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Wochenzeitung DIABOLO:
Serie: Künstler von Hier
11 Fragen an … Helmut Lindemann18.10.2018

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Serie: Künstler von Hier <br />11 Fragen an … Helmut Lindemann

interview und foto  |  Karin Peters

Realistische Feinmalerei nennt sich das, was Helmut Lindemann auf seinen brillanten  Bildern zeigt. Insekten, Vögel, Fahrräder, so detailgenau und plastisch, dass man die Leinwand dahinter fast vergisst. Und dennoch geht seine Malerei weit über das Abbilden der Realität hinaus. Durch riesige Vergrößerungen, ungewohnte Perspektiven und Raumsituationen oder die rätselhafte Konstellation einzelner Bildelemente wird Wirklichkeit für den Betrachter zur subjektiven Wahrnehmung –  vielleicht sogar zur Illusion? Welche Inhalte haben Bücher, die keine Titel tragen und was geschieht hinter dem roten Theatervorhang, vor dem eine Dohle auf einem Holzkasten sitzt? Fragen über Fragen, die  jeder nur für sich selbst beantworten kann. Mehr als 200 Ölgemälde hat der seit 1982 in Oldenburg freischaffende Künstler gemalt. Was ihn immer wieder reizt, ist die Darstellung von Oberflächen  oder die Frage, „ab wann wird aus einer grünen Fläche eine Käferflügeldecke?“ Zwischendurch widmet er sich noch einer weiteren Leidenschaft, der Konstruktion beweglicher Skulpturen. Was als Spielzeug für seinen Sohn begann, hat er zur mechanischen Kunstform entwickelt, vom bewegten Wandgemälde nach El Lissitzky bis zum spaßigen Kohlpanoptikum. Es lohnt sich also, die aktuelle Ausstellung „Crossover“ im Stadtmuseum zu besuchen. Dort sind die Werke von Helmut Lindemann zusammen mit denen von Marina Schulze noch bis zum 28. Oktober zu sehen.  

DIABOLO: Wie sind Sie zur Malerei gekommen?
Lindemann: Nach dem Abitur in Oldenburg musste ich meinen Wehrdienst ableisten. Danach versuchte ich mich an einem Mathematik- und Physikstudium in Freiburg, aber nach wenigen Wochen war mir klar, das hat mit mir gar nichts zu tun. Mit dem anschließenden Jurastudium in Berlin ging es mir auch nicht besser. Um Geld zu verdienen, fuhr ich an den Wochenenden Taxi. In der übrigen Zeit genoss ich die Berliner Großstadtluft, ging in viele Ausstellungen, saß mit Kunststudenten in Kneipen und ließ es auf mich zukommen. Dann lernte ich die Oldenburger Malerin Marie Meyer Glaeseker kennen. Ich zeigte ihr einige meiner Zeichnungen und sie nahm mich als Schüler an. So gründeten wir eine der ersten Mehrgenerationen-WG‘s. Ich kümmerte mich ums Einkaufen, Rasenmähen und das Haus und sie lehrte mich alles, was man als Maler so wissen muss. So hatte ich nun die Muße und bekam den konstruktiven Zuspruch, um meine gegenständliche Feinmalerei zu entwickeln, fernab aller kurzatmigen Stil- und Inhaltsdiskussionen.
DIABOLO: Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewirken?
Lindemann: Meinen inneren Frieden. An den Reaktionen der Betrachter sehe ich, dass es auch anderen Menschen mit meinen Bildern gut geht und das ist ja schon eine ganze Menge. Dass man darüber hinaus mit Kunst die Welt verbessern könnte – obwohl sie das ja dringend nötig hätte – daran glaub ich nicht.
DIABOLO: Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?
Lindemann: Ich gebe mir keine Themen vor. Die Darstellung von Oberflächen interessiert mich. Die Chitinschichten eines Käfers oder das Federkleid eines Vogels haben eine Licht brechende Feinstruktur. Dadurch entstehen irisierende Farbverläufe und das so darzustellen, dass es funktioniert, finde ich immer wieder faszinierend. In meinem Kopf gibt es ein virtuelles Ideenregal. Darin wird immer wieder aufgeräumt und umgruppiert. Und so reifen die Ideen, teilweise sehr alte Eindrücke, langsam vor sich hin, bis sie irgendwann realisiert werden sollen. Nachdem mein Sohn geboren war, ergab sich bald die Frage nach geeignetem Spielzeug. Ein Gang durch die einschlägigen Geschäfte schlug mir regelmäßig so auf den Magen, dass ich beschloss, selber Spielzeug zu bauen. Daraus entwickelten sich dann meine kinetischen Objekte. In den 70er Jahren haben sich alle Berliner Museen zu einer Ausstellung zum Thema „Kunst der 20er Jahre“ zusammengeschlossen. Da war ich Dauergast. Ich hatte damals schon den Eindruck, dass die Bauhausbilder eigentlich Momentaufnahmen eines kinetischen Prozesses sind. Nun habe ich die Mittel, um sie in Bewegung zu setzen und in der aktuellen Ausstellung im Stadtmuseum können Sie einige der Ergebnisse sehen.
DIABOLO: Wo und wie arbeiten Sie?
Lindemann: Ich wohne jetzt in Friedrichsfehn. Ein Schlafzimmer ist zur Werkstatt umfunktioniert, da werden die Kugelbahnen gebaut und das Wohnzimmer ist zum Atelier geworden. Wie ich arbeite? Kontinuierlich mehr oder weniger fleißig und immer nur an einem Projekt. Malen ist bei mir meistens Nachtarbeit, denn so kann ich für gleichmäßige Lichtverhältnisse sorgen. Dazu lass ich mir dann vom CD-Spieler Literatur vorlesen.
DIABOLO: Ihre kreative Eigen-Art?
Lindemann: Ich arbeite nicht für Kunsthistoriker, deshalb interessiert mich das eigentlich nicht. Was meine Bilder betrifft, mache ich dem Betrachter offene Angebote, die er selbst interpretieren kann. Bei den kinetischen Objekten gibt es vielleicht ein Alleinstellungsmerkmal, jedenfalls kenne ich sonst niemanden, der etwas vergleichbares baut. Es gibt zum Beispiel Bilder von Bauhaus, die habe ich fast 1:1 umgesetzt und dann in Bewegung gebracht.
DIABOLO: Ein Höhepunkt in Ihrer bisherigen Arbeit?
Lindemann: Wenn das Bild fertig ist und ich mich bei einer Flasche Rotwein über das Ergebnis freuen kann.
DIABOLO: Ein aktuelles Projekt?
Lindemann: Eine kleine Kugelbahn für mein Patenkind.
DIABOLO: Wo ist Ihre Kunst zu sehen?
Lindemann: Zur Zeit in der Crossover-Ausstellung im Stadtmuseum. Und sonst bei mir im Atelier oder auf meiner Homepage im Internet.
DIABOLO: Was bedeutet Erfolg für Sie?
Lindemann: Mit meiner Arbeit zufrieden sein zu können. Aber wenn morgen das New Yorker Museum of Modern Art anruft, um eine Ausstellung mit mir zu verabreden, wäre das doch fein. Außerdem ist es ja auch immer schön und notwendig, eine Arbeit verkaufen zu können.
DIABOLO: Wie lebt es sich als Künstler in Oldenburg?
Lindemann: In Berlin, wo ja jetzt alle hin wollen, gibt es gefühlte 200 Galerien und mehrere zehntausend unverkaufte Bilder. Da bietet Oldenburg, mit seiner überschaubaren Szene, doch einen ruhigen Rahmen, in dem es sich als Künstler gut leben und arbeiten lässt.
DIABOLO: Ein Wunsch, ein Plan, eine Vision?
Lindemann: Ach ja, wenn morgen das Centre Pompidou anriefe, wäre ja auch schön. Pläne: Das Ideenregal ist noch gut gefüllt, mal sehen, was als nächstes herausfällt. Vision: Hoffentlich geht es gut mit den Menschen und der Welt.

Kontakt.: www.helmut-lindemann.com

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