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Wochenzeitung DIABOLO:
Hervorragendes Herzstück
Die Independent-Reihe des Filmfest Oldenburg20.09.2018

<i>Wochenzeitung DIABOLO:</i><br />Hervorragendes Herzstück<br />Die Independent-Reihe des Filmfest Oldenburg

text und foto  |  Christoph Kienemann

Die 25. Ausgabe des Filmfest Oldenburg zeichnete sich nicht durch nostalgische Rückblicke auf die Vergangenheit oder einmalige Jubiläums-Events aus, sondern stellte vielmehr wieder einmal die Kreativität des unabhängigen Kinos in den Vordergrund. Musste das Festival in der Vergangenheit um viele Filme kämpfen, kann man sich nun vor Einsendungen kaum noch retten. Davon profitierte in diesem Jahr auch die Qualität in den Kinosälen des Festivals.

Die Independent-Reihe ist nach wie vor das Herzstück des Oldenburger Festivals. In der Außenwahrnehmung bestimmen vielleicht eher die aufwendigen Retrospektiven oder die Ehrengäste aus Hollywood das Bild des deutschen Sundance, aber seinen Ruf hat sich das Filmfest schließlich als Showcase für kreatives, unkonventionelles und junges Kino erarbeitet. In seiner 25. Ausgabe konnte sich Filmfest-Chef Torsten Neumann gleich mehrere Schätze sichern. Mit Mikhail Raskhodnikovs „Temporary Difficulties“ sicherte sich dabei ein Film den German Independence Award, der den Trends aus Hollywood folgt. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, wird stringent erzählt, setzt auf glaubwürdige DarstellerInnen und gesteht ihren Protagonisten viele Facetten zu. Im Gegensatz zum Eröffnungsfilm „Unforgiven“, ebenfalls eine russische Produktion, schafft es Rashkodnikov, auf allzu viel Kitsch zu verzichten und hebt seinen Film aus seinem Entstehungskontext hinaus. Damit besitzt Temporary Difficulties ohne weiteres das Potenzial, auch außerhalb Russlands ein großes Publikum anzusprechen.
Mit Isabella Eklöfs Regiedebut „Holiday“ und René Ellers „We“ standen gleich zwei Filme mit ähnlicher Ausrichtung auf dem Programm. Beide Filme erzählen die Geschichte eines exzessiven Sommers, in dem sich die Protagonisten immer mehr im Netz von Gewalt und Kriminalität verfangen. Eklöf erzählt die Geschichte der jungen Drogenkurierin Sascha, die sich für ihr Luxusleben physischer und psychischer Gewalt aussetzt. Eller erzählt von acht Jugendlichen, die unaufhaltsam auf eine selbst verschuldete Tragödie zusteuern. Eklöf gelingt es dabei meisterhaft, die Verwandlung der unschuldigen Sascha in einen selbstbestimmten Todesengel zu zeigen. Mag das Publikum auch auf eine Erlösung der Hauptfigur hoffen, Sascha entscheidet sich anders. Diese Konsequenz erreicht We hingegen nicht, die Geschichte wirkt hingegen arg konstruiert. Für ihre Darstellung der Sascha erhielt die dänische Schauspielerin Victoria Carmen Sonne vollkommen verdient den Seymour Cassel Award für eine herausragende schauspielerische Leistung. Diese Auszeichnung teilte sie sich mit der kubanischen Nachwuchsschauspielerin Gabriela Ramos, die in „Is that you?“ brillierte. Der im Horrorgenre angesiedelte Film führte das Publikum in die Abgründe der menschlichen Seele und vermochte dies meisterhaft.
Ein kinematografisches Highlight stellte hingegen „The Boat“ des brasilianischen Regiesseurs Pietrus Cariry dar. Mit einer minimalen Story und sparsamen Dialogen erzählt Cariry die Geschichte des unbändigen menschlichen Verlangens des Strebens nach neuen Horizonten. Dabei setzt der Regisseur auf die archaische Kraft des Meeres und der Gezeiten, die er in exzellenter Weise auf die Leinwand überträgt. Kein Wunder, das Cariry bereits 42 Auszeichnungen auf internationalen Filmfestivals sein Eigen nennen kann.
Bei dieser hohen Qualität wirkten die us-amerikanischen Produktionen „All Square“ von John Hyams und „All these small Moments“ von Melissa Miller Costanzo schon fast gewöhnlich. Hyams erzählt die Geschichte des irgendwie doch sympathischen Losers Zibs, während Miller Costanzo eine Coming-of-Age-Story vorstellt, die nicht nur durch Molly Ringwald, sondern durch ihre gelungene Charakterdarstellung überzeugte. Totalausfälle gab es in diesem Jahr also keine zu verzeichnen.

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