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Wochenzeitung DIABOLO:
Solidarität gewinnt
Europäischer Bürgerpreis für Förderverein Sozialklinik27.09.2018

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Solidarität gewinnt<br />Europäischer Bürgerpreis für Förderverein Sozialklinik

text und fotos  |  Christoph Kienemann

Seit dem Jahr 2008 verleiht das europäische Parlament den europäischen Bürgerpreis für außergewöhnliches Engagement für ein besseres gegenseitiges Verständnis und mehr Integration in der Europäischen Union. In diesem Jahr gehörte der Oldenburger Förderverein Sozialklinik Kalamata zu den ausgezeichneten Initiativen, die an Montag dieser Woche, 24. September, in Berlin geehrt wurden.

Die Aufregung war groß im Pressesaal des Europäischen Hauses in Berlin. Mehrere Abgeordnete des EU-Parlaments, Mitglieder des Bundestages und Landtagsabgeordnete hatten sich nach Berlin begeben, um die Helden des Alltags auszuzeichnen, die mit ihrem Engagement dafür sorgen, dass die Europäische Union mit Leben erfüllt ist. Aufgebrochen nach Berlin war auch eine Delegation aus Oldenburg. Joachim Sohns, Elke Vajen, Jürgen L. Herr, Wilhelm Lüpkes und Anke Prager-Herr sind Mitglieder des Fördervereins Sozialklinik Kalamata, der seit Jahren durch Spendensammlungen das ehrenamtliche Engagement der griechischen Ärzte der Sozialklinik in Kalamata unterstützt. Vorbildlich sei der Einsatz des Fördervereins, lobte Laudator Tiemo Wölken, Mitglied des Europaparlamentes: „Der Verein tritt nicht etwa als Caritas auf, sondern leistet solidarische Hilfe und ermöglicht damit Hilfe zur Selbsthilfe.“ Doch so gut und wichtig die Arbeit der Oldenburger sei, wünsche er sich doch, dass der Verein bald nicht mehr gebraucht werde und sich die wirtschaftliche Situation in Griechenland wieder verbessert. Der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der niedersächsischen Jusos befasst sich schon länger mit der Finanzkrise in Griechenland und ist sich der Auswirkungen der sogenannten Sparpolitik auf die griechische Gesellschaft bewusst. Als er von der Arbeit des Fördervereines erfuhr, nominierte er den Verein für den europäischen Bürgerpreis.  
Die Situation im griechischen Gesundheitssystem sei derweil dramatisch. Im Zuge der Finanzkrise verloren viele Griechen ihren Zugang zum Gesundheitssystem, wer länger als ein Jahr arbeitslos ist, bekommt keine staatliche Unterstützung mehr. Ein Sozialsystem nach Vorbild der Bundesrepublik gibt es nicht. Für die BürgerInnen bedeutet dies, sie müssen ihre Arztrechnungen und Medikamente aus eigener Tasche bezahlen. Wer noch eine Krankenversicherung besitzt, sieht sich zudem mit einer Selbstbeteiligung von bis zu 25% konfrontiert. Um diese unhaltbaren Zustände abzumildern, engagieren sich viele griechische Ärzte ehrenamtlich und bieten kostenlose Behandlungen für Menschen ohne Versicherungsschutz an. So auch in einer Sozialklinik in Kalamata. Bereits im Mai 2012 entstand die Klinik auf Initiative der örtlichen Ärztekammer. Der Förderverein unterstützt diese Arbeit seit seiner Gründung im Jahr 2016 mit Spendengeldern, durch die Medikamente oder medizinische Geräte finanziert werden. Inzwischen hat der Verein 13 Mitglieder und konnte 14.000 Euro Spendengelder sammeln.  
Bei aller Freude über die Auszeichnung mit dem europäischen Bürgerpreis erinnerte Joachim Sohns, Gründer des Fördervereins, an die Mitverantwortung der Europäischen Union für die derzeitige Lage in Griechenland. Die Sparpolitik führe dazu, dass Griechenland nicht dazu in der Lage sei, ein leistungsfähiges Gesundheitssystem aufrechtzuerhalten. „Wir hoffen, dass die Politik sich für einen Umschwung in Griechenland einsetzen wird“, appellierte Sohns an die Politik. Bis es soweit ist, werde das Projekt aber weiter für den Gedanken der europäischen Solidarität eintreten und nach dem Prinzip des Füreinander Einstehens agieren.  
Die Idee für die Gründung des Fördervereins entstand auf dem Höhepunkt der Finanzkrise in Griechenland. „Wir haben die Medienberichte verfolgt und wollten uns engagieren, auf einer ganz konkreten Ebene“, erinnert sich Joachim Sohns. Für den Förderverein steht dabei vor allem der Gedanke der europäischen Solidarität im Vordergrund: „3 Millionen Griechen sind nicht krankenversichert und können sich wichtige Behandlungen nicht leisten“, sagt Elke Vajen. Von diesem Zustand sind insbesondere Menschen betroffen, die auf langfristige Behandlungen angewiesen sind, sie können sich weder die notwendigen Medikamente noch die Behandlungskosten leisten. „Während der Finanzkrise gingen beispielsweise Krankenkassen pleite, eine Sozialhilfe gibt es nicht und Bäuerinnen waren z.B. gar nicht im System“, erläutert Jürgen Herr die Problemlage. Hinzu komme, dass der griechische Staat durch die Sparauflagen gezwungen wurde, Ärzte und Krankenhauspersonal zu entlassen, das eigentlich dringend gebraucht wird. „Man muss klar sagen, dass die Ärzte in der Klinik Übermenschliches leisten“, ergänzt  Wilhelm Lüpkens. Für die Zukunft wünschen sich die OldenburgerInnen dann auch eine Abkehr von der Sparpolitik. Griechenland müsse wieder in die Lage versetzt werden, das Grundbedürfnis der Menschen nach einer Gesundheitsvorsorge zu erfüllen. „Dafür werden wir uns weiter einsetzen und wollen auch dazu beitragen, dass Vorurteile über Griechenland abgebaut werden, bzw. wir wollen die Menschen in Oldenburg über die Situation der Griechen informieren“, so Joachim Sohns. Die nächste Veranstaltung ist bereits in Planung. Im Januar organisiert der Verein eine Lesung aus dem Buch „Die ganze Geschichte“ von Yanis Varoufakis mit Schauspielern der Bremer Shakespeare Company.  Irgendwann so hoffen sie dann, ist die Arbeit des Fördervereins hoffentlich tatsächlich überflüssig.

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