. „Ich schaue sehr genau, ob ein Fassung eine schöne Formen- und Farbsprache besitzt und ob sie mit dem Gesicht des Trägers harmoniert.“ Zeitgenössische Trends, wie er erzählt, stammen vor allem aus dem Netz; insbesondere Social Media und Blogs generierten diese. Ist die Brille also zu einem Lifestyle-Produkt avanciert? Dass Brillen mehr Anklang finden, ist nicht nur auf Trends in der Mode zurück zu führen. Ebenso trägt unsere demografische Entwicklung dazu bei, dass sie letztendlich eben doch auch vehement als Sehhilfen gefragt sind und genutzt werden. „Die Zahl der älteren Menschen steigt. Ab Mitte Vierzig benötigen wir zumeist eine Brille, das ist unbestreitbar. Heutzutage sind Sechzig Prozent der Menschen Brillenträger, das heißt, mehr als jeder Zweite benötigt eine Brille.“ Neben dem demographischen Wandel führt Stefan Dieker auch noch einen weiteren Punkt auf, der ganz klar unsere postmoderne Gesellschaft kennzeichnet: „Es gibt diese Theorie, dass die Menschen der nächsten Generation bereits kurzsichtig auf die Welt kommen. Immerhin sind wir längst keine Jäger und Sammler mehr, die, um das zu Wild erlegen zu können, in die Ferne blicken müssen. In unserer Zeit findet alles in unmittelbarer Nähe statt: Das Blicken auf Bildschirme von Smartphones, Tablets und ähnlichem.“ Somit bringt es der Optiker auf den Punkt: Unsere Gewohnheiten beeinflussen auch unser Sehen. Dementsprechend ändern sich auch die Anforderungen an das Sehen. „Das Sehen ist für uns anstrengender geworden. Zumeist blicken wir auf erleuchtete Bildschirme. Es ist wichtig, dass wir unsere Augen schützen, denn das blaue Lichtspektrum von LED kann durchaus schädlich für sie sein.“ Mit gerade einmal siebzehn Jahren ist Stefan Dieker in den Beruf des Optikers eingestiegen. „Die Arbeit machte mir sofort Spaß. Ich wollte etwas Handwerkliches machen, verbunden mit Kreativität und der Arbeit mit Menschen. Eben das traf genau auf diesen Beruf zu.“ Für gewöhnlich verarbeiten Stefan Dieker und seine Kollegen Halbfertigprodukte. Nach einer ausführlichen Beratung folgen etliche Arbeitsschritte, die den Weg zur fertigen Brille ebnen sollen. „Es muss geklärt werden, welche Fassung und welche Stärke der Kunde braucht. Welche Ansprüche hat er an seine Fassung?  Nach der Ermittlung des passenden Wertes – das geschieht im so genannten Refraktionsraum - bestellen wir die entsprechenden Brillengläser, die im Anschluss auf die Form passend geschliffen werden. Danach erfolgt eine erneute, anatomische Anpassung.“ An dieser Stelle fließen die Bereiche der Naturwissenschaft und Physik mit ein. „Wir als Optiker wissen, wie das menschliche Auge auf das Brillenglas reagiert beziehungsweise welche physikalischen Vorgänge dabei von statten gehen, welchen Weg also der Lichtstrahl zu unserem Auge bewältigt.“ In seiner jetzigen leitenden Position steht der selbstständige Optiker nach wie vor noch gerne in der Werkstatt. „Ich mache das für mein Leben gerne! Ich mag auch kleinere Reparaturen, das wird heute leider nicht so mehr gelehrt wir früher. Oftmals wird nur noch ausgetauscht oder neu bestellt.“ Der Oldenburger sieht diesen Wandel kritisch. „Als ich meine Ausbildung vor vierzig Jahren begann, war das wirklich noch ein Handwerksberuf. Das nimmt leider immer mehr ab. Meiner Meinung nach ist es aber unerlässlich, die Mechanismen der Herstellung zu kennen, um so ein besseres Verständnis für das Produkt zu bekommen.“ Was die Herstellung der Produkte anbelangt, so zeichnen sich auch hier  Entwicklungen ab, die den Themen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein entgegen kommen: Kompostierbare Brillen-Fassungen und Etuis aus geschreddertem Strandgut.
 Text und Foto: Dana Hubrich